2020

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15. Mai, 2020

Aushungern

Von |2020-05-15T09:35:32+02:0015. Mai 2020|Tagebucheintrag|0 Kommentare

Uns Menschen erscheint das augenblickliche  Verhalten von ZEPHYR und PALATINA jetzt nicht so freundlich-liebevoll wie wir das in den ersten Wochen zu erkennen glaubten. Wir schauen mit unserem menschlichem Blick auf Tiere und neigen dazu, bei ihnen ebenfalls – irgendwie –  menschliche Eigenschaften zu erkennen. Wir dürfen unsere Verhaltensmuster nicht bei  Tieren erwarten. Deren Verhalten ist geprägt von Mustern, die vom Überlebenserfolg seit Jahrmillionen geprägt wurden. So sind die Jungfalken im Nistkasten nun bestens ernährt und wiegen jetzt so viel wie ihre Eltern (die Terzel etwa 700 g, die Weibchen etwa 900 g). Wer hier häufig zuschaut, hat bemerkt, dass die Eltern nun seltener mit Nahrung ankommen und die Jungen deshalb besonders heftig schreien und gieren. Sie sind oft so hungrig und so aggressiv, dass die Eltern nur für ganz kurze Zeit im Kasten verweilen.  Wir können, falls wir uns auf dem Marktplatz aufhalten (Ach, wäre das schön, dort unten eng vertraut mit unseren Lieben einen Eisbecher vor sich zu haben!), in den nächsten Tagen dann ZEPHYR oder PALATINA mit Beute in den Fängen im Schleichflug um den Turm kreisen sehen. Sie provozieren damit die jämmerlich rufenden Jungfalken und locken sie so zum Abflug.

14. Mai, 2020

Mit sicherem Griff

Von |2020-05-14T21:35:45+02:0014. Mai 2020|Tagebucheintrag|2 Kommentare

steht ELIZABETH auf der Gitterstange – ein abgesägter Skistock – im Inneren des Nistkastens. (Die Gitterstäbe hatten wir 2015 eingezogen in der – vergeblichen Hoffnung – damit die Nilgans am Einzug zu hindern.) Wir haben die Stäbe – nun aus Furcht vor dem Uhu –  belassen.

DAS hatten wir noch nicht, dass ein Jungfalke, der sich noch nicht hinaus auf den Balkon traut, diesen hervorragenden Aussichtspunkt erwählt, um ebenfalls hinaus zu schauen! Dazu gehört ein gutes Körpergefühl um mit den großen Fängen auf diesem dünnen Stab Halt zu finden.

Jedes Jahr sehen wir hier neue Fähigkeiten und Verhaltensweisen, auch mir wird es nicht langweilig.

Danke, T.M.!

13. Mai, 2020

Das hatten wir hier noch nie

Von |2020-05-13T15:20:02+02:0013. Mai 2020|Tagebucheintrag|0 Kommentare

Alt und Jung nebeneinander  auf der Anflugstange! PALATINA mit einem Jungfalken friedlich nebeneinander! Vermutlich ist es SOPHIE, die bereits den zweiten Tag auf diesem Halter der Anflugstange ruht. Beide haben einen vollen Kropf, deshalb diese Gelassenheit. Beide dösen, denn wir erkennen, wie sich bei beiden ab und zu die weiße Nickhaut, ein zweites Augenlid, über das schwarze Auge schiebt. Gut zu erkennen: Das Jugendkleid, braun und längs gestreift. Das Alterskleid: blaugrau, weiße Brust, quer gefleckt.

 

13. Mai, 2020

Zwischen Hektik und Ruhe

Von |2020-05-13T10:09:47+02:0013. Mai 2020|Tagebucheintrag|0 Kommentare

schwanken die Aktivitäten des QUARTETTs.

