Gängs Tagebuch
Gängs Tagebuch2021-10-04T08:44:30+02:00

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

18.Mai, 2024

Schlecht gelaunte Eltern und ein Küken kurz vor dem Absturz

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Wir wundern uns, dass bei diesen Wetterverhältnissen die Altfalken überhaupt Beute machen können. Der Nachwuchs wird bevorzugt versorgt. RUPERT wartet ab, bis auch das zweite Küken einen vollen Kropf zeigt. ANDREAS hat sich bereits satt zurückgezogen, als sich RUPERT den Rest der Beute greifen will. Ohne Rücksicht auf JOHANN messen die beiden ihre Kräfte. Entsetzt sehen wir, wie im Geflattere & Gezerre JOHANN sich buchstäblich hinaus „rettet“. Ich bin sehr froh, dass er sich festhalten konnte  und schnell in den Kasten zurück sprang.

Er kann ja noch nicht fliegen, wäre irgendwo auf das Kirchendach oder auf den menschenleeren Umlaufbalkon (z.Zt. geschlossen)  gefallen. Niemand hätte sein Fehlen zunächst bemerkt, sein Verschwinden wäre rätselhaft geblieben. Eine Suche – von wem? Wo? –  hätte viele Stunden in Anspruch genommen.

Danke, M.D.!

18.Mai, 2024

Nasse Eltern, trockene Küken

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Noch ist das Federkleid der Küken nicht wasserfest und sie sind zu groß, dass sie von den „wasserdichten“ Eltern noch bedeckt werden könnten. In freier Natur wären sie in diesen anhaltend nassen Tagen in Todesgefahr.

Erstaunlich, dass die Eltern auch jetzt mühelos Nahrung beschaffen können.

Danke, A.L. , M.H.!

14.Mai, 2024

Dieser Jahrgang hat Raum für das Training der Muskeln

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Als wir 1999 den Nistkasten planten, bauten und montierten, hatten wir keine Ahnung – nur Hoffnung! – , ob dort ein Küken oder mehrere wohnen werden. Wir wussten, dass maximal bis zu vier Küken aufgezogen werden können (Fünfer-Bruten sind sehr selten, noch immer liegt der Durchschnitt zwischen zwei und drei.) Die mir bekannten Horste an Felswänden in freier Natur waren schmal und klein.

Aber ich erinnerte seinerzeit das „Ballieren“ (Hochspringen beim Flügeltraining) und das Hin-und Her-Wandern der fast flüggen Jungfalken, die dann eher Kletterern ähnelten als an Vögel. Ich achtete also – ballieren! – auf Raumhöhe des Kastens! Länge und Breite waren durch Lukenöffnung und Auflagebalken im Turminneren beschränkt und einzuhalten. Mit Techniklehrer R.R. (Namenspate 2010) und bis heute bewährter Bauleiter bangte ich im Februar 1999, ob wir die Spanplatten über die Leiter durch die enge Einstiegsluke zwischen Uhrenstockwerk und „Falkenzimmer“ hindurch bekämen. Es klappte.

Nun können sich JOHANN & ANDREAS frei bewegen. 2023 und oft davor hüpften und flatterten hier vier Jungfalken!

Danke, A. Sch.!

14.Mai, 2024

“For some must watch, while some must sleep“

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heißt es im „Hamlet“ (W. Shakespeare). Es fällt mir auf und es gefällt mir, dass in diesem Jahr die jungen Eltern auch in dieser Aufzuchtphase sehr aufmerksam sind, den Nistkasten auch ohne Nahrung immer wieder aufsuchen.  Wir wissen aus den Vorjahren, dass seit der Eiablage bis zum Ausfliegen der Küken immer ein Elternfalke aus der Distanz den Nistkasteneingang im Blick hat. (Vermutlich von der Schlossruine aus und jenseits des Tales vom Ast eines hohen Baumes.) Dass LISELOTTE am Nachmittag des 9. Mai – im Gegensatz zum Vorjahr – die Beringung der Küken in der Endphase bemerkte und entsprechend aufgeregt reagierte, war nicht  schlimm. Die Küken und sie haben sich schnell beruhigt. Aber wir konnten am Abend des 9. Mai und am Folgetag beobachten, dass LISELOTTE sehr aufmerksam die Wände, Decke und Boden prüfte.

