Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
LISELOTTE am Vormittag 25. Februar
Danke, K.!
RUPERT ist der Name des neuen Terzels
Wie beim Kreuzworträtsel oder ChatGPT:
“ Nenne mir Namen für einen männlichen Heidelberger Wanderfalken, der zum Namen des Weibchen Liselotte passt, – aber bitte schön! – mit Lokalkolorit und historischem Hintergrund, gut auszusprechen für unsere ortsfremden, der deutschen Sprache unkundigen Website-Besucher. Dieser Name wird dem neu hier residierenden Falken etwa 8-10 Jahre zugewiesen!“
Nichts leichter als das.
Wanderfalke in HEIDELBERG – Heidelberg! Ah! Das Schloss kennt jeder auf der Welt – Die Falken auf Heiliggeist, 9 Altfalken, 81 Jungfalken seit 1999 haben die optimale Aussicht auf diese Ikone Heidelbergs – Wer residierte auf dem Schloss? Pfalzgrafen! Prinzen! Kurfürsten! – Deren Namen, am häufigsten Ruprecht! Elf mal! – Geht nicht, hatten wir doch schon 2002 als Namen für ein Falkenküken (nach Kurfürst Ruprecht III. 1352-1410, der zum König Ruprecht I. wurde, sein Grabstein liegt unten im Chor der Heiliggeistkirche) – Dann nehmen wir den jüngsten Ruprecht aus dieser Elferreihe, den letzten Pfälzer Ruprecht ! – Dieser verbrachte sein ganzes Leben im englischen Sprachraum, kam als Teenager an den Hof seines Onkels King James I. -„What`s your name? -Ruprecht – What? Roop-retched?-Your name is now RUPERT!“ – Prince Rupert, 1619-1682, count Palatine, macht in London Karriere: Lord High Admiral der Royal Navy und in der Westminster Abbey begraben . Er ist der Onkel von Elisabeth-Charlotte, 1652-1722 von uns geehrt als Falke LISELOTTE, passt!
Also RUPERT Ein auffallend schöner, viel geliebter Prinz, auch von seiner Nichte Liselotte bei seinen seltenen Heidelberg-Visiten verehrt.
Rupert, Prince Palatine, Detail aus dem wunderschönen Doppelporträt Karl-Ludwig und Ruprecht von der Pfalz, von Anton van Dyck, Blickfang im Louvre, Paris

