Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Halbzeit der Brut
Heute, bei kaltem ( um 10 Uhr 9° C) Wetter, ist etwa die Hälfte der Brutzeit vergangen. Die Entwicklung der Embryos ist weit fortgeschritten. Beide Altfalken erfüllen ihre Aufgabe offensichtlich perfekt. ZEPHYR versorgt LISELOTTE mit Nahrung, das können wir nicht über die Kameras zeigen. Vor allem am frühen Vormittag, wenn LISELOTTE zu ihrem Bewegungsflug einige Zeit unterwegs ist, wird sie dem Terzel bereits in der Luft, oder an einer gemeinsamen Warte (Treffpunkt in der Schlossruine oder auf einer Felskanzel) die Beute abnehmen. Oder sie bedient sich aus einem Depot, in dem beide Falken bereits gerupfte Beutevögel diskret (Krähen!) abgelegt haben.
Oft werde ich gefragt, wer gerade auf dem Gelege liegt. Das ist jetzt recht einfach zu beantworten. Die längste Zeit, vor allem in der Nacht, bebrütet LISELOTTE das Gelege. Sie ist etwa ein Drittel (lat. Tertium) größer als der Terzel ZEPHYR und verfügt so über ihre Körpermasse über die stärkere Heizkraft. Selbstverständlich hat man die Brutdauer an manchen Nestkästen genau protokolliert. (Weil ich gerade in London war, zeige ich hier aus dem 2022 erschienenen Buch The peregrine Falcon von Richard Sale und Steve Watson eine Grafik aus S. 207) :

Auf der unteren Linie sehen wir die Daten vom 6. März 2022 (1.Ei) bis zum 16. April 2022 im Nistkasten auf dem Charing Cross Hospital, London bis zum Schlupf eines Kükens am 16. April gegen 18 Uhr. Auf der senkrechten Achse links sehen wir die Uhrzeit, wann die vier Eier gelegt wurden. Aus den drei weiteren Eier (gelb notiert) schlüpften leider keine Küken.
Achten Sie nun auf die Farben: GRÜN = nicht bebrütet, BLAU = Terzel brütet, ROT = Weibchen brütet. Diese Tabelle entspricht auch unseren Erfahrungen. Leider hat niemand bei uns je die Brutzeiten so penibel notiert.
Das Paar am 1. April
Danke, K.!
In diesen ruhigen Tagen
bin ich bis 31. März nicht in Heidelberg. Es gibt also für einige Tage hier nichts zu lesen.Eine gute Zeit wünscht Hans-Martin Gäng!
Business as usual
Alles geht seinen Gang. Es gibt nichts zu berichten oder zu schulmeistern. Auffallend ist in diesen Tagen nur, dass sich – im Vergleich zu allen Vorjahren – die Nestgrube um zwei Handbreit in Richtung Rückwand verlagert hat. Aber das ist ja nicht gerade sensationell.

Wanderfalken im Foyer, Rathaus Heidelberg
Nun ist die Falkenfamilie auch wieder präsent im Heidelberger Rathaus! Unten auf dem Podest (gefertigt von dem Namenspaten R.R.) mit einem „belehrenden“ Poster über Wanderfalken, darüber die aktuelle Datenlage, dann – wir sind stolz! – eine Urkunde (Dreimal wurde unser Projekt bei der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ausgezeichnet.) und natürlich die drei Webcams auf einem Bildschirm (gespendet von der Namenspatin S.M.) zum Miterleben.
Daneben, zum Mitnehmen, ein ausführliches Informationsblatt! Alles prima zusammen getragen und aktualisiert von Frau C.H. vom Umweltamt der Stadtverwaltung. So ist das Familienleben der Falken auch vor deren „Haustür“, wie vor den Corona-Jahren, wieder präsent. Wenn ich in das Rathaus komme, werfe ich immer einen Blick nach rechts: Fast immer stehen Menschen davor und die Gästeführer weisen auch die Touristengruppen auf „Heidelbergs Maskottchen“ ( so Alt-OB Beate Weber, 2005). Und zum Nachlesen gibt es das Infoblatt.
Danke, C.H.!

