Gängs Tagebuch
Gängs Tagebuch2021-10-04T08:44:30+02:00

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

24.Apr., 2022

Werden die Küken beringt?

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Diese Frage erreicht mich nun häufig. Ja, wir werden auch in diesem Jahr die vier Küken mit Ringen der Vogelwarte  Radolfzell versehen.

Dr.M.P., der viele hundert Greifvögel und Eulen, darunter fast alle der 73 Küken aus dem Heiliggeist-Nistkasten, mit Ringen versehen hat, ist vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie ausgebildet und mit den Wanderfalken – Ringen 2022  für Baden-Württemberg ausgestattet. Der Naturschutzbeauftragte der Stadt Heidelberg Dr. KF.R. und ich werden wieder assistieren. Wie in den beiden Vorjahren, kann sonst niemand – COVOD-19! – uns begleiten, obwohl viele Freunde und Freundinnen der Falken gerne dabei wären. Nein, die Webcams können das nicht aufzeichnen.

Stört das die Eltern ? Tut das den Küken weh?  Ist das nötig?

Wir achten darauf, dass die Eltern abwesend sind, meistens ist das uns gelungen. Falls doch ein Falke das bemerkte, gab es von diesem lautstarke Warnrufe,  so dass der Partner dazu kam. PALATINA landete im Nistkasteneingang, griff aber nicht die zugreifenden Hände an, welche die Küken schnell aus dem Nistkasten holten.  Schimpfend flog PALATINA weg, nach der Beringung  setzte sich das Familienleben im Nistkasten fort. Nein, weder die Küken noch die Eltern stören die Ringe, sie hindern nicht, werden auch nicht von ihnen untersucht oder betrachtet.

Ja, die Küken sind zunächst überrascht und verschwinden in einem Körbchen, das schnell mit einem leichten schwarzen Tuch bedeckt wird. Wenn sie nach und nach einzeln aus dem Körbchen geholt werden, schimpfen und fauchen sie und versuchen, in die sie umschließende Hand zu beißen.  Das hören und beobachten wir mit Interesse, den so erkennen wir ihre Gesundheit, Vitalität und ihr Geschlecht. Das Anlegen der Ringe ist in zwei Minuten erledigt, dann geht es zurück unter das Tuch im Körbchen. Dann wird das nächste Küken gegriffen. Das Zurücksetzen in den Nistkasten erfolgt nach der Dokumentation, das Quartett vermeidet dann – auch das sehen wir gern –  die Nähe zur Luke, aus der sie gegriffen wurden. Auch das ist schnell vergessen. Den Vorgang habe ich im Tagebuch-Archiv mehrfach beschrieben , z.B. am 6. und 7. Mai 2003.

Ja, die Wissenschaft ist an der Beringung interessiert. Ja, auch wir Heidelberger wollen wissen, ob ein Jungfalke anderenorts ansässig wird und eine Dynastie gründet, wie wir das – neidisch –  in den USA mitverfolgen können. Ja, die Beringung ist umstritten, man könnte sie auch lassen. Ich bin froh, dass wir mit den neuen Ringen in Baden-Württemberg endlich die Individuen nach dem Ausfliegen erkennen können. Die alte Beringung von PALATINA z.B. ist leider nicht ablesbar, es sei denn, ich hätte ihren Fang dicht vor meinen Augen. (Oh je! Das ginge schlecht für mich aus.)

APOLLO, nach der Beringung 2021

23.Apr., 2022

Wanderfalkenfeder auf des Kaiser Grab

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Am 4. Mai 2010 besuchten wir Palermo während einer Sizilienreise  und selbstverständlich besuchten wir im Dom die  Gräber der Normannenkönige und des Stauferkaiser Friedrich II., dessen Falkenbuch „Von der Kunst mit Vögeln zu jagen“ auf der Empore der Heiliggeistkirche lag. Ich habe vor allem den tonnenschweren Sarkophag aus äthiopischem roten  Porphyr in starker Erinnerung, in dem der Kaiser 1251 beigesetzt wurde.

Dann fiel uns ein frisches Blumengebinde auf, das jemand im Gedenken durch das Gitter hindurch nieder gelegt hatte. Mir kam eine Idee. In meinem Geldbeutel in einem Fach trage ich gewohnheitsmäßig – es geniert mich, zu gestehen –  als eine Art Talisman – eine kleine Flaumfeder aus dem Nistkasten von Heiliggeist mit mir. Heraus damit und – um mich schauend – schnell gebückt und hinüber zum Sarkophag gepustet.  Da blieb es liegen.

