Gängs Tagebuch
Gängs Tagebuch2021-10-04T08:44:30+02:00

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

11.Juli, 2026

Ein schwieriges Wochenende!

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Den Wanderfalken, allen Tiere rings um Heidelberg, stehen schwere Stunden bevor! Heute Abend um 22 Uhr beginnt die erste Schlossbeleuchtung in diesem Jahr. Bengalisches Feuer erinnert an das brennende Schloss, dann taucht das Feuerwerk den Himmel über der Altstadt in einen vielfarbigen Glanz. RUPERT erinnert sich an die Vorjahre, er wird frühzeitig flüchten. Ebenso die drei Jungfalken, für die das Spektakel neu ist.

(Übrigens: Am Donnerstag, 9. Juli, fand abends im Schlosshof die Generalprobe für die geplante Aufführung der Oper CARMEN vor geladenen Gästen statt. Deutlich war in der Dämmerung lautes Bettelgeschrei von Jungfalken zu hören! Das TRIO ist wohl doch noch nicht selbständig unterwegs!)

Am Sonntag, 12.Juli 2026, findet in Heidelberg und im nahen Neckargemünd ein BÜRGERENTSCHEID statt, der die Natur (Pflanzen, Tiere) von Heidelberg und Umgebung eventuell stark verändern könnte!
Sollen im besonders geschützten Flora-Fauna-Habitat „Lammerskopf“ acht Windräder TypE-175 EP5 mit 262,5 Meter Höhe, es wären die zweithöchsten im Land, errichtet werden? (Der Hahn auf der Spitze des Heiliggeistkirchturms steht auf 81 Meter Höhe.) Die Windräder am Greiner Eck im nahen Odenwald sind lediglich 175 Meter hoch. Die Bevölkerung- zeigt sich in Leserbriefen und Aktionen – als gespalten: Klimaschutz und erhoffte Einnahmen einerseits, Naturschutz und Ästhetik andererseits.
Der Regionalverband, BUND und NABU lehnen den Bau wegen der dort besonders schützenswerten Artenvielfalt , u.a. Wildkatze, auf dem Lammerskopf ab.
Das typische „romantische<" Stadtbild von Heidelberg wäre durch die acht riesigen Windräder ruiniert.

8.Juli, 2026

Vom notgelandeten Jungfalken zum erfolgreichen Vogeljäger

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Wir haben auch in der Saison 2026 beobachten können, dass der Nachwuchs vieles – gewissermaßen automatisch vorhanden – von einem Tag auf den anderen beherrschte: Kopf heben, Schnabel aufsperren, Bettelrufe, Drängeln, Beutereste festhalten und selbst Essbares abreißen, hüpfen, zielgerichtet zugreifen, mit den Flügeln schlagen, – ja sogar das Fliegen, auch wenn der Erststart misslingt!
Alles ist angeborenes Verhalten und gehört zur Grundausstattung wie Federkleid und Schnabel.

Ende Mai 2026 begann die Zeit des Lernens, der Nachahmung, der Jagd! Das geht nicht als „home- schooling“, sondern war eine Open-Air-Veranstaltung, die nur Menschen in Heidelbergs Altstadt gelegentlich verfolgen konnten.
Es war für RUPERT & LISELOTTE die anstrengendste Periode bei der Aufzucht des Trio, die nun zu Ende geht. Der Nachwuchs 2026 ist nun selbständig und „ausgebildet“ unterwegs
Die Jungfalken wurden noch lange geduldet. Sie standen/ruhten auch lange Zeit des Tages an einem sicheren hohen Ort. Vor allem in den letzten Wochen der großen Hitze! Sie kehrten von ihren Flügen immer wieder in die Altstadt zurück.
Dieses Verhalten geht nun zu Ende.

Rückblickend, ich war längere Zeit nicht in Heidelberg:
Wie erfolgte im Juni ihre „Schulung“, ihr Training?

