Gängs Tagebuch
Gängs Tagebuch2021-10-04T08:44:30+02:00

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

27.Apr., 2026

Pelzdunen

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Als  die beiden ersten Küken vor 16 Tagen schlüpften, waren diese beiden blütenweiß. Inzwischen ist das Trio nicht etwa schmutzig, sondern die Küken tragen bereits ihr zweites Federkleid!

Es sind die grauen PELZDUNEN, welche die drei Küken wärmen.

Die Oberhaut der Vögel ist von unserer Haut völlig verschieden, sie erinnert uns an deren Abstammung von den Saurieren. Bei uns Menschen wird die Hornsubstanz der Oberhautzellen, das Keratin, fortlaufend abgestoßen und von innen erneuert. Als Schuppen auf unseren Schultern, als Hornhaut an unserer Fußsohle und Handinnenflächen, als Haare und Finger- und Zehennägel werden diese abgestorbenen Zellen von nachwachsenden lebenden Zellen verdrängt und als tote Substanz nach außen geschoben.

Die Oberhaut der Vögel bildet Federn aus. Bei der Vogelfeder wird zunächst im Schutz einer Hornhülle (Blutkiel) ein kompliziert eingerolltes  „Gebäude“ gebildet, das sich dann zu einer verhornten und hochspezialisierten Federfahne entfaltet,wenn diese Hornscheide aufsplittert. Denn jede Feder dient, je nach ihrer Lage am Falkenkörper, ganz bestimmten Zwecken und wird erst nach der Mauser völlig erneuert! Die harten Armschwingen von LISELOTTE und RUPERT  unterscheiden sich völlig von ihrem weichen Bauchgefieder.

Bei den drei 2026- Küken formen sich diese „Federorgane“ nun aus. Blutkiele, weil sie bei Verletzung leicht bluten, heißen die bläulich glänzenden Hornscheiden der Zapfen, die nun am Stoß und an den Flügeln bald sichtbar werden. Bald werden diese Hornzapfen an der Spitze eintrocknen und es erscheint die zunächst noch eingerollte Federfahne, die sich allmählich zur Fläche entrollt. Dabei wird die Pelzdune aus ihrer Hauttasche ausgeschoben.

Das „niedliche“ Aussehen der drei Küken ändert sich nun rasch und sie werden uns bald nicht mehr so „gefallen“ wie bisher. Vor allem ihre tierischen „Tischsitten“ und ihr „Benehmen“ wird uns gar nicht gefallen!

Auch 2026 bewundern wir die schnelle Entwicklung, nicht wahr?

25.Apr., 2026

Wissen Besucher von Heidelberg, dass hier Wanderfalken leben?

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Im Foyer des Rathauses am Marktplatz, mit Blick auf den Kirchturm, steht seit 25 Jahren ein Podest mit Monitor, auf dem das aktuelle Geschehen in der Turmspitze zu sehen ist. Darunter sind  aktuelle Daten nachzulesen, also Eiablage, Schlupf, Beringung, Namen und allgemeine Informationen. Die farbige Urkunde zeigt, dass wir mehrfach in der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet wurden. Weil neben dem Podest ein räumliches Modell der Heidelberger Altstadt zu sehen ist, versammeln sich hier viele Touristengruppen. Außerhalb der Balz-und Brutsaison läuft auf dem Monitor während der Öffnungszeiten des Rathauses eine ausführliche Bilderschau über Wanderfalken als Endlosband.

Dass man durch das Fenster daneben hinüber auf Kirche und Turm schauen kann, ist praktisch, führt aber manchmal zu Kopfschütteln: „So ein Quatsch! Das sind doch keine Wanderfalken, das sind Turmfalken, wenn sie da drüben im Turm leben!“

Herzlichen Dank an den Falkenpaten Benjamin Pf. und seine Helfer im „Amt für Digitales und Informationsverarbeitung der Stadtverwaltung,“ die diesen Monitor betreuen.

 

23.Apr., 2026

Wärmepyramide oben, Sonnenbrillen unten

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Am 23. April, um 11 Uhr über den Marktplatz: Noch sind keine neuen Schmeiss-Flecken am Kasteneingang zu sehen.

Für unsere neuen Gäste:

Schmeiss ist der weiße Kot der Falken. Wenn sich demnächst die Jungfalken außen auf der Anflugstange aufhalten, werden sie sich wenden um sich zu entleeren. Das hinterlässt Spuren.