Ein Blick in das Innere der Eier
ist selbstverständlich nicht möglich. Aber man weiß von geöffneten und erforschten Eiern anderer Arten, z.B. von Hühnern, dass bereits am zweiten Tag der Brut die Embryonalentwicklung in hohem Tempo einsetzt. Heute, eine Woche nach Brutbeginn, könnte man bereits die Anlage des Herzens, des Gehirns und Rückenmarks, der Venen und Verdauungsorgane erkennen. All das entsteht aus der Energie des Dottervorrats.
Ja, es ist ein Wunder, das uns nachdenklich und demütig macht …
Das Verhalten der Eltern hat sich verändert
Es ist am und im Nistkasten in dieser Phase der Brutzeit recht ruhig. Die Ablösung von LISELOTTE durch ZEPHYR vollzieht sich rasch und ohne laute Äußerungen. Die beiden wollen nun wenig Aufmerksamkeit von anderen Greifvögeln („Störfalken“, also andere Wanderfalken, die das Territorium und den Nistkasten übernehmen wollen, -oder gar der nahe lebende und brütende Uhu!) auf sich ziehen. Deshalb steht nun auch keiner der beiden demonstrativ – und bisher uns über Cam 3 zur Freude – auf der Anflugstange. Die Altfalken kommen und gehen – nein, sie fliegen ab – so rasch wie möglich.
Wir sehen keine „Turteleien“ der Balz mehr, auch kein Dominanzverhalten bei LISELOTTE und Demutsverhalten bei ZEPHYR. Im Zentrum des Falkenlebens steht jetzt das Bebrüten des Geleges. Mit der Ablage der Eier und der Ansicht der Eier hat sich bei beiden Falken deren Hormonspiegel stark verändert: Die Testosteronwerte sind bei beiden zurückgegangen, der Spiegel des Hormons Prolaktin dagegen angestiegen.
Danke, M.H.!


Schichtwechsel beim Brüten am 22.März
Danke, K.!
Heiliggeist-Wanderfalken im Foyer des Rathauses
Die Gästeführer, die Touristengruppen durch die Heidelberger Altstadt leiten, machen auch Station im Eingangsbereich des Rathauses, weil dort ein ansprechend gestaltetes, plastisches Holzmodell der Altstadt steht, das einen guten Überblick bietet. Oft fällt der Blick der Besucher auch auf den Monitor auf einem Podest, der neben dem aktuellen Stand der Brut auch allgemeine Informationen auf einem Begleitpapier bereit hält. Wenn ich dort vorbei komme, beobachte ich auch die Reaktionen der Gäste.
Eine lustige Anekdote? Ehefrau:“ Schau, da steht, – Wanderfalken auf der benachbarten Kirche.“ Ehemann: „So ein Quatsch! Wer hat das so geschrieben? Das sind keine Wanderfalken ! Das sind doch Turmfalken, da drüben auf dem Kirchturm. Das sieht doch jeder.“

LISELOTTE am kühlen 20. März
Danke, K.!
Eine lange Zeit ohne Wärmezufuhr
Nun, es sind z.Zt. recht warme 14° C in Heidelberg, da machen wir uns noch keine Sorgen! SO schnell kühlt das Gelege nicht aus. Während der langen Nächte „heizt“ LISELOTTE wohl ausreichend. Die Natur wird es schon richten, sie weiß es besser als wir Menschen.
Danke, K.!
Brutwechsel
Danke, S.F.!
Training der Brustmuskeln und der Augen
In diesem Jahr hat der Nachwuchs ausreichend Raum im Nistkasten um seine Flugmuskeln zu erproben und zu entwickeln. Bereits jetzt haben die beiden Küken eine – interessante – Sicht auf den Himmel! Was fliegt denn da? Was bewegt sich dort? Woher kommt unsere Nahrung? Wer bringt sie?
WIR haben z.Zt. noch kein gutes Bild von Cam 3, die Anflugstange blockiert unseren Blick auf Schwelle und Distanzbrettchen zur Stange. Nein, wir können nicht Cam 3 an einem Ballon auf die gleiche Höhe ziehen, wir schauen von schräg unten hinauf.
In wenigen Tagen stehen die beiden Fälkchen außen!
Danke, A. Sch.!


Bald geht es hinaus in das Vogelleben
JOHANN wagt als erster den Schritt auf die Schwelle!
Danke, A.Sch. und D.B.!


Die Familie steht beisammen
Da die vier Falken ziemlich nah beisammen stehen, erkennen wir gut die Geschlechter. Große Weibchen, kleinere Terzel.
Danke, M.H.!

Schlecht gelaunte Eltern und ein Küken kurz vor dem Absturz
Wir wundern uns, dass bei diesen Wetterverhältnissen die Altfalken überhaupt Beute machen können. Der Nachwuchs wird bevorzugt versorgt. RUPERT wartet ab, bis auch das zweite Küken einen vollen Kropf zeigt. ANDREAS hat sich bereits satt zurückgezogen, als sich RUPERT den Rest der Beute greifen will. Ohne Rücksicht auf JOHANN messen die beiden ihre Kräfte. Entsetzt sehen wir, wie im Geflattere & Gezerre JOHANN sich buchstäblich hinaus „rettet“. Ich bin sehr froh, dass er sich festhalten konnte und schnell in den Kasten zurück sprang.
Er kann ja noch nicht fliegen, wäre irgendwo auf das Kirchendach oder auf den menschenleeren Umlaufbalkon (z.Zt. geschlossen) gefallen. Niemand hätte sein Fehlen zunächst bemerkt, sein Verschwinden wäre rätselhaft geblieben. Eine Suche – von wem? Wo? – hätte viele Stunden in Anspruch genommen.
Danke, M.D.!
Nasse Eltern, trockene Küken
Noch ist das Federkleid der Küken nicht wasserfest und sie sind zu groß, dass sie von den „wasserdichten“ Eltern noch bedeckt werden könnten. In freier Natur wären sie in diesen anhaltend nassen Tagen in Todesgefahr.
Erstaunlich, dass die Eltern auch jetzt mühelos Nahrung beschaffen können.
Danke, A.L. , M.H.!


Dieser Jahrgang hat Raum für das Training der Muskeln
Als wir 1999 den Nistkasten planten, bauten und montierten, hatten wir keine Ahnung – nur Hoffnung! – , ob dort ein Küken oder mehrere wohnen werden. Wir wussten, dass maximal bis zu vier Küken aufgezogen werden können (Fünfer-Bruten sind sehr selten, noch immer liegt der Durchschnitt zwischen zwei und drei.) Die mir bekannten Horste an Felswänden in freier Natur waren schmal und klein.
Aber ich erinnerte seinerzeit das „Ballieren“ (Hochspringen beim Flügeltraining) und das Hin-und Her-Wandern der fast flüggen Jungfalken, die dann eher Kletterern ähnelten als an Vögel. Ich achtete also – ballieren! – auf Raumhöhe des Kastens! Länge und Breite waren durch Lukenöffnung und Auflagebalken im Turminneren beschränkt und einzuhalten. Mit Techniklehrer R.R. (Namenspate 2010) und bis heute bewährter Bauleiter bangte ich im Februar 1999, ob wir die Spanplatten über die Leiter durch die enge Einstiegsluke zwischen Uhrenstockwerk und „Falkenzimmer“ hindurch bekämen. Es klappte.
Nun können sich JOHANN & ANDREAS frei bewegen. 2023 und oft davor hüpften und flatterten hier vier Jungfalken!
Danke, A. Sch.!