Schon am frühen Vormittag erblickte das TRIO vom traditionellen Standort auf der nahen Jesuitenkirche aus, ein mit Beute herbei fliegendes Elternteil, flogen ihm entgegen und verfolgten es hartnäckig.RUPERT und LISELOTTE gaben keineswegs die Beute großzügig preis! Oft stiegen sie im letzten Moment in die Höhe, drehten sich auf die Seite oder auf den Rücken zur Übernahme der Beute durch den Nachwuchs. Manchmal ließen sie die Beute auch aus großer Höhe fallen und hofften, dass die Jungfalken die zu Boden stürzende Beute noch im Luftraum ergreifen.
(Manchmal beobachten Augenzeugen – vom Bettelgeschrei aufmerksam , dass kurz vor dem Aufprall der Beute auf Hausdächern oder in den Neckar, – wie aus dem Nichts -, das andere Elternteil sehr tief herbei fliegend, den herab fallenden toten Vogel noch in der Luft ergreift und mit ihm wieder in die Höhe fliegt, verfolgt von den kreischenden Kindern! Auf ein Neues!)

In Menschensprache: “Fang mich doch! Nimm mir die Beute weg! Nein, ich gebe sie nicht freiwillig her! Du musst sie gegen Deine Geschwister verteidigen, sonst bleibst Du hungrig!” Das Lernziel ist, eine Beute im Flug den widerstrebenden Eltern zu entreissen. Meist von unten anfliegend, sich auf den Rücken drehend und mit ausgestreckten Fängen zugreifend!

Dann nichts wie weg mit der Beute, an einen sicheren Ort zum Kröpfen, meist verfolgt von den gierigen Geschwistern. Nur so – aus Hunger – lernen sie Schritt für Schritt, – nein, Flugangriff auf Flugangriff – selbst einen fliehenden Vogel zu greifen.Es dauert etwa einige Wochen, bis die Jungfalken das gelernt haben. Dann ziehen sie allmählich weitere Kreise um die Altstadt und wandern schließlich ab.

2026 haben wir leider keine neugierigen Besuche des Nachwuchses in den Nistkasten beobachtet. Aber RUPERT ist täglich anwesend.

2.Juli, 2026

RUPERT hat immer ein wachsames Auge

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auf den Flugverkehr am Himmel und auf den nahen Bereich in seinem Territorium. Wir hoffen, dass inzwischen der Nachwuchs gut unterwegs ist. Nachdem in den letzten Tagen bei den hohen Tagestemperaturen tagsüber kein Beutevogel am Himmel war, konzentrierte sich auch das Leben der Wildtiere auf die frühen Morgen- und späten Abendstunden.

Danke, M.H.!

24.Juni, 2026

RUPERT trotzt der hohen Temperatur

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Danke, M.H.!

Im Nistkasten unter dem schwarzen Ziegeldach ist es nun sehr heiß!
Kein Wunder, dass RUPERT dort nur kurz kontrolliert. Für uns Menschen in Heidelberg sind heute 33° Celsius im Schatten nicht einfach auszuhalten. Vögel suchen sich jetzt selbstverständlich auch einen kühlen Ort und trinken viel.

19.Juni, 2026

Herzlichen Dank für eine schwierige und aufwändige Arbeit!

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Während meiner Abwesenheit hat ein erfahrenes Team den Nistkasten geleert, die Seitenwände gestrichen, den verschmutzten Bodenbelag entfernt und entsorgt, ein-zwei Eimer Kies-Sandgemisch eingetragen und die Eingangsklappe repariert. Diese Arbeiten mussten geplant, terminiert, mit den Akteuren koordiniert und mit der Pfarrei und Kirchendiener vereinbart werden. Dazu sind viele Telefonate und Absprachen notwendig.

Das geschah auch im 26. Jahr dieses Projekts in ehrenamtlicher Arbeit!

Eine großartige Leistung, für die ich mich herzlich bedanke!
HMG

3.Juni, 2026

Ich empfehle die Lektüre der vorjährigen Tagebuch-Einträge in Gängs Tagebuch-Archiv!

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Dort habe ich in den entsprechenden Monaten sehr ausführlich über das Leben der Jungfalken, ihre „Ausbildung“ durch die Eltern geschrieben.