22.Apr., 2026

Warme Sonne, aber kalter Wind

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Auch wir haben heute Nachmittag, trotz der strahlenden Sonne, vorzeitig den Balkon verlassen, der Wind ist uns zu kalt.

Das Trio im Falkenzimmer der Turmspitze ist inzwischen in einem Alter, in dem die Küken  nicht mehr rund um die Uhr von den Eltern gehudert und betreut werden. So sehen wir heute, wie jedes Jahr, die Wärmepyramide!

Die Küken stellen sie sich zu einer Pyramide zusammen und schützen so sie ihre kälteempfindlichen Vorderseiten. Der Flaum auf ihren Rücken schützt sie einigermaßen vor dem kalten Wind. Wird es später am Nachmittag dort oben warm, so liegen sie zwar dicht beisammen, dann aber flach wie ein weißer Fladen.

19.Apr., 2026

Ein miteinander vertrautes Paar

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Während der Aufzuchtphase ist die – sonst oft sichtbare – Aggressivität zwischen den beiden nicht vorhanden. Das ist sinnvoll, denn allein könnte ein Elternteil den  Nachwuchs nicht aufziehen.

Je nach Abstand erscheint der Falke, welcher der Kamera nahe steht,  größer als er ist. Links die große LISELOTTE, rechts der kleinere Terzel RUPERT.

PS. Kein „Kuss“, sondern Nahrungsübergabe!)

Danke, M.H. und an andere Gäste!

18.Apr., 2026

Man könnte sich jedes Jahr Sorgen machen

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DAS WETTER ist bei uns Menschen ein häufiger Gesprächsöffner, nicht wahr? Seit Tagen freuen wir uns nach einem kalten Januar über herrlichstes Frühlingswetter mit Sonnenschein und Wärme.

Das „Falkenzimmer“ in der Turmspitze wird nun am Nachmittag, wie ich mich von meinen früheren Aufstiegen erinnere, knallheiß werden!  Denn das dunkle Schieferdach über dem Nistkasten wird bei der aktuellen Sonneneinstrahlung im Ablauf des Tages sehr heiß.  Ein wärmendes Hudern durch die Eltern benötigen die drei Küken dann nicht. Sie werden am Nachmittag bestimmt frei liegen oder das hudernde Elternteil wird locker über den drei Küken ruhen.

Nein, WIR müssen uns keine Sorgen machen! Wanderfalken leben in sehr heißen und sehr kalten Zonen der Welt. Lange bevor es unsere Spezies Mensch gab, kamen Vögel mit dem Klima zurecht.

17.Apr., 2026

LISELOTTE sehr präsent in Heidelberg!

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Jenseits der Heiliggeistkirche, auf der Nordseite des Neckars – auf gleicher Höhe unseres Nistkastens im Turmhelm –   wird auf dem Philosophenweg an die Namenpatin unserer Falkenmutter erinnert.

Hier hat man den schönsten Blick auf die Schlossruine und auf die Altstadt. Wenn man Glück hat, sieht man von dort aus die Wanderfalken anfliegen und auch starten .

14.Apr., 2026

Fütterung am 14.04.2026

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Eine sehr schöne und interessante Dokumentation! Wir sehen vieles, was unsere Gäste bereits berichtet haben. Ich darf auf einige Details hinweisen, die ich in den letzten Tagen, mich selbst aus meinen alten Tagebuchaufzeichnungen zitierend, beschrieben habe:

An den leeren Eischalen links und hinten erkennen wir noch, wie das Küken die Schale von innen öffnete. Wir erkennen den „Äquator“, die dickere Eischalenhälfte.

Besonders interessant, – nein, geradezu rührend,  sehen wir, wie das Elternpaar zusammenarbeitet, einzelne Happen zwischen RUPERT und LISELOTTE hin und her gereicht und überprüft werden, den Küken präsentiert, oder selbst verzehrt werden.  Die Küken müssen selbst mit dem Schnabel zugreifen, sie werden nicht „gefüttert“. Wir hören, wie LISELOTTE lautstark die Küken auffordert. Wir sehen, wie satte Küken erschöpft zusammensinken.

Es gibt keinen Abfall! Auch das kleinste Nahrungsstück wird von LISELOTTE vom Boden aufgenommen und verzehrt.

