Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Ein seltener Blick auf das Gelege
Da es heute deutlich kühler als in den Vortagen ist, werden die Eier von RUPERT wieder sorgfältig „eingefädelt“, also unter das Bauchgefieder nahe an die z.Zt. stark durchbluteten Brutflecken an der Haut gebracht. LISELOTTE hat, wie jede Nacht seit der Ablage des zweiten Eies, ununterbrochen seit gestern Abend gebrütet. So unternimmt sie, wie jeden Vormittag, bereits am frühen Morgen einen oder mehrere Bewegungsflüge. Ob sie selbst jagt und Beute macht, oder sich aus Depots, die von RUPERT und ihr angelegt wurden, bedient, wissen wir nicht. Das Nahrungsangebot ist – selbst in nächster Umgebung – hervorragend,. Wenn bald Küken und LISELOTTE zu versorgen sind, wird RUPERT das, wie seine Vorgänger, leisten .
Danke, M.D.!
Beim Verzehren der letzten Schokoladeneier

Wie so vieles in der Natur, nehmen auch wir Erwachsene – z.B. ein Ei – meist ohne Staunen zur Kenntnis.
Heute kommen andere Stoffe, die über die Nahrungskette in die Wanderfalken kommen, in unseren sorgenvollen Blick: Furane, Glyphosat …
Frühlingswärme spart „Heizung“
Am 5. April gab es am Vormittag auch in Heidelberg einen schnellen Temperaturanstieg. (Gegen 9 Uhr trug ich im Freien noch einen Pullover unter meinem Jacket, gegen 11 Uhr – mit einer Enkelin auf dem Spielplatz – weg mit Jacken und Pullovern!) Bald erreichten mich im Tagesablauf besorgte Anfragen: “ Das Gelege liegt heute oft unbedeckt!“
Unter dem dunklen Schieferdach der Turmspitze erwärmte sich das „Falkenzimmer“ sehr schnell in der Sonne, nachdem in den Vortagen noch ein eisiger Ostwind in den Nistkasten blies.
(Ich stand in den ersten 2000-er Jahren oft dort oben an den 1-Cent-kleinen „Spionlöchern“ um das Brutverhalten zu beobachten. Oft habe ich dann sehr gefroren, einige Wochen später lagen die Küken dann in der Hitze platt im Nistkasten. Und ich eilte hinab zu einem kalten Getränk auf dem Marktplatz.
So ist es verständlich, dass LISELOTTE & RUPERT ihr „langweiliges“ Brüten bei hohen Temperaturen unterbrechen.
Noch wissen wir nicht, ob beide Eier befruchtet wurden, wir müssen uns weiter gedulden.
Danke, M.H.!

Was geschieht nun in den beiden Eiern?
Sie wurden bisher, wie wir beobachten konnten, nahezu ununterbrochen bebrütet. Wir konnten die beiden Eier nur beim Brutwechsel kurz betrachten. LISELOTTE & RUPERT haben die Brutzeit sehr gut bewältigt. Nun sind sie im Endstadium der Brut.
In den Eiern haben sich die befruchteten Eizellen zu Embryonen verwandelt. Der Nachwuchs in den Eiern ist heute – etwa drei Wochen nach der Ablage des zweiten Ei (Brutbeginn) – inzwischen fast ausgereift und nahezu vollständig entwickelt!
Nun dreht sich der Embryo bald in die richtige Position, um die Eischale demnächst zu sprengen. Ein recht komplizierter Ablauf!

