Gängs Tagebuch
Gängs Tagebuch2021-10-04T08:44:30+02:00

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

9.Apr., 2025

Noch etwa eine Woche Geduld!

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Wenn ich richtig gezählt habe, sind wir heute etwa am 23. oder 24.Tag der Brutzeit, die in diesem Jahr in ziemlicher Kälte stattfand.

In den Eiern haben sich die befruchteten Eizellen längst zu Embryonen verwandelt. Der Nachwuchs ist inzwischen fast ausgereift und nahezu vollständig entwickelt!

Nun dreht sich der Embryo bald in die richtige Position, um die Eischale demnächst zu sprengen.  Ein recht komplizierter Ablauf!

Etwa um den 26. Tag der Brutzeit, 2025 etwa am kommenden  Wochenende, wird der Embryo den Kopf nach rechts unten unter den rechten Flügelstummel drehen, so dass der Schnabel in Richtung der Luftkammer zeigt. (Die Luftkammer kennen wir aus dem hart gekochten Hühnerei.) Der Schnabel drückt so bereits dann gegen die Membran, die den Embryo noch von der Luftkammer trennt. So bewegt sich der Embryo allmählich in die Schlupfposition:

Der große Kopf wird am stumpfen Ende des Eies liegen und die Beine können sich in Richtung spitzes Ende strecken. (Dazu fehlt ihnen jetzt noch die Kraft.) Läge der Kopf im spitzen Ende des Eies, könnte der “Eizahn” auf dem Oberschnabel die Schale nicht am “Äquator”  öffnen. In den letzten Tagen vor dem Schlupf  ruht das Küken und sammelt seine Kräfte im Nackenmuskel, der die Schalenhälften beim Schlupf auseinander drücken muss. Seine Nahrung, die ihm im Dottersack mitgegeben wurde, hat der Embryo bereits nahezu aufgebraucht, der Kalk für seine zarten Knöchelchen kam aus der Eischale, die nun allmählich dünner geworden ist.

(Wir Älteren erinnern uns an die 196o-er/1970-er Jahre, als Pestizide in der Nahrungskette der Greifvögel deren Eischalen so dünn werden ließ, dass diese unter dem Gewicht der brütenden Eltern zerbrachen.)

 

2.Apr., 2025

Kalter Wind aus dem Osten

1 Kommentar

 

Bei dem brütenden RUPERT  sträubt sich heute das Gefieder gegen den eindringendenWind. Federn werden im Kasten aufgewirbelt.

Oben im „Falkenzimmer“ des Turms bin ich immer über den  Temperaturunterschied  im Vergleich zum Marktplatz unten überrascht. Im Winter ist es dort oben kälter, im Sommer (Sonneneinstrahlung auf das schwarze Schieferdach) heißer als unten!  Als ich vor zwei Jahrzehnten dort oben oft längere Zeit am Nistkasten stand, habe ich oft jämmerlich gefroren und auch oft sehr geschwitzt. Dann half natürlich, unten angekommen,  – in/vor der MAX-Bar am Marktplatz ein heißer Tee oder ein kalter Drink!  „Nun haben Sie sich doch nicht so! Es doch heute gar nicht so kalt/heiß“, wunderten sich dann die Menschen am Nachbartisch über mich.

 Dort oben liegt oft, z.B. heute, ein erstaunlicher Winddruck – von Osten aus dem Neckartal kommend – auf dem Nistkasten. Unten, zwischen den Häusern, merken wir das nicht.  Denn das Tal verengt sich 300 m vom Turm entfernt, etwa auf der Höhe der Schleuse. Das Geländeprofil der Talenge wirkt dort auf den Wind wie eine Düse! Wir beobachten deshalb seit 25 Jahren, dass die Falken – wenn sie von der Nistkasten-Anflugstange zu einem Jagdflug starten – flugs zur Schleuse fliegen, sich dort den Wind stellen und sich in engen, dann immer größer werdenden Kreisen vom Wind, wie in einem Fahrstuhl nach oben tragen lassen, bis sie dann – oft nach Minuten – als winziger Punkt über „alle Berge davon“ sind.
26.März, 2025

„Könnte man die Wanderfalkeneier auch essen?“

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Oh! Eine ungewöhnliche Frage aus Kindermund! (schriftlich eingereicht)

Ernst gemeint oder will man mich testen? (Das Foto meines Frühstücksei in meinem Tagebuch vom 8.März 2025 hat wohl diese Frage provoziert.)