Danke, S.F.!

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Ertragen Wanderfalken Hitze?

Wenn es heute und morgen in Heidelberg sehr heiß ist, fragen wir uns, wie LISELOTTE & RUPERT damit zurecht kommen.

Hitze und Kälte sind nicht allzu sehr lebensbestimmend für Wanderfalken.
Denn Wanderfalken sind „Meister“ bei der Anpassung an ihre Umwelt!

Wanderfalken ertragen gut Hitze und wissen sich davor zu schützen:
Ich erinnere einen Aufenthalt in Essaouira, Marokko, wo ich erfuhr, dass dort auf vorgelagerten pflanzenlosen Inseln Wanderfalken lebten, die ihre Brutzeiten nach den Vogelschwärmen auf deren Wanderungen von und nach Europa richteten.

Auch Kälte ist für Wanderfalken kein Problem:

Wanderfalken leben auf allen Kontinenten, mit der Ausnahme der Antarktis, die für Vogeljäger wohl nicht geeignet ist. Auch auf Island soll es keine Wanderfalken geben, obwohl dort Gerfalke (Falco rusticolus) und Merlin (Falco columbarius) als „Kalt-Wetter-Falken“ leben!

Abgelegene Inseln im Pazifik oder Atlantik sollen ebenfalls frei von Wanderfalken sein. Wanderfalken leben und brüten z.B. auch in Sibirien und in eisfreien Zonen Grönlands, wo es nur kurze Sommer gibt. Ebenso durchfliegen Wanderfalken auch sehr heiße Wüstengebieten Afrikas und Arabiens. In Afrika brüten Unterarten des Wanderfalken.

Der Biologe Herbert Spencer hat im 19.Jahrhundert das „Überleben der Stärksten“ als ein Motor der Evolution bestimmt und Charles Darwin hat den Begriff in seinem Hauptwerk „Of Origin of Species“ populär gemacht.

Man spricht heute – ganz modisch – von einem „design“ der Arten und schreibt, dass die Anpassung, Ausbreitung und Bestand der Arten an ihre „ökologische Nischen“ stärker von „abiotischen Faktoren“, also Klimaschwankungen, Vulkanausbrüche, Erdbeben bestimmt wird als von „fitness“.

Die Erwärmung der Erde durch menschliche Einwirkung ist längst bewiesen und wie erfahren täglich aus den Medien, wie in den Meeren und auf dem Festland Arten in Richtung kältere Zonen abwandern.

Die Gebiete der z.Zt. wütenden Waldbrände in Spanien und Frankreich werden Wanderfalken weiträumig umfliegen.

29. Juli 2026|2 Kommentare

Und wie schnell ist der Wanderfalke im Sturzflug?

Diese Frage ist noch beliebter als die vorausgehende, aber auch sehr umstritten. Die Schätzungen der Fachleute reichen von vorsichtigen 250 km/Std. (Dieter Rockenbauch, 2002) bis zu 480 km/Std.(White et al. 2002). Theoretisch könnte ein Vogel von der Größe und Tropfenform eines senkrecht herabstoßenden Wanderfalken etwa 365 bis 381 km/Std. erreichen (Orton, 1975), die Anziehungskraft auf einen 500-g-Terzel könnte diesen auf 90 m/sec und ein 1100-g-Weibchen auf 100 m/sec beschleunigen (Tucker et al. 1998).

Das sind theoretische Überlegungen!

Denn so gesehen könnte ja ein Steinadler mit 4 000 g bis 5 000 g Gewicht dann aber noch schneller herabstürzen? Ist das so? Es ist viel Spekulation in solchen Überlegungen, genaue und überprüfte Messungen scheinen zu fehlen. Mit offenem Mund konnte auch ich (in sieben Jahrzehnten!) nur sehr selten mit dem Feldstecher beobachten, was Menschen seit Jahrtausenden am Wanderfalken fasziniert:

Der Falke beschleunigt anfänglich den senkrechten Sturzflug zusätzlich mit energischen Flügelschlägen! Von diesen ersten Sekunden findet man im Internet viele Filmaufnahmen (z.B. Falke verfolgt Federspiel aus der Hand eines fallenden Fallschirmspringers). Welch ein Anblick muss das für den Falken sein, wenn beim “stoop” (engl.) auf einen Beutevogel, ihm dann die Erdoberfläche gewissermaßen entgegen rast! Wie kann er dabei die Augen offen halten? Wie behält er die Beute im Blick? Wie kann er dabei mit den „Mesken“, den besonders harten “Daumenfedern” am Handgelenk seiner Flügel, seinen Zielflug steuern? Was wäre, wenn er in diesem Tempo mit einem größeren Insekt zusammenstoßen würde, oder ein Staubkorn sein Auge treffen würde?