Etwa um den 26. Tag der Brutzeit, 2024 etwa am 20 April, wird der Embryo den Kopf nach rechts unten unter den rechten Flügelstummel drehen, so dass der Schnabel in Richtung der Luftkammer zeigt. (Die Luftkammer kennen wir aus dem hart gekochten Hühnerei.) Der Schnabel drückt so bereits dann gegen die Membran, die den Embryo noch von der Luftkammer trennt. So bewegt sich der Embryo allmählich in die Schlupfposition:
Der große Kopf wird am stumpfen Ende des Eies liegen und die Beine können sich in Richtung spitzes Ende strecken. (Dazu fehlt ihnen jetzt noch die Kraft.) Läge der Kopf im spitzen Ende des Eies, könnte der “Eizahn” auf dem Oberschnabel die Schale nicht am “Äquator” öffnen. In den letzten Tagen vor dem Schlupf ruht das Küken und sammelt seine Kräfte im Nackenmuskel, der die Schalenhälften beim Schlupf auseinander drücken muss. Seine Nahrung, die ihm im Dottersack mitgegeben wurde, hat der Embryo bereits nahezu aufgebraucht, der Kalk für seine zarten Knöchelchen kam aus der Eischale, die nun allmählich dünner geworden ist.
(Wir Ältere erinnern uns schaudernd an die 196o-er/1970-er Jahre, als Pestizide in der Nahrungskette der Greifvögel deren Eischalen so dünn werden ließ, dass diese unter dem Gewicht der brütenden Eltern zerbrachen.)
Der Weg von der befruchteten Eizelle zu einem Lebewesen, – hier bald zu einem winzigen weißen Piepmatz, ist für uns Miterlebende jedes Jahr ein wunderbares Erlebnis!
Heidelberg ist 2024 wieder später dran
In Europa und in Deutschland sind die ersten Küken dieser Saison in den – überwachten Horsten/Nistplätzen – geschlüpft. WIR konzentrieren uns auf die Heidelberger Wanderfalken und können nicht über andere Nistplätze berichten. Aber wir kennen unsere Legedaten und wissen, dass es hier noch etwa zwei Wochen dauern wird.
Ablösung am Vormittag
Danke, M.H.!


2023 war ein schwieriges Jahr für Wanderfalken
Es liegen mir Beobachtungen, Erfahrungen und Ergebnisse der vergangenen Brutsaison in unserem Bundesland vor, die vom Vorstand der „Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz im NABU Baden Württemberg“ zusammengetragen wurden. Sie stimmen mit den Heidelberger Erfahrungen des vergangenen Jahres weitgehend überein.
Es gab 2023 zahlreiche neue Verpaarungen und außergewöhnlich viele „immature bzw. subadulte“ – wie die Fachleute sagen – Brutpartner beider Geschlechter, also junge Wanderfalken, die eine Brut begannen.
Es gab viele späte Bruten.
Es gab viele Brutverluste, teilweise ganzer Gelege, auch in urbanen bzw. siedlungsnahen Standorten.
Eine Zunahme der verwaisten Standorte wurde festgestellt.
Viele Totfunde, davon viele mit positiven Befund auf „hochpathogene aviäre Influenza des Subtyp H5N1“ – wir Laien nennen das Vogelgrippe. Die Folge war ein Bestandseinbruch der Wanderfalken in Baden-Württemberg, der sich seit 2008 „eingependelt“ hatte. Er ist jetzt wieder auf dem Stand der frühen 1990-er Jahre.
Entsprechend war auch die Zahl der ausgeflogenen Jungfalken niedrig, etwa so wie 1989.
Beim Lesen werden viele mit dem Kopf nicken: Ja, diese Beobachtungen passen auch gut zu Heidelberg.
Brutwechsel an Ostern
Auch eine Art Ostereier?
Danke, M.H.!


Draußen vor der Tür
Respektvolle Distanz und Abwarten, ob RUPERT abwechseln kann.
Danke M.H.!
Kreisförmige Nestmulde
Die Nestmulde, die in den Vorjahren sich immer zentral im hinteren Kastenteil befand, hat sich 2024 etwas in Richtung Süden verlagert. Ob es an dem kalten scharfen Ostwind liegt, der in den letzten Tagen kräftig in den Kasten drückte?
Weil sich die brütenden Falken regelmäßig auf dem Gelege drehen, damit alle vier Eier die gleiche Wärmezufuhr erhalten, dreht auch das Ende des Stoßes (Schwanzfedern) der brütenden Eltern einen großen Kreis in den Sand. Dabei wird der Untergrund geradezu gefegt, nicht wahr?
(Ist auch nötig, würde die sprichwörtliche „schwäbische Hausfrau“ sagen, im Gegensatz zu den Vorjahren ist der Nistkasten nicht mehr ganz „picobello“.)
RUPERT schläft, während LISELOTTE – wie jeden Vormittag – einen Bewegungsflug absolviert. Sein Auge erscheint auf meinem Schnappschuss weiß: Das zweite Augenlid (Nickhaut) ist bei Tiefschlaf geschlossen.