Ach, würde doch, bevor ein Luftzug das Federchen davon wehte,  ein Ornithologe, ein Falkner beim Lesen der Inschrift auf der weißen Marmorplatte die kleine Flaumfeder entdecken, hoffte ich. Als Fachmann würde er sie als von einem Wanderfalken stammend erkennen. Er käme ins Grübeln und Staunen! Hat ein Wanderfalke das Grab des Kaisers angeflogen? Ein Wunder!

„Stupor mundi“- das Staunen der Welt, so bezeichneten Zeitgenossen diesen schwäbischen Sizilianer, der ein spannendes Leben und ein großes Nachwirken hatte.

Was kann ich aus meiner breiten Reihe von Friedrich II.-Büchern empfehlen?

Die großartige, spannende, leicht zu lesende Biographie von Olaf B. Rader „Friedrich II.„, Verlag C.H. Beck, Jubiläumsedition 2013, 18 Euro

23.Apr., 2022

Feder eines Wanderfalken auf dem Mond

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Ein gefiederter Hammer heißt das Kapitel auf Seite 136 ff. in dem lesenswerten und informativen Buch “Federn – Ein Wunderwerk der Natur” von Thor Hanson, Band 26 in der Reihe NATURKUNDEN  im Verlag Matthes & Seitz, Berlin. Hier kann man über ein berühmtes Experiment nachlesen, das Galileo Galilei bereits im frühen 17.Jhdt.  versuchte. Er warf damals Kugeln unterschiedlicher Masse und Größe vom Schiefen Turm in Pisa. Galileo ahnte schon damals, dass im Vakuum die Schwerkraft nicht wirksam ist, also ein Feder oder ein Stein z.B. auf dem Mond gleich schnell zu Boden fallen. APOLLO 5 -Commander David R. Scott trat am 3. August vor die Kamera und ließ aus Schulterhöhe gleichzeitig einen Hammer und  eine Feder – na, was für eine Feder? – ja, eine Wanderfalkenfeder in den grauen Mondstaub fallen. Beide landeten exakt zum gleichen Zeitpunkt vor seinen Füßen. Quod erat demonstrandum. Die Falkenfeder liegt noch immer dort, denn die Landefähre trug den Namen Falcon zu Ehren des Maskottchens der US Airforce Academy.

22.Apr., 2022

Das graue Federkleid der Küken ist nicht hübsch

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Aber es gibt uns Gelegenheit, darüber nachzudenken, was da gerade entsteht:

 Woher weiß der Quadratmillimeter Haut, dass dieser Federkeim sich zur harten, langen Feder einer Handschwinge– die äußerste mit der Nr.10. sogar mit einer markanten Einbuchtung auf der Innenfahne – entwickeln soll und woher weiß der andere Quadratmillimeter Haut am Unterbauch, dass seine Federkeime kurze, weiche Flaumfedern herstellen soll? Nach dem zukünftigen Zweck und Ort der einzelnen Feder hat sich jetzt schon bei den Nestlingen entschieden, wie jede einzelne Feder demnächst aussehen wird. Das ist in jeder einzelnen Zelle von Anfang an “einprogrammiert”!  Wenn Ende Mai die fertige Feder ausgeschoben und funktionsfähig ist, braucht dieses tote, verhornte Gebilde, das so unendlich wichtig für das zukünftige Falkenleben ist, keine Blutzufuhr mehr, keinen Sauerstoff mehr und keine Nährstoffe mehr!

Das ist für die warmblütigen Vögel von Vorteil: Der Vogelflügel ist ein schmales Knochenbündel mit wenig Fleisch dran, das von einer leichten und hoch spezialisierten Tragfläche aus toter Substanz überkleidet ist. (Deshalb haben die Altfalken, wenn sie größere Vögel als Beute mitbringen, fast ausnahmslos die Flügel bereits abgeknipst: Ist ja eh nichts dran und sie stören beim Transport!)

Fledermäuse mit durchbluteten Tragflächen müssen viel mehr Energie in ihren Flug investieren. Kein Wunder, dass Vögel uralte und sehr erfolgreiche Bewohner dieser Erde sind.