Ich kann seit dem 4. Mai leider im neu installierten Website-Programm in „Gängs Tagebuch“ nur selten und mühsam einen Beitrag formulieren, bearbeiten, korrigieren und einstellen. (Wurde damals unsere Website gehackt ?)

Danke, M.H. für das aktuelle Foto von RUPERT!

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Nichts gegen Tauben! Auch sie sind schützenswerte Vögel.

Ich erinnere die recht aggressive Anklage einer Dame, die ich vor Jahren um Einstellung ihres Futterausstreuens an einer Hausecke am Marktplatz bat. „IHRE Falken töten die Tauben!“, als sie mich erkannte. (Meine Standardantwort ist dann immer: „ICH habe keine Falken, diese haben keinen Eigentümer.“)

Tauben sind Vögel, die nicht nur dem Wanderfalken ins Auge fallen. Auch bei uns Menschen löst dieser Vogel Emotionen aus.
Als weiße Taube ist sie ein Friedenssymbol (Picasso-Taube kennt jede/r) und ist zu Pfingsten Sinnbild des Heiligen Geistes. Es ist wieder in Mode weiße Tauben bei Hochzeitsfeiern o.ä. in die Luft zu entlassen? (Es gab vor Jahren eine Szene, als der Papst auf dem Petersplatz, Rom eine Taube in die Luft warf! Die aber nach wenigen Sekunden Flug von mehreren aggressiven Möwen zu Boden gebracht und getötet wurde.)

Seit alters her hält man die Taube für monogam und treu – ist sie natürlich nicht! – und sie gilt als Symbol der Treue, Reinheit und der Friedfertigkeit. (Na ja. Wenn ich sie zu meinen Füßen in der Altstadt betrachte, sind sie weder friedfertig, noch rein und die männlichen Tauben balzen mal diese und mal jene weibliche Taube an, die ihnen über den Weg läuft.)

Es gibt viele Taubenliebhaber, die sie in allen Formen, Farben und Eigenschaften züchten und Züchter von Brieftauben (Das“ Rennpferd des kleinen Mannes“, z.B. der Bergarbeiter, die nach ihrer Arbeit im Dunkeln Freude an Vögeln hatten). Es gibt in Deutschland weit über eine Million Brief-und Zuchttauben in menschlichem Besitz. Zum Vergleich: Es gibt etwa 1 300 wild lebende Wanderfalkenpaare in Deutschland. Taubenfreunde sind keine Freunde des Wanderfalken, das versteht sich von selbst.

Die Stadttaube, verwilderte Form der Haustaube, ist eine unbeliebte, ja gehasste Art, – als „Ratte der Lüfte“ wird sie beschimpft. (Beinahe wäre sie „Vogel des Jahres 2021“ des NABU geworden.) Eine Million Statdttauben soll in New York leben, die geschätzten dreihunderttausend Tauben Berlins hinterlassen pro Tag geschätzte zehn Tonnen einer Mischung aus Harnsäure und Kot (FAS, 19. 05. 2013, S. 62). Alle Haustauben stammen von der Felsentaube (Columba livia) ab, die sich vor etwa 10 000 Jahren dem Menschen anschloss. Es gibt wohl keine reine Wildform der Felsentaube mehr.

01. August 2026|0 Kommentare

Tauben um den Heiliggeistkirchturm

Welche Vögel sehen wir IMMER, wenn wir in der Heidelberger Altstadt in den Himmel und auf den Boden schauen? Tauben (Columba livia).
Es gibt sie in großer Anzahl in der Altstadt von Heidelberg, es sind hunderte im engen Umkreis um Heiliggeist! Ihre Zahl erhöht sich von Jahr zu Jahr. Sie können sich leicht ernähren, denn die tausenden von Touristen, die – ununterbrochen essend – auf den Straßen unterwegs sind, sorgen für ausreichende, wenn auch falsche Ernährung der Stadttauben.
Wohnraum für die Stadttauben ist allerdings rar. Wegen der Vielzahl der Stadttauben gibt es an den meisten Gebäuden aufwendige Schutzgitter und Stacheln. (Ein junger Heiliggeist-Wanderfalke ist vor einiger Zeit an einem Abwehrstachel letztlich zu Tode gekommen.)
Die Stadtverwaltung hat, leider viele Kilometer entfernt, in der der Südstadt einen Taubenturm errichtet. In der taubenreichen Altstadt von Heidelberg oder im Schlosspark wäre ein weiterer Taubenturm sinnvoll. Vor einigen Tagen war ich bei einer Theateraufführung im Schlosshof und war auch dort zu Beginn erstaunt über die große Zahl der Tauben.
Danke, M.H.!

