Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
„Zeigt her Eure Füße , zeigt her Eure Schuh“
So heißt doch ein Kinderlied? Schon die Küken zeigen uns mit ihrer Griffweite , warum sie zu den GREIFVÖGELN“ gehören.
Danke, S.F. und M.H.!


Mehr Nahrung gibt es heute nicht mehr!
Danke, K.!
PALATINA mit Küken am 20.April
Es gibt kein Gedränge, ein Zeichen, dass kein Hunger herrscht.
Danke, C.S.!


Die Beinmuskulatur wird kräftig
Nun kommt die Zeit, in der wir das QUARTETT nicht mehr als einen Klumpen WEISS mit Köpfen wahrnehmen. Nun werden bereits die winzigen Flügel zur Balance ausgebreitet und die Beine erlauben bereits kleine Ortsveränderungen. Diese Bewegungen sehen für einige Zeit eher nach einem mühsamen Humpeln aus, reichen aber aus, um sich allmählich von den Geschwistern zu trennen. Nur für eine kurze Zeit, denn die Nächte sind noch immer recht kalt, heute 5° C. Dann heißt es wieder die Nähe der Geschwister und der Mutter zu suchen.
Danke, M.H. und S.F.!


PALATINA genießt die Sonne
Danke, M.H.!

Abendmahlzeit am 18. April
Danke, K.!
Sind die Küken vom Staub so grau?
Die grauen Pelzdunen, die wir jetzt sehen, sind bereits das

zweite Kleid der Küken, denn das weiße Dunenkleid nach dem Schlupf wurde bald ersetzt. Wenn wir die Fotos aus der ersten Woche mit den Fotos der vergangenen Woche vergleichen, erkennen wir deutlich die grauen Einfärbung, nicht wahr?
Die Oberhaut der Vögel ist von unserer Haut völlig verschieden, sie erinnert uns an deren Abstammung von den Saurieren. Bei uns Menschen wird die Hornsubstanz der Oberhautzellen, das Keratin, fortlaufend abgestoßen und von innen erneuert. Als Schuppen auf unseren Schultern, als Hornhaut an unserer Fußsohle und Handinnenflächen. Auch als Haare und Finger- und Zehennägel werden diese abgestorbenen Zellen von nachwachsenden lebenden Zellen verdrängt und als tote Substanz nach außen geschoben. Die Oberhaut der Vögel bildet Federn aus. Auch diese werden bei der Mauserdurch neue ersetzt, dann aber schnell und nicht langsam fortlaufend. Das spielt sich gerade bei PALATINA ab, wir entdecken ja ab und zu eine von ihr abgeworfene Feder.
Bei der Vogelfeder wird zunächst im Schutz einer Hornhülle (Blutkiel) ein kompliziert eingerolltes “Gebäude” gebildet, das sich dann zu einer verhornten und hochspezialisierten Federfahne entfaltet, wenn diese Hornscheide aufsplittert. Denn jede Feder dient, je nach ihrer Lage am Falkenkörper, ganz bestimmten Zwecken und wird erst nach der Mauser völlig erneuert! Die harten Armschwingen von PALATINA und ZEPHYR unterscheiden sich völlig von ihrem weichen Bauchgefieder.!
(Auch das Federkleid von jungen, ausgeflogenen Wanderfalken unterscheidet sich von dem der erwachsenen Falken. Davon ein anderes mal.)
Bei unseren VIER bilden sich nun jetzt diese “Federorgane”. Weil sie bei Verletzung leicht bluten, heißen die bläulich glänzenden Hornscheiden der Zapfen, die jetzt am Stoß und an den Flügeln allmählich sichtbar werden, Blutkiele. Bald werden diese Hornzapfen an der Spitze eintrocknen und es erscheint die zunächst noch eingerollte Federfahne, die sich allmählich zu einer Fläche entrollt, zur flachen Feder. Dabei wird die Pelzdune aus ihrer Hauttasche ausgeschoben.

ZEPHYR fliegt ab, PALATINA und QUARTETT schlafen
Danke, M.H. und S.F.!


Zweite oder dritte Mahlzeit?
„Wir werden immer größer, jeden Tag ein Stück!“ singen die Kinder im Kindergarten. So könnten wir das Gepiepse des Quartetts übersetzen. Wurden in den ersten Wochen meist nur Kleinvögel als Beute gebracht, so sehen wir nun zunehmend auch größere Vögel, vor allem auch Tauben – zum Leidwesen der Taubenfreunde .- als Nahrung.
Danke, M.H.!

Mutter mit Nachwuchs am 17. April
Danke, M.H.!

Noch schutzbedürftig
ist das Quartett! Obwohl seit Tagen in Heidelberg die Sonne lacht, liegt die nächtliche Temperatur nahe am Nullpunkt. Auch heute wurde das dunkle Schieferdach des Turmhelms erst gegen Mittag aufgeheizt. PALATINA kann mit Flügeln und Körperwärme den kalten Wind abhalten, bei ihrer Abwesenheit stellen die Vier ihre noch ziemlich nackte Vorderseite zur „Wärmepyramide“ aneinander. Das Flaumgefieder, dessen Färbung nun allmählich grau wird, schützt den Rücken gut, aber nicht die Bauchseite.
Gefährlich wäre Nässe im Nestboden. Das könnten die Eltern nicht abtrocknen und würde den Tod für den Nachwuchses bedeuten. So ist trockenes Wetter in diesen Wochen in jedem Jahr von großer Bedeutung!
Danke, M.H.!


Zweites oder drittes Frühstück
Dieses mal von ZEPHYR gereicht.
Danke, M.H.!