Mauserfedern, aus aus verschiedenen Jahren, bei der Nistkastenreinigung geborgen

22.Apr., 2022

Vögel haben keine Zähne

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also müssen die Küken bereits jetzt fähig sein, große Happen zu verschlingen: Das Küken rechts versucht hier,  den Fuß und Lauf eines Kleinvogels  – am Stück – zu schlucken. Es kann als Vogel ja nicht kauen.

Interessant ist in dieser Szene, dass PALATINA bereits einen so großen Happen anbietet, statt diesen selbst zu schlucken.

Wir werden in den nächsten Wochen weitere Szenen eines großen – ich schreib` mal – Schluckvermögens und einer großer und schnellen Gefräßigkeit und Gier beim Nachwuchs beobachten können.

Das sieht dann für Menschenaugen gar nicht mehr süß aus, sondern erinnert uns daran, dass Vögel Nachfahren der fleischfressenden Sauriere sind.

Danke, S.F.!

21.Apr., 2022

Schon bei den Küken: Gefiederpflege!

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Wir können schon jetzt bei den Küken sehen, dass ein gut gepflegtes Federkleid sehr wichtig für das Falkenleben ist.  Bereits jetzt beginnen sie an ihren Pelzdunen zu zupfen. Bei den Eltern sehen wir das als Dauerbeschäftigung, wenn diese auf der Anflugstange oder im Nistkasten ruhen: Jede Feder wird durch den Schnabel gezogen, geglättet und “beknabbert”! Man kann das manchmal über sehr lange Zeit beobachten und man staunt, dass es die Halswirbelsäule erlaubt fast jede Stelle zu erreichen!

Bei den Küken bilden sich jetzt Federkeime. Je nach dem zukünftigen Zweck und  je nach der Lage der einzelnen Feder entscheidet sich bereits jetzt, wie jede einzelne Feder in ca. drei Wochen beim ersten Flug aussehen wird. Und es gibt sehr unterschiedliche Federtypen am Falkenkörper! Wenn die fertige Feder ausgeschoben wird, braucht dann dieses tote und verhornte Gebilde, das überlebenswichtig für den Falken sein wird, keine Blutzufuhr mehr, keine Nahrung und keinen Sauerstoff mehr! Allerdings tägliche und wiederholte Pflege, das können wir ja  immer wieder beobachten.

Federn sind für die warmblütigen Vögel von großem Vorteil: Der lebende Vogelflügel ist ein schmales Knochenbündel mit wenig Muskelfleisch (Wir erinnern uns an das Brathähnchen auf unserem Teller!), das mit den Federn eine hoch spezialisierte Tragfläche aus lebloser Substanz trägt. Eine Fledermaus mit durchbluteten Tragflächen muss viel mehr Energie in ihren Flug investieren! Kein Wunder, dass es Vögel fast überall und seit sehr langer Zeit  auf der Erde gibt: Schon beim Abdruck der Federn des Archaeopteryx im Plattenkalk bei Eichstätt ( 150 Millionen Jahre alt) kann man unterschiedliche Federtypen erkennen.

 

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Noch ein Fundstück

Das ist die Titelseite des ZEITmagazin (Beilage der Wochenzeitung DIE ZEIT) vom 01.10 1971 . (Offensichtlich ein Präparat, ein ausgestopfter Wanderfalke, vor einen  Waldhintergrund platziert.) Den Artikel besitze ich nicht mehr.

Der Titel befremdet uns heute „Er verlässt uns. Unsere Welt ist ihm zu schmutzig geworden. Der Wanderfalke stirbt aus. Wie lange wollen wir die Natur als Müllkippe benutzen?“

Der Wanderfalke stand damals in Mitteleuropa tatsächlich in der Gefahr auszusterben. Aber nicht wegen des Müllaufkommens oder des Schmutzes.  Die Anwendung von Umweltgiften (DDT, Pilzgifte) , Abschuss, Eiersammler, Aushorstung der Küken, das waren damals die  Gefährdungen.

18. September 2023|0 Kommentare

Fundstück aus 2004

Ich schnitt seinerzeit nur den Titel des Artikels aus der “ Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 16. Mai 2004, schade.

Der Untertitel „Vor 30 Jahren galt er in Deutschland als ausgerottet. Jetzt ist Falco peregrinus zurück, auch an unerwarteten Orten.“ lässt uns 2023  zustimmend schmunzeln.

18. September 2023|0 Kommentare
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