Danke, A. Sch.!

 

13.Mai, 2024

Heiliggeistfalken sind „swift“ und sahen unten viele „Swifties“ kommen

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Ich habe es in den ersten Jahren dieses Projekts manchmal erlebt:

Ich stand oben am Nistkasten an den „Spionlöchern“, unten auf dem Marktplatz war es, was selten ist, sehr ruhig. Und ich konnte, als Liebhaber von Orgelmusik, insbesondere von Johann Sebastian Bach, leise von unten die Orgel hören, wenn der Organist mit „vollem Werk“ große Register nutzte. Manchmal erkannte ich , dort oben lauschend, sogar das Präludium, Fuge oder Choralvorspiel.

Am Sonntag konnten die  Wanderfalken oben im Turm vielleicht Songs von TAYLOR SWIFT hören, die Falken sind selbst „swift“ (Englisch: schnell flink).

Dargeboten und theologisch im Text erläutert wurden die Lieder in einem – sehr gelobten –  Gottesdienst von Pfarrer V.P.  ( Namenspate von 2019)  und von der Sängerin Tine Wiechmann und einer Musikgruppe.

Der Gottesdienst wurde wiederholt. Es kamen zweimal je 600 Besucher, es bildeten sich lange Schlangen unten auf dem Marktplatz.

Danke, A.L. und RNZ v. 13.05.2024, S. 3

12.Mai, 2024

Namen & Kennringe

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Ich habe am 9. Mai vergessen, die Kennring-Ziffern den Namen der Küken zuzuordnen!

SX/Y gehört zu ANDREAS und TN/A zu JOHANN

Danke für den Hinweis, M.H.!

 

12.Mai, 2024

In tiefer Dunkelheit

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Wie jede Nacht, sehen wir LISELOTTE beim Nachwuchs. Cam 2 zeigt das auch bei völliger Dunkelheit im Nistkasten uns über Infrarotlicht.  Ihr inneres Augenlid sehen wir weiß leuchten, also schläft auch sie in diesem Augenblick.  Aber oft ist sie auch nachts – zeitweilig – hellwach.

Danke, A.Sch.!

10.Mai, 2024

Als wir nach der Beringung auf dem Umlaufbalkon standen

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beobachtete  uns eine schimpfende LISELOTTE!

Auf dem unteren Bildausschnitt sehen wir, wie sie beim Landeanflug in den Nistkasten abbremst: Öffnen der Stoßfedern, Verbreitern der Flügelflächen, Steuerhilfe mittels der „Mesken“ – das sind abspreizbare harte Federn an den Schultern (besonders wichtig bei hohen Geschwindigkeiten.)

(Wir Menschen erinnern uns an unsere Beobachtungen aus dem Flugzeugfenster auf die Flügel, wenn der Pilot diese Flügelflächen kurz vor der Landung ausfährt und gegen den Luftandruck aufstellt.)

Danke, V.P.!

10.Mai, 2024

Welche Namen tragen die Küken 2024?

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Wir denken selten daran, dass alle 83 jungen Wanderfalken hier unter dem Dach einer Kirche das Licht der Welt erblickten. So bin ich in diesem Jahr gerne dem Namenvorschlag des Heiliggeist-Pfarrers  und Namenpaten von 2019 Dr.Vincenzo Petracca gefolgt: 

JOHANN

Dr. Petracca berichtet: 

„Im Pfälzische Erbfolgekrieg schlossen 1693 Soldaten des Sonnenkönigs Hunderte von Schutzsuchenden in Heiliggeist ein. Plötzlich ging die Kirche in Flammen auf. Die Chroniken erzählen, dass die Glocken als flüssige Schmelze herabkamen. Ein couragierter junger Pfarrer namens Johann Schmidtmann verhinderte ein infernalisches Kriegsverbrechen. Französisch sprechend, bewegte er die zunächst unwilligen französischen Offiziere, eine Tür zu öffnen. So rettete er viele Menschen. Er hätte eine Gedenktafel in Heiliggeist verdient.“

ANDREAS

Mit diesem Namen möchte ich Andreas Kellner ehren, den Vorsitzenden des NABU Heidelberg. Er ist zusätzlich für die Kassenführung unseres Wanderfalkenprojekts zuständig. Er verwaltet den Eingang der Spenden und die Ausgaben, die bei den Wanderfalken Heidelbergs entstehen. Als er vor einigen Jahren die komplizierte Finanzierung unseres Projekts in den ersten Jahren  überprüfte und in Ordnung brachte, fiel mir ein Stein vom Herzen. 