LISELOTTE, eine „Stubenhockerin“
Wir sind es seit zwei Jahrzehnten gewohnt, dass jedes Falkenjahr im Heiliggeistkirche-Nistkasten – trotz aller Routine – uns immer wieder neue Erlebnisse und Kenntnisse über Wanderfalken liefert. Es ist keine Neuigkeit, dass Wanderfalken täglich für lange Zeiten auf von ihnen bevorzugte Warten ( Felsen, Baumäste), hohe Gebäude) ruhen, Ausschau halten, verdauen und ausgiebig ihr Gefieder pflegen. In den Vorjahren sahen wir in den Sommermonaten und im Frühherbst tagsüber nur ganz selten einen Kurzbesuch eines Falken. Auch die Übernachtungen von ZEPHYR begannen erst vor drei Jahren.
Nun sehen wir hier täglich aus nächster Nähe die Wanderfalken!
Danke, M.H. und K.!
Alles wieder im normalen Alltags-und Nachtbetrieb im und am Nistkasten
Beide Falken sind wieder regelmäßig auf der Anflugstange und im Nistkasten zu sehen, gut so. Sehen wir bei dem nächtlichen Infrarotbild die Augen von LISELOTTE als weiße Flecken, dann hat sie die Nickhaut (ein inneres Augenlid) beider Augen geschlossen und schläft. Meist sehen wir, dass sie auch nachts im dunklen Nistkasten oft wach ist, ihr Gefieder pflegt und nur für kurze Phasen tief schläft.
Danke, D.B. und K.!
links (Südseite) LISELOTTE und rechts (Nordseite) ZEPHYR
Man kann die beiden an Kopf und Größe recht gut unterscheiden, nicht wahr?

LISELOTTE an einem sehr heißen Nachmittag
Aber auch unter dem heißen Schieferdach findet sie keine Abkühlung. Falls sie kühlen Schatten suchen würde, fände sie diesen sekundenschnell drüben in der Schlossruine in vielen dunklen schattigen Nischen. Wieder einmal lernen wir, dass Tiere ganz anders „ticken“ als wir Menschen.
Mein zweiter Blick auf die Szene zeigt, dass LISELOTTE in aufrechter Haltung recht aufmerksam das Äußere im Auge behält.Vielleicht werden zu dieser Zeit die Seilverbindungen zwischen den beiden Kirchtürmen abgebaut.
Danke, K.!
Turmbesucher
Wir lesen mit Erleichterung – DANKE für die kontrollierenden Einträge in das Gästebuch! – dass die Falken diese Eingriffe in ihren Luftraum und auf ihre Kirchtürme offensichtlich misstrauisch, aber tolerant, zur Kenntnis genommen haben.
Ein interessantes und – alles in allem – lehrreiches Vorkommnis für unser Lernen über das Verhalten wild lebender Wanderfalken in einer Stadt. ZEPHYR & LISELOTTE zeigen sich als belastbar und bleiben hartnäckig an ihrem Nistplatz!
Falls jemand von unseren Gästen auch heute Zeit & Lust hat, das Verhalten des Paars zu kontrollieren: Um 12.30 Uhr und um 16 Uhr sind die Akrobaten mit Musik erneut zwischen den Türmen unterwegs. Dauer: jeweils ca. 35 Minuten. Am frühen Nachmittag sind LISELOTTE & ZEPHYR meist unterwegs.
Aber bei welcher Annäherung und an welchem Datum ist deren Grenzbelastung so stark, dass sie endgültig diesen Nistplatz verlassen und fortan wegbleiben?
Erfahrene Betreuer/-innen von Nistplätzen wild lebender Wanderfalken an Felsen kennen das! (Ich erlebte das z.B. in den 1960-er bis 1990er-Jahren an einem still gelegten Steinbruch. Wir hatten in dessen Steilwand die traditionelle Brutnische – auf`s Feinste und erfolgreich – optimiert: Den Boden eingetieft, trocken gelegt und gegen den Zugang der dort lebenden Marder gesichert. Ein Abrollen des Geleges oder ein Abrutschen der Küken mit einem kleinen Wall nach außen verhindert, störender Aufwuchs gerodet u.s.w. Dennoch verließ das Paar aus unbekannten Gründen diese „optimale“ Stelle und zog Dutzende von Metern entfernt in eine andere Nische, die feucht, nicht mardersicher und – nach unserer Meinung! – ungeeignet war. Tatsächlich kam es dann dort zu Brutausfällen.)


Beide Falken am und im Nistkasten
Sie sind nicht entspannt, sondern eher argwöhnisch nach außen orientiert. Ihre Präsenz freut uns.
Danke, K. und M.H.!
Wanderfalken reagieren sensibel auf Annäherung
wenn ein Eindringling in ihren nahen Lebensraum eindringt. Vor allem während der der Brut – und Aufzuchtzeit. So passt die Nachricht über den Preisträger Jack Zhi beim Wettbewerb „Bird Photographer of the Year 2023“ – über 20 000 Bewerbungen, mit einem Wanderfalkenfoto aus Südkalifornien gut zu meinen vorausgegangenen Tagebucheinträgen!
Wir sehen ein Wanderfalkenweibchen, das einen riesigen braunen Pelikan (Pelecanus occidentalis) – mit Kopfgriff – nahe des Falkenbrutplatzes attackiert Der Falke will den Eindringling nicht nur vertreiben, sondern beabsichtigt mehr ….
Also DAS wünschen wir morgen und übermorgen für die Artisten auf keinen Fall!