Der Clip der Jungfalken mit ihrer Mutter von heute morgen zeigt ein Verhalten, das ich noch aus meiner Zeit als Lehrer aus den Pausen kenne: Ein Hin & Her, Zänkerei um irgend eine Kleinigkeit, Gedrängel & Sich -Breit-Machen, alles um sich etwas Bewegung im langweiligen Vormittag zu verschaffen!  Andere stehen beiseite und beobachten das Getümmel.  Bald kehrt dann wieder Ruhe ein.

Selbstverständlich drängt die Natur nun mit Macht zur Entwicklung der Flugmuskeln, zur Stärkung der Sehnen und des Skeletts und vor allem auf die Ausbildung der zum Überleben notwendigen Sinne: Erkennen, Zielen, Koordination der eigenen Bewegung mit jener der Beute.

Gut können wir jetzt schon beobachten, wie das Zugreifen geübt wird. Beim Hin & Her im Nistkasten greifen die Jungfalken nun  nach dieser oder jener Feder. Nein, das geschieht nicht „spielerisch“, das ist „Schule“! In wenigen Tagen mussten sie das Zugreifen und Festhalten beherrschen, sonst schnappte der Bruder oder die Schwester den Bissen.  Denn die Eltern setzen sich nur noch für Sekundenbruchteile der Gier des Nachwuchses aus. Jetzt werfen sie die Beute oft nur ab und verschwinden. Und in zwei – drei  Wochen werden die Jungfalken bereits selbst ihre erste Beute greifen müssen, um nicht zu verhungern. Harte und gefährliche Wochen stehen ihnen bevor!

 

 

 

13. Mai, 2020

Blick auf die Fänge

Von |2020-05-13T10:02:00+02:0013. Mai 2020|Tagebucheintrag|0 Kommentare

Schon jetzt benutzen die Jungfalken geschickt ihre Fänge. Sie kratzen sich damit am Kopf, und greifen schon gezielt nach Beuteresten. Ihre Füße erscheinen uns viel zu groß. Die Fänge der GREIFvögel sind auf die spezifische Nahrung spezialisiert: Greifvögel, die ihre Beute in der Luft ergreifen – wie die Wanderfalken,  haben lange, schlanke Zehen für eine maximale Griffweite, mit langen, spitzen, stark gekrümmten Klauen. Mehrfach haben ich diese schon bei der Beringung bei den Küken hautnah kennen gelernt. (Große Greife wie die Harpyie (Harpia harpyja), die in den tropischen Wäldern Mittel-und Südamerikas sich meist von Affen ernährt, besitzt einen kurzen und besonders kräftigen Tarsus (Vorfuß), kräftige Zehen und stark gekrümmte Klauen, deren hintere Klaue 7 cm lang werden kann!)

Drei Klauen ragen nach vorn, die Außenklaue ist besonders lang, die neben der Mittelklaue liegende Atzklaue wird zur Nahrungsaufnahme oft zum Schnabel geführt. Nach hinten ragt die kräftige Fangklaue. Bei mittelgroßen Greifvögeln – wie  beim Wanderfalken – überwältigt manchmal bereits der Aufprall  der geballten Fänge im Moment des Schlages die Beute. Die Tarsi großer Adler verfügen zusätzlich über Muskeln um den Zugriff zu verstärken, während die Tarsi der meisten Vögel nur aus Haut, Sehnen und Knochen bestehen. Beim Fischadler wendet sich eine zweite Klaue nach hinten, um den glatten Fisch sicher zu greifen, zudem erfolgt eine Art Krampf/Verriegelung der Zehen, die manchmal dazu führt, dass schwere Fische den Fischadler unter Wasser ziehen und er ertrinkt, bevor er seinen Griff lösen kann.

Bei den Greifvögeln unterscheidet man “Grifftöter“, die mit Ihrem Zugriff töten (z.B. Sperber und Habicht) und “Beisstöter“, zu denen der Wanderfalke gehört. Diese durchtrennen das Genick der Beute. Beide Methoden führen bei den Beutetieren zu einem schnellen Tod.

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