Gängs Tagebuch
Gängs Tagebuch2021-10-04T08:44:30+02:00

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

4.Apr., 2024

Heidelberg ist 2024 wieder später dran

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In Europa und in Deutschland sind die ersten Küken dieser Saison in den  – überwachten Horsten/Nistplätzen – geschlüpft. WIR konzentrieren uns auf die Heidelberger Wanderfalken und können nicht über andere Nistplätze berichten. Aber wir kennen unsere Legedaten und wissen, dass es hier noch etwa zwei Wochen dauern wird.

3.Apr., 2024

2023 war ein schwieriges Jahr für Wanderfalken

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Es liegen mir  Beobachtungen, Erfahrungen und Ergebnisse der vergangenen Brutsaison in unserem Bundesland vor, die vom Vorstand der „Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz im NABU Baden Württemberg“ zusammengetragen wurden.  Sie stimmen mit den Heidelberger Erfahrungen des vergangenen Jahres weitgehend überein.

Es gab 2023 zahlreiche neue Verpaarungen und außergewöhnlich viele „immature bzw. subadulte“ – wie die Fachleute sagen – Brutpartner beider Geschlechter, also junge Wanderfalken, die eine Brut begannen.

Es gab viele späte Bruten.

Es gab viele Brutverluste, teilweise ganzer Gelege, auch in  urbanen bzw. siedlungsnahen Standorten.

Eine Zunahme der verwaisten Standorte wurde festgestellt.

Viele Totfunde, davon viele mit positiven Befund auf „hochpathogene aviäre Influenza des Subtyp H5N1“ – wir Laien nennen das Vogelgrippe. Die Folge war ein Bestandseinbruch der Wanderfalken in Baden-Württemberg, der sich seit 2008 „eingependelt“ hatte. Er ist jetzt wieder auf dem Stand der frühen 1990-er Jahre.

Entsprechend war auch die Zahl  der ausgeflogenen Jungfalken niedrig, etwa so wie 1989.

Beim Lesen werden viele mit dem Kopf nicken: Ja, diese  Beobachtungen passen auch gut zu Heidelberg.

28.März, 2024

Kreisförmige Nestmulde

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Die Nestmulde, die in den Vorjahren sich immer zentral im hinteren Kastenteil  befand, hat sich 2024  etwas in Richtung Süden verlagert. Ob es an dem kalten scharfen Ostwind liegt, der in den letzten Tagen kräftig in den Kasten drückte?

Weil sich die brütenden Falken regelmäßig auf dem Gelege drehen, damit alle vier Eier die gleiche Wärmezufuhr erhalten, dreht auch das Ende des Stoßes (Schwanzfedern) der brütenden Eltern einen großen Kreis in den Sand. Dabei wird der Untergrund geradezu gefegt, nicht wahr?

(Ist auch nötig, würde die sprichwörtliche „schwäbische Hausfrau“ sagen, im Gegensatz zu den Vorjahren ist der Nistkasten nicht mehr ganz „picobello“.)

RUPERT schläft, während LISELOTTE – wie jeden Vormittag – einen Bewegungsflug absolviert. Sein Auge erscheint auf meinem Schnappschuss weiß: Das zweite Augenlid (Nickhaut) ist bei Tiefschlaf geschlossen.

 