01. August 2026|0 Kommentare

Schlaf am späten Vormittag im sich aufheizenden Nistkasten

28° C im Schatten ist die Temperatur jetzt um 10.45 Uhr an meiner von hohen Laubbäumen geschützten Wohnung in Waldnähe, an der sonnigen Außenwand bereits 35°.

Ich habe Erinnerungen an meine Besuche am Nistkasten bei ähnlichen Temperaturen:
„UNERTRÄGLICH!“ Für uns Menschen.
Denn kein kühlender Ostwind bläst jetzt in den Kasten, die schwarzen Dachziegel sind seit Sonnenaufgang „beheizt“: Rette sich wer kann, denke ich …

Aber RUPERT schläft.

Danke, M.H.!

30. Juli 2026|0 Kommentare

Ertragen Wanderfalken Hitze?

Wenn es heute und morgen in Heidelberg sehr heiß ist, fragen wir uns, wie LISELOTTE & RUPERT damit zurecht kommen.

Hitze und Kälte sind nicht allzu sehr lebensbestimmend für Wanderfalken.
Denn Wanderfalken sind „Meister“ bei der Anpassung an ihre Umwelt!

Wanderfalken ertragen gut Hitze und wissen sich davor zu schützen:
Ich erinnere einen Aufenthalt in Essaouira, Marokko, wo ich erfuhr, dass dort auf vorgelagerten pflanzenlosen Inseln Wanderfalken lebten, die ihre Brutzeiten nach den Vogelschwärmen auf deren Wanderungen von und nach Europa richteten.

Auch Kälte ist für Wanderfalken kein Problem:

Wanderfalken leben auf allen Kontinenten, mit der Ausnahme der Antarktis, die für Vogeljäger wohl nicht geeignet ist. Auch auf Island soll es keine Wanderfalken geben, obwohl dort Gerfalke (Falco rusticolus) und Merlin (Falco columbarius) als „Kalt-Wetter-Falken“ leben!

Abgelegene Inseln im Pazifik oder Atlantik sollen ebenfalls frei von Wanderfalken sein. Wanderfalken leben und brüten z.B. auch in Sibirien und in eisfreien Zonen Grönlands, wo es nur kurze Sommer gibt. Ebenso durchfliegen Wanderfalken auch sehr heiße Wüstengebieten Afrikas und Arabiens. In Afrika brüten Unterarten des Wanderfalken.

Der Biologe Herbert Spencer hat im 19.Jahrhundert das „Überleben der Stärksten“ als ein Motor der Evolution bestimmt und Charles Darwin hat den Begriff in seinem Hauptwerk „Of Origin of Species“ populär gemacht.

Man spricht heute – ganz modisch – von einem „design“ der Arten und schreibt, dass die Anpassung, Ausbreitung und Bestand der Arten an ihre „ökologische Nischen“ stärker von „abiotischen Faktoren“, also Klimaschwankungen, Vulkanausbrüche, Erdbeben bestimmt wird als von „fitness“.

Die Erwärmung der Erde durch menschliche Einwirkung ist längst bewiesen und wie erfahren täglich aus den Medien, wie in den Meeren und auf dem Festland Arten in Richtung kältere Zonen abwandern.

Die Gebiete der z.Zt. wütenden Waldbrände in Spanien und Frankreich werden Wanderfalken weiträumig umfliegen.

29. Juli 2026|2 Kommentare
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