Danke, K.F.R!.

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Vor dem Verzehr der Beute muss das Zugreifen geübt werden

Denn nur in den ersten Tagen nach dem Ausfliegen wird die Beute auf den Turmbalkon der Jesuitenkirche, oder in das „Kapellchen“ der Turmspitze von Heiliggeist geliefert.

Wie lernen das die Jungfalken?

Der Hunger zwingt sie zum frühen Entdecken der Eltern am Himmel, die in großer Höhe demonstrativ Beute herbeitragen. Die jungen Falken fliegen ihnen bettelnd rufend entgegen und versuchen ihnen – oft mit akrobatischen Flugbewegungen – die Beute zu entreißen. Vater oder Mutter machen die Beuteübertragung nicht leicht! Sie steigen ausweichend mit der Beute in den Fängen nach oben. Der hungrige Jungfalke muss im letzten Moment vor seinem Zugriff sich im Flug auf den Rücken legen und von unten nach der Beute greifen! Selbst wenn er Erfolg hat, entreisst sein Geschwister ihm oft die Beute!

Alles ist mit viel Geschrei und Hektik verbunden, auch bei dem nachfolgenden Verzehr auf den Kirchenbalkonen geht es rau und heftig zu. Vor allem, wenn es, wie in den Vorjahren,  ein QUARTETT von hungrigen Jungfalken miteinander kämpft!

Anfänglich lassen die Eltern ihre Beute auch absichtlich aus großer Höhe über den Jungfalken fallen, damit diese das Zugreifen lernen und üben. In den vergangenen beiden Jahrzehnten konnten wir mehrfach beobachten, dass dies schon nach wenigen Tagen  gelang.

Oft fliegt dann der andere Elternteil in tieferer Höhe , um die Beute noch vor dem Aufschlag auf dem Boden zu „retten“. Er kreist dann mit der Beute – vom hungrigen Nachwuchs verfolgt – hoch und wiederholt die Lektion. 2002 habe ich mit  Schülern/Schülerinnen vom „Stückegarten“ der Schlossruine aus einen solchen Unterricht minutenlang beobachten können. Ein unvergessliches Erlebnis!

(Aber es erreichen uns auch Meldungen von tot aufgefundenen, „enthaupteten“ Tauben, die in der Altstadt gefunden wurden, die den noch unerfahrenen Jungfalken aus den Fängen geglitten waren. Nein, die Jungfalken landen nicht auf dem Boden, um eine abgestürzte Beute aufzulesen.)

Es ist heute, zwei Wochen nach dem Ausfliegen, gut möglich, dass die Jungfalken schon selbst Beute greifen und töten können.

06. Juni 2025|0 Kommentare

Früher Besuch

Bereits um 7 Uhr besuchte heute ALBRECHT mit  gut ablesbarer Kennzeichnung T°HC den Nistkasten. Gut für unsere neuen Gäste zu erkennen sind die Kennzeichen eines jungenWanderfalken, die ich gestern beschrieben  habe: braunes Gefieder, längsgestreifte Brust.

Danke, D.B.!

04. Juni 2025|0 Kommentare

Jetzt kann man gut Jung von Alt unterscheiden

BRAUN ist das Jugendkleid der Jungfalken im Gegensatz zu dem eleganten Blaugrau ihrer Eltern. Die kräftige dunkelbraune LÄNGSstreifung an Brust und Bauch zeigen SONNI & ALBRECHT nur im ersten Lebensjahr. Bei erwachsenen Wanderfalken (hier LISELOTTE) sind die weiße Brust und der weiße Bauch mit kleinen schwarzen Federn QUER gebändert.

Fotos: 2025

03. Juni 2025|0 Kommentare
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