„Name ist Schall und Rauch“
heißt es bei Goethe (Faust I). Als Initiator dieses Projekts zur natürlichen Wiederansiedelung wild lebender Wanderfalken in Heidelberg vor 25 Jahren habe ich mir das Privileg angeeignet die NAMEN der brütenden Wanderfalken zu bestimmen. Ebenso die Namen der Küken nach deren Beringung. Selbstverständlich in Rücksprache mit vertrauten Personen, nach Beratung und Abwägung. Auch, in den knappen ersten Jahren auf Bitte, gegen (hohe) Spende für die Übertragungskosten und Kameras
In den letzten Tagen sind bei mir 8 (acht) Namensvorschläge eingegangen. (Einen habe ich reserviert für den Namen eines Kükens aus 2024 oder des nächsten Revierterzels.) Es bleibt bei meinem Gusto und Vorlieben: Ein Namen aus der Heidelberger Geschichte oder ebbes Mythologisches aus der griechisch-römischen Antike.
Also für 2024 bitte keine Vorschläge für diesen Terzel. Namensvorschläge dann gerne im Mai, falls es zur Brut und Aufzucht kommt, für den Nachwuchs.
(Morgen nenne ich den Namen, es war heute ein langer Tag für mich.)
Das „Kinderzimmer“ wird vorbereitet
Danke, K.!
Nicht alles entscheidet LISELOTTE !
Sorry. Da habe ich gestern in meiner Belehrung wieder einmal zu schnell fabuliert! Also Korrektur: Nicht ALLES entscheidet das Falkenweibchen. Balz- und Brutverhalten werden durch HORMONE bestimmt! – Huch! – Schon wieder nur halbe Wahrheit. Die Ausschüttung der Hormone wird von der Tageslänge – äh! – vom Sonnenlicht, wie sagt man heute, „getriggert“ …
Ich halte mich besser mit solchen Dingen zurück, bin ja schon längs pensioniert. Gibt ja auch Lexika für die Gäste. Ach nein, das ist ja jetzt Wikipedia .
Wie gehen die beiden Falken jetzt miteinander am Himmel um?
„Was wäre, wenn LISELOTTE jetzt noch einem oder mehreren männlichen Wanderfalken begegnen würde?“ fragt N.W. über eMail. „Wie würde sie sich entscheiden? Für wen?“
Bei den Greifvögeln sind die Weibchen größer und schwerer als die Männchen (Terzel). Sie müssen ja in kurzer Zeit mehrere Eier produzieren, diese ausbrüten und dann die Jungvögel lange Zeit ernähren und anlernen. Wanderfalken sind Beutegreifer, also „gut bewaffnet“ und leben keineswegs als eng vertrautes Paar. (Unser menschliches Verhalten, z.B. „Liebe, Treue, Trauer „sind hier nicht angebracht.)
Auch in der Balz, so habe ich das vor einigen Jahrzehnten in freier Natur beobachtet, halten die Terzel zunächst deutlich „respektvollen“ Abstand zu den Weibchen, machen sich durch „Lahnen“ , also Rufe dem Weibchen bemerkbar und zeigen dann „was sie können“. Die Weibchen prüfen die Tauglichkeit des Terzels als zukünftigen Versorger: „Kann er mich während der Brut mit Beute versorgen, wenn ich die Eier bebrüte und keine Zeit für die Jagd habe? Kann er mich und dann vier Küken ernähren?“ = „Heidelberger Standard“
Diese Überprüfung und Annäherung erfolgt jetzt durch gemeinsame Flüge mit virtuosen „stoops“ (Sturzflügen), die als Scheinangriffe aufeinander erfolgen: Oft wird sich ein Falke dabei auf den Rücken rollen und dem anderen Falken die Fänge entgegen strecken. Gelegentlich verhaken sich die Fänge und beide Falken purzeln übereinander, alles in beträchtlicher Höhe und bei hohem Tempo! Ich habe das in fünf Jahrzehnten nur wenige male beobachten können, ein unvergessliches Spektakel! Allmählich nähert sich das Paar an, sitzen/stehen dann gemeinsam auf einem Felsen oder Ast, aber auch dann steht der Terzel meist höher und auf Distanz, wie ich oft beobachtet habe. Die Terzel spüren, dass sie an Kraft und Masse nicht mit den Weibchen konkurrieren können. Die kleineren Terzel sind jedoch wendiger im Flug als die Weibchen. Kämpfen die Weibchen mit einem anderen Weibchen um das Territorium, so halten sich die Terzel auf Abstand und beteiligen sich nicht! (Auch das wurde in Heidelberg mehrfach beobachtet.) Wanderfalken „kuscheln“ nicht miteinander. In 24 Jahren hat hier das Falkenpaar nur zweimal gemeinsam im Nistkasten übernachtet.
Es folgt die Phase, in der der Terzel seiner Partnerin Beute anbieten wird oder sich diese im Flug entwenden lässt. So zeigt er LISELOTTE , dass er sie in Zukunft bei der Brut und Aufzucht des Nachwuchses versorgen kann.
Grundsätzlich entscheidet ALLES, was wir hier über die Cams sehen dürfen, das Falkenweibchen!
Dann wird es ihm zu langweilig …
Danke,K.! und andere!
Sieht aus wie ein „Hausherr“!
Danke, K.!
SO sieht der neue Terzel aus!
Prima, dass wir in Bild, im Video und mit Ton den neuen Terzel, heute vom Wind zerzaust, kennenlernen!
Wir sehen die quer gestreifte weiße Frontseite und seine deutlich kleinere Größe im Vergleich zu LISELOTTE. (Ich merke mir die Größe jeweils an den am Rand sichtbaren Dachziegeln: Deckt die Silhouette des am Rand der Stange stehenden Falken zwei oder drei Dachziegel?) Die kleinen Terzel sehen frontal gesehen – z.B.hier links unten – i am Kopf irgendwie „nett, putzig, zierlich“ aus, die Falkenweibchen sehe ich eher als „massiv, bedrohlich“. (Ich zitiere aus Kindermund- Beschreibungen.) LISELOTTE zeigt noch bräunliche längs gestreifte tropfenförmige Flecken auf Ihrer Vorderseite.
Danke, A. Sch. und andere!

LISELOTTE mit neuem Terzel
Für uns ist dieser Schnappschuss eine gute Gelegenheit sich die Ausprägung seines Federkleids im Kopf- und Halsbereich einzuprägen.
Danke, A.L.