Einiges zu den beiden Eiern
| Die befruchtete Eizelle in eine Schalenhülle zu verpacken und außerhalb des Körpers der Mutter zu einem neuen Lebewesen zu formen, hat sich schon lange vor der Entstehung der Säugetiere bewährt. Das gab es schon bei den Sauriern. Die vollkommene Form eines Ei sorgt dafür, dass dieses zarte Gebilde – nur etwa 0,4 mm ist die Schale eines Wanderfalkenei dick – nicht unter dem Gewicht von LISELOTTE (etwa 900 g schwer, RUPERT etwa 700 g) zerbricht! Druck von außen hält die Schale gut stand. |
| Wohl aber kann – nach der Eiablage in KW 11/2024 – etwa Ende der 3. Aprilwoche das zarte Schnäbelchen der beiden Küken die Schale von innen öffnen! Atmungsaktiv wie unsere Anoraks oder Sportkleidung ist die Schale, Wasserdampf und Wärme werden hindurch gelassen, aber Bakterien bleibt der Weg nach innen versperrt!Die Schale besteht aus einer Lage von Calzitkristallen, die von etwa 7 500 Poren durchzogen ist, durch die der Gasaustausch (Sauerstoff rein- Kohlendioxyd raus) erfolgt. Nun wird diese Kalkschicht vom heran wachsenden Küken schon bald ausgedünnt, es braucht das Calcium für den Knochenaufbau. Wie LISELOTTE die braun-rote Färbung der Eischale bereits in der Schalendrüse ihres Eileiters aus der Kombination zweier Pigmente (Protophyrin und Biliverdin), die dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin verwandt sind, erzeugte, ist erstaunlich. Wie alle Eier der Wildvögel dient die Färbung der Anpassung an den Untergrund. (Vögel, die in Kolonien brüten, Pinguine z.B., erkennen ihr Ei an der individuellen Musterung wieder.) Das Spektrum der Farbe der Wanderfalkeneier reicht von gelblich-ocker bis rot-braun. Es gibt auch innerhalb des Geleges leichte Farbunterschiede. |
“ Ich will auch mal brüten!“
würde das in unserer Sprache bedeuten. Zwei vergebliche Versuche – 11.13 Uhr und 11.35 Uhr – von RUPERT das Weibchen bei der Brut abzulösen.
Da RUPERT nahe an Cam 1 steht, erscheint er hier größer als er ist. Er ist als Terzel (tertium , lateinisch, drei) etwa ein Drittel kleiner als das Weibchen LISELOTTE:
Danke, M.H.!

Eine neue unangenehme Lage
RUPERT schläft tief entspannt auf dem Dreiergelege, während wir uns Sorgen machen. Es erreichen mich Anfragen, auf die ich keine Antwort weiß.
Wird LISELOTTE noch ein viertes Ei legen? Falls aus dem dritten Ei ( ggf. auch noch aus einem vierten Ei) ein Küken schlüpfen sollte, hätte(n) diese(s) „späte(n)“ Küken einen Nachteil gegenüber den beiden – bereits am 6. und 8. März – geschlüpften Küken?
Oder läuft die Entwicklung der Embryonen während der Brutzeit der beiden (und weiterer Eier) „synchronisiert“ ab, so dass – hoffentlich – drei oder gar vier Küken zeitnah schlüpfen werden, unabhängig vom – weit auseinander liegenden – Zeitpunkt der Eiablage ? Das intensive Brüten hat erst vor etwa drei Tagen begonnen. Zuvor lagen die beiden Eier meist „im Freien“.
Es liegen 10 Tage zwischen erstem und dritten Ei!
Liegt dann das dritte „späte“ Küken nach seinem Schlupf 10 Tage zurück hinter seinen bereits weit entwickelten beiden Geschwistern? Einen so großen Zeitabstand hatten wir in 25 Jahren hier noch nie!
Ich muss immer wieder betonen: ICH bin kein Ornithologe, sondern ein LAIE , AMATEUR und bin auf Informationen durch Fachleute angewiesen. (Auch Lehrer i.R. lernen noch gerne!)
Gibt es fachliche Beratung aus unserer großen Gästeschar?
HERZLICHEN DANK!
Ansonsten freue ich mich, dass auch nach einem Vierteljahrhundert! der Beobachtung wild lebender Wanderfalken in Heidelberg es noch immer spannend bleibt.