Natürlich verliert man als Zuschauer/Kameramann den herabrasenden Punkt schnell aus dem Feldstecher/Sucher. Setzt man den Feldstecher/Kamera ab und erblickt dann mit den suchenden Augen – hoffentlich! – den “zusammengefalteten” Falken – wie aus dem Erdboden nach oben geschossen – ohne Flügelschlag senkrecht nach oben zur Beute rasen, ahnt man die Rasanz eines solchen Sturzes in Form einer Parabel. (Hier als geometrische Form genannt, nicht als Literaturform.)
Der Falke muss seinen Sturzflug abbremsen, bevor er den Beutevogel schlägt! Er dreht dabei den senkrechten Sturz in eine Aufwärtsbewegung. Erst im letzten Augenblick öffnet der Falke Flügel und Stoß um zu bremsen und korrigieren und und ergreift den Beutevogel.
Selbstverständlich schlägt er seinen Beutevogel auch – von hinten oben herabstoßend- mit einem heftigen Schlag seiner zusammengeballten Fänge.

16. Juli 2026|0 Kommentare

Der schnelle Wanderfalke

Das werde ich oft gefragt: Ist der Wanderfalke der am schnellsten fliegende Vogel? So steht es in den Medien und man liest es in Vogelbüchern und es ist eine der häufigsten Fragen, die man mir stellt: Wie schnell fliegt der Wanderfalke?

So genau weiß man das nicht und ich halte auch wenig von solchen Rekorden und Vergleichen.

Ich greife auf eine Veröffentlichung (2018) zurück, jene von Giacomo del’Omo, der dem römischen Wanderfalken-Terzel SETI 2017 einen GPS-Sender auf den Rücken befestigen konnte und so Daten sammeln konnte :

SETI ruhte 90% des Tages und flog mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 km/h. Die höchste gemessene Geschwindigkeit lag bei ihm bei 192 km/h, wobei wohl die GPS-Messung an ihre Grenzen kam. Was finde ich in der Fachliteratur?

Die Geschwindigkeit im Horizontalflug beträgt beim Wanderfalken etwa 64 bis 88 km/Std. (White et al. 2002). Die höchste Geschwindigkeit eines wilden Wanderfalken, der im Horizontalflug flach über der arktischen Tundra jagte, wurde mit Zielfolgeradar aus einem nachfolgenden Hubschrauber mit 113 km/Std. gemessen (White und Nelson, 1991). Ken Franklin (1999) erwähnt einen menschengeprägten Wanderfalken, der einem Kleinflugzeug mit 120 km/Std. Fluggeschwindigkeit in 3.659 m Flughöhe folgen konnte. FRITZ, ein Vorgänger unseres Terzels RUPERT, trug – leider! – mehrfach auch sehr schnell fliegende und flinke Vögel wie Mauersegler in unseren Nistkasten ein. Die englischsprachige Literatur zum Wanderfalken schätzt die Höchstgeschwindigkeit im Horizontalflug zwischen 110 und 120 km/Std. Ein flügelschlagender Wanderfalke ist also etwa so schnell wie ein Gepard, der bei der Jagd in der flachen Serengeti für wenige Sekunden diese Geschwindigkeit erreichen kann.

16. Juli 2026|0 Kommentare

Ist schon Herbstbalz? 🙂

Beide Altfalken zeigen sich im Nistkasten und schieben bereits – zur Probe – eine Nistkuhle!
Selbstverständlich ist das noch außerhalb der Balz-und Brutzeit und dient der Paarbindung.
Ich erinnere, dass ich in vergangenen Sommermonaten gelegentlich das Paar auch gemeinsam „schweimen“ = kreisend sich vom Wind hoch tragen lassen, sah. Wir freuen uns zu sehen, dass RUPERT & LISELOTTE eine stabile Partnerschaft zeigen.

Danke, H.K.!

16. Juli 2026|0 Kommentare
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