26.März, 2024

Einiges zu den beiden Eiern

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Die befruchtete Eizelle in eine Schalenhülle zu verpacken und außerhalb des Körpers der Mutter  zu einem neuen Lebewesen zu formen, hat sich schon lange vor der Entstehung der Säugetiere bewährt. Das gab es schon bei den Sauriern. Die vollkommene Form eines Ei sorgt dafür, dass dieses zarte Gebilde – nur etwa 0,4 mm ist die Schale eines Wanderfalkenei dick – nicht unter dem Gewicht von LISELOTTE  (etwa 900 g schwer, RUPERT etwa 700 g) zerbricht! Druck von außen hält die Schale gut stand.
  Wohl aber kann –  nach der Eiablage in KW 11/2024 – etwa Ende der 3. Aprilwoche das zarte Schnäbelchen der beiden Küken die Schale von innen öffnen! Atmungsaktiv wie unsere Anoraks oder Sportkleidung ist die Schale, Wasserdampf und Wärme werden hindurch gelassen, aber Bakterien bleibt der Weg nach innen versperrt!Die Schale besteht aus einer Lage von Calzitkristallen, die von etwa 7 500 Poren durchzogen ist, durch die der Gasaustausch (Sauerstoff rein- Kohlendioxyd raus) erfolgt. Nun wird diese Kalkschicht vom heran wachsenden Küken schon bald ausgedünnt, es braucht das Calcium für den Knochenaufbau. Wie LISELOTTE die braun-rote Färbung der Eischale bereits in der Schalendrüse ihres Eileiters aus der Kombination zweier Pigmente (Protophyrin und Biliverdin), die dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin verwandt sind, erzeugte, ist erstaunlich. Wie alle Eier der Wildvögel dient die Färbung der Anpassung an den Untergrund. (Vögel, die in Kolonien brüten, Pinguine z.B., erkennen ihr Ei an der individuellen Musterung wieder.) Das Spektrum der Farbe der Wanderfalkeneier reicht von gelblich-ocker bis rot-braun. Es gibt auch innerhalb des Geleges leichte Farbunterschiede. 
24.März, 2024

“ Ich will auch mal brüten!“

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würde das in unserer Sprache bedeuten. Zwei vergebliche Versuche  – 11.13 Uhr und 11.35 Uhr – von RUPERT das Weibchen bei der Brut abzulösen.

Da RUPERT nahe an Cam 1 steht, erscheint er hier größer als er ist. Er ist als Terzel (tertium , lateinisch, drei)  etwa ein Drittel kleiner als das Weibchen LISELOTTE:

Danke, M.H.!

22.März, 2024

Diskretion

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Die Ablösung von LISELOTTE durch RUPERT , vor allem am frühen Morgen, vollzieht sich rasch und ohne laute Äußerungen. Die beiden wollen nun wenig Aufmerksamkeit von anderen Greifvögeln („Störfalken“, also andere Wanderfalken, die das Territorium und den Nistkasten übernehmen wollen, – oder gar der nahe lebende und brütende Uhu!) auf sich ziehen. Deshalb steht nun auch keiner der beiden demonstrativ – und bisher uns über Cam 3 zur Freude – auf der Anflugstange. Die Altfalken kommen und gehen – nein, sie fliegen ab! –  so rasch wie möglich.

Mit der Ablage der Eier und der Ansicht der Eier hat sich bei beiden Falken deren Hormonspiegel stark verändert: Die Testosteronwerte sind bei beiden zurückgegangen, der Spiegel des Hormons Prolaktin dagegen angestiegen

 

22.März, 2024

Im Inneren der beiden Eier

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vollzieht sich eine schnelle Entwicklung:

Heute, eine Woche nach Brutbeginn, könnte man bereits die Anlage des Herzens, des Gehirns und Rückenmarks, der Venen und Verdauungsorgane erkennen. All das entsteht aus der Energie des Dottervorrats.

Foto (HMG): Ein Restei aus 2005, aus dem kein Küken schlüpfte. Es wurde zur Untersuchung auf Umweltgifte an eine Universität gesandt. Die bedenklichen Ergebnisse, – Wanderfalken stehen am Ende einer Nahrungskette, liegen mir nicht mehr vor. In Erinnerung habe ich “ … wäre für menschlichen Verzehr wegen hoher Belastung nicht erlaubt!“

22.März, 2024

Ein Brutwechsel ist immer interessant

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und zeigt uns immer die Rangordnung zwischen LISELOTTE und RUPERT. So auch heute:

Der Terzel brütet, das Weibchen kommt. Terzel erhebt sich, manchmal etwas zögerlich und langsam, Weibchen kommt im Wiegeschritt in gebeugter Haltung zum Gelege. Das ist, ich habe das oft zum Balzverhalten der Falken hier notiert, eine Imponier-und Drohhaltung des dominanten Weibchens, die der Terzel ebenfalls flach geduckt mit gesenktem Kopf –  als Demutshaltung – spiegelt. Bei ihm fehlt das drohende Auf-sie- Zugehen. Schnell umgeht der Terzel dann seine Partnerin, oft sieht es geradezu nach Flucht aus.