Die Entdeckung von Ei 3
und Dokumentation gelang bereits um 8 Uhr Frau L.Sch. und A.S.!
Danke!

Das dritte Ei!
wurde in der Nacht vom 15. auf den 16. März gelegt! Herzlichen Dank an die – frühen! – richtigen und zahlreichen Nachrichten und nun nachfolgenden Fotodokumentationen!
Foto v. M.H.!

Ein drittes Ei?
Gibt es einen Fotobeleg?
Wie gehen die Falken mit dem Ei um?
Die Eltern halten das Gelege auf der notwendigen Temperatur, die für die Entwicklung der Embryonen notwendig ist, also etwa 34° – 38° C. Das bedeutet, dass die Körpertemperatur der Altvögel an den Brutflecken am Bauch hoch ist. Vor allem heute Nacht, als die Temperatur nur knapp über 0° C lag und dort oben ein scharfer Wind blies.
Die Eier müssen regelmäßig ab und zu bewegt werden, damit nicht immer die gleiche Stelle der Schale “beheizt” wird. Die Hagelschnüre kennen wir alle vom rohen Hühnerei, nicht wahr? Die beiden ineinander verdrehten Eiweißstränge sorgten dafür, dass die wichtige Keimscheibe auf dem Dotter immer nach oben – zu den beiden warmen Brutflecken an Bauch der brütenden Falken – gerichtet bleibt. Wir können über die Kastenkamera manchmal beobachten, wie die Falken mit der Schnabelspitze die Eier sorgsam bewegen und dabei darauf achten, dass jedes Ei seine notwendige Portion Wärmenachschub erhält. Aber selbstverständlich immer unter dem Falkenkörper im Warmen bleibt.

Wie werden die beiden Eier ausgebrütet?
Beide Falken haben auf der unteren Bauchseite zwei Stellen, die in der Brutzeit ( nur dann) – hormonell gesteuert – besonders stark mit warmem Blut durchströmt werden. Es sind dort sogar einzelne Flaumfedern ausgefallen, damit die Eischalen in direkten Kontakt mit der Bauchhaut des Falken kommen. Das Federkleid, das die Vögel so trefflich gegen Kälte und Nässe isoliert, soll das jetzt und hier nun nicht leisten! (Vor wenigen Tagen sah ich RUPERT vor Kälte und Nässe geschützt im strömenden Regen bei 4° C auf der Stange ruhen.)
Um ein gleichmäßiges Bebrüten der beiden Eier, hier in diesem Kasten waren es bisher – seufz! – meist vier! – zu erreichen, werden die Eier etwa alle ein bis zwei Stunden mit dem Schnabel gewendet. Nach unseren Beobachtungen, seit 25 Jahren hier aufgezeichnet, geschieht das vor allem in den ersten Wochen der Brut, in denen der Embryo besonders schnell wächst. Beim Wenden der Eier wechseln die Falken auch die eigene Position mit einer Vierteldrehung, wobei sie immer – zumindest mit einem Auge – den Nistkasteneingang im Auge haben.
Gegen Ende der Brutzeit werden die Eier nicht mehr so oft gewendet, in den letzten Tagen vor dem Schlupf überhaupt nicht mehr, denn das Küken bringt sich dann selbst im Ei in die Position um die Eischale aufzudrücken!
Es kommt nun eine, für die Falken und uns, langweilige Zeit: Wir können beim Brutwechsel beobachten, wie die Eltern ihre großen Fänge vorsichtig “einfädeln”, sich niederlassen und sich dann mit ihren Brutflecken im Bauchgefieder sorgfältig dicht über das Gelege “einrütteln”. (Bei – nur – zwei Eiern 2025 ist das leicht zu leisten.) Dann legen LISELOTTE & RUPERT flach darüber und dösen oder schlafen. Ihre Flügel und der Körper halten das Gelege eng zusammen und erhalten so die Wärme. Nachts übernimmt immer LISELOTTE das Brüten.