Mit mürrisch-ungläubigen Blick würde ich mündlich antworten: „Im Prinzip ja, aber da bekämst Du großen Ärger! Nicht nur mit mir!“

Ich habe in meinen Unterlagen gesucht:

Am 25. Mai 2005 konnte ich ein Restei aus dem Nistkasten bergen. Ich sandte das Ei, wie damals alle aus baden-württembergischen Horsten geborgenen Resteier, über die AGW Baden-Württemberg (Fr.Schilling+) an das Pharmakologische Institut der Universität Freiburg i.Br.  Dort wurde der Inhalt aufwändig auf Rückstände überprüft. (Ich erfuhr nicht, ob dieses Ei unbefruchtet war oder ob ggf. der Embryo sich nicht entwickelt hatte.)

Ich erfuhr allerdings bei der nachfolgenden Jahrestagung der AGW, dass die Messwerte dieser Resteier so hohe Rückstände an Derivaten von Pestiziden, Fungiziden etc. aus der Nahrungskette der Falken aufwiesen, dass diese Eier z.B. – ! –  “ nicht zur Nahrungsaufnahme für den Menschen“  geeignet wären.

Auf die Idee, aus Wanderfalkeneier z.B. ein Omelett zu machen, kommt wohl niemand, mein liebes Kind!

Aber:

Der Naturforscher Charles Darwin (1809-1882), dem wir u.a. die Erkenntnis der Evolution verdanken, gehörte als junger Mann in London einem elitären Club junger Männer an, die sich das Ziel gesetzt hatten, jedes Lebewesen einmal auf dem Teller zur Mahlzeit gehabt und verspeist zu haben. (So etwas gibt es wohl nur in England!) Irgendwo in seinen Aufzeichnungen kann man lesen, es hätte „Eule“ zum Diner im Club gegeben.)

25.März, 2025

Alle gut geborgen?

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Wir können beobachten, wie sich die brütenden Falken oft -umständlich für unsere Augen – bemühen, die drei Eier in die Brutflecken ihres Bauchgefieders einzurütteln.  in den Vorjahren hatten die Eltern jedoch meist vier Eier zu „heizen“!

Das ist ihnen immer gelungen.

 

Danke, M.H. und an andere!

24.März, 2025

Begehrliche Blicke

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richteten sich gewiss auf die hübsche Mauserfeder, die zunächst in der Mitte,  nun im vorderen Teil des Nistkastens liegt.

Ich konnte in den beiden letzten Jahrzehnten noch einige Mauserfedern dem Kasten nach Brut und Aufzucht entnehmen:

Ich vermute – als Laie!  – , dass diese Feder, die nun vorn im Kasten liegt, von LISELOTTE stammt, denn die Wanderfalkenweibchen beginnen mit der jährlichen Mauser ( Erneuerung des Gefieders) drei bis fünf Wochen vor den Terzeln.

Es wäre bei einem Vogel, der seine Nahrung im Flug erbeutet, unmöglich, alle seine Federn in kurzer Zeit abzuwerfen und einige Zeit zu Fuß unterwegs zu sein. (Ja, bei manchem Wassergeflügel geschieht das !)   In den kommenden Wochen, wenn LISELOTTE nun täglich viele Stunden auf dem Gelege brütet und die Küken hudert, kann sie nicht zeitraubend für sich selbst und dann für die Küken auf die Jagd fliegen!  „It takes two to tango!“, sagt man im Englischen, LISELOTTE und der Nachwuchs sind für eine lange Zeit von der Nahrungszufuhr durch RUPERT abhängig!

Nach der Eiablage konnte LISELOTTE sofort mit der Mauser beginnen, RUPERT wird erst gegen Mitte/Ende April mit dem Abwerfen der alten Federn und Nachschieben der neuen beginnen. Nur in dem sehr schönen französischen Buch s.u. fand ich als Laie die charakteristische Abfolge der Mauser bei einem Wanderfalkenweibchen dargestellt:

Im Flügel stehen die Zahlen der Federn der für den Flug besonders wichtigen Handschwingen, darunter zeigen die Pfeile die Abfolge der Mauser.  Sie beginnt in der Mitte bei meinem roten Pfeil. Da die die ersten 5 Federn der Außenhand  2 