An einem kühlen Fast-Frühlingsmorgen
kommt der neue Terzel dazu, bleibt aber noch respektvoll auf Distanz.
Danke, K.!
Die Sonne hilft zum Wärmen
Leider war die Nacht wieder recht kühl, aber unter der Mutter erträglich.
Danke, M.H.!

Größenvergleich
Heute bot sich eine seltene Möglichkeit, die unterschiedliche Größe/Masse des Terzels und des Falkenweibchens zu erkennen, denn beide stehen im gleichen Abstand zu Cam 2! (Wenn die beiden längs aufgereiht, wie oft, im Blick der Cam 2 stehen, erscheint uns der nahestehende Falke immer riesig, der fernerstehende Falke als klein. )
Heute standen die beiden endlich einmal in gleicher Distanz zur Cam 2.!
Wir sehen links RUPERT und rechts LISELOTTE.
Wir sehen nun deutlich den Unterschied zwischen Terzel (vom latein. tertium = Drittel) und dem größeren Weibchen. Der Terzel ist etwa ein Drittel kleiner/leichter als das Falkenweibchen.
Beide wollen gleichzeitig die beiden Küken füttern (atzen), RUPERT bettelt und erhält einen Happen. Er entscheidet: Passend klein? – Wird den Küken gereicht! Zu groß: – Verschlingt er selbst!
Gestern Nachmittag konnte ich über Cam 1 beobachten, wie LISELOTTE in rasendem Tempo eine gelieferte Beute verzehrte. Sie hat nun keine Zeit selbst zu jagen. Nun muss sie, vor allem nachts, die beiden Küken hudern.
Dass RUPERT, ein guter Versorger ist, hat LISELOTTE im Februar-März überprüft. das fällt ihm nicht schwer. (Wir beobachten z.Zt. über der Stadt eine auffallend große Zahl von Tauben.)
Danke, M.H.!


Es wird kein drittes Küken geben
Wie im Vorjahr, wird es auch in diesem Jahr „nur“ zwei Jungfalken geben. Der zeitliche Abstand zum Schlupf der beiden Küken ist für ein drittes zu groß. Die Picks, die wir am verbliebenen Ei zu erkennen glaubten, waren keine optischen Täuschungen.
Warum aus dem dritten Ei nichts schlüpft, darüber wissen wir nichts. Ich hoffe, dass es bei der Beringung der beiden Küken geborgen werden kann. Wir werden das Restei dann untersuchen lassen.
LISELOTTE & RUPERT zeigten uns im März zwar viel an „Sex & Rock&Roll“, aber es reichte nicht für eine Viererbrut, so wie wir es hier über einen langen Zeitraum erleben konnten.
Es ist das vierte Jahr in Folge, dass der Bestand und der Bruterfolg der Wanderfalkenpaare in Baden -Württemberg abnimmt! Es ist leider weltweit ein Einbruch des Bestands und der Reproduktion festzustellen.
Ursache ist vor allem die H5N1-Vogelepidemie, die sich weltweit ausbreitet. In Baden-Württemberg gab es 2024 keine Befunde von H5N1 bei Wanderfalken, dennoch bemerken wir tiefgreifende Störungen!
Ich höre aus dem Nordschwarzwald, dass dort viele traditionelle Wanderfalkenbruten ausfallen. Die Brutplätze sind vom Uhu besetzt. An drei traditionellen Wanderfalken-Brutplätzen, die mir dort über Jahrzehnte vertraut waren, sieht man keine Wanderfalken mehr!
Freuen wir uns deshalb an unserer 2025-er Brut, bei der wir wieder eine spannende Aufzucht miterleben dürfen!

„Hunger!“
Die beiden Küken entwickeln sich sichtlich und werden gut genährt und gehudert. Wir warten gespannt auf die Entwicklung des dritten Ei.
Danke, D.B.!

Das dritte Ei ist auffällig
Es zeigt deutliche Picks! Es bleibt spannend.
Danke, M.H.!

Erste Mahlzeiten (Atzungen)
Es erreichen mich eine Fülle von Dokumentationen der ersten Fütterungen, so dass ich mich nicht mehr einzeln bei den Einsender/-innen bedanken kann! Ich bitte um Verständnis, danke!
Aus zwei Video-Mitschnitte ( die ich leider nicht in ihrer Datenmenge bewältige), – dennoch danke T.B. -, berichte ich mit Vergnügen:
Beide Küken, auch das zweite, zeigen eine erfreuliche Vitalität. RUPERT kam mit Beute und die Eltern atzten vorbildlich den Nachwuchs.