Danke, M.H.!

21.März, 2024

Ruhige Tage

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Zeit und Gelegenheit für uns das schöne Federkleid der Falken zu betrachten: Links die brütende LISELOTTE, rechts RUPERT.

Danke, M.H.!

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Größenvergleich

Heute bot sich eine seltene Möglichkeit, die unterschiedliche Größe/Masse des Terzels und des Falkenweibchens  zu erkennen, denn beide stehen im gleichen Abstand zu Cam 2!  (Wenn die beiden längs aufgereiht, wie oft, im Blick der Cam 2 stehen, erscheint uns der nahestehende Falke immer riesig, der fernerstehende Falke als klein. )

Heute standen die beiden endlich einmal in gleicher Distanz zur Cam 2.!

Wir sehen links  RUPERT und rechts LISELOTTE. Wir sehen nun deutlich den Unterschied zwischen Terzel  (vom latein. tertium = Drittel) und dem größeren Weibchen. Der Terzel ist etwa ein Drittel kleiner/leichter als  das Falkenweibchen.

Beide wollen gleichzeitig die beiden Küken füttern (atzen), RUPERT bettelt und erhält einen Happen. Er entscheidet: Passend klein? – Wird den Küken gereicht!  Zu groß:  – Verschlingt er selbst!

Gestern Nachmittag konnte ich über Cam 1 beobachten, wie LISELOTTE in rasendem Tempo eine gelieferte Beute verzehrte. Sie hat nun keine Zeit selbst zu jagen. Nun muss sie, vor allem nachts, die beiden Küken hudern.

Dass RUPERT, ein guter Versorger ist, hat LISELOTTE im Februar-März überprüft. das fällt ihm nicht schwer. (Wir beobachten z.Zt. über der Stadt eine auffallend große Zahl von Tauben.)

Danke, M.H.!

18. April 2025|3 Kommentare

Es wird kein drittes Küken geben

Wie im Vorjahr, wird es auch in diesem Jahr „nur“ zwei Jungfalken geben. Der zeitliche Abstand zum Schlupf der beiden Küken ist für ein drittes zu groß. Die Picks, die wir am verbliebenen Ei zu erkennen glaubten, waren keine optischen Täuschungen.

Warum aus dem  dritten Ei nichts schlüpft, darüber wissen wir nichts. Ich hoffe, dass es bei der Beringung der beiden Küken geborgen werden kann. Wir werden das Restei dann untersuchen lassen.

LISELOTTE & RUPERT zeigten uns im März zwar viel an „Sex & Rock&Roll“, aber es reichte nicht für eine Viererbrut, so wie wir es hier über einen langen Zeitraum erleben konnten.

Es ist das vierte Jahr in Folge, dass der Bestand und der Bruterfolg der Wanderfalkenpaare  in Baden -Württemberg abnimmt! Es ist leider weltweit ein Einbruch des Bestands und der Reproduktion festzustellen.

Ursache ist vor allem die H5N1-Vogelepidemie, die sich weltweit ausbreitet. In Baden-Württemberg gab es 2024 keine Befunde  von H5N1 bei Wanderfalken, dennoch bemerken wir tiefgreifende Störungen!

Ich höre aus dem Nordschwarzwald, dass dort viele traditionelle Wanderfalkenbruten ausfallen. Die Brutplätze sind vom Uhu besetzt.  An drei traditionellen Wanderfalken-Brutplätzen, die mir dort über Jahrzehnte vertraut waren, sieht man keine Wanderfalken mehr!

Freuen wir uns deshalb an unserer 2025-er Brut, bei der wir wieder eine spannende Aufzucht miterleben dürfen!

17. April 2025|4 Kommentare

„Hunger!“

Die beiden Küken entwickeln sich sichtlich und werden gut genährt und gehudert. Wir warten gespannt auf die Entwicklung des dritten Ei.

Danke, D.B.!

16. April 2025|4 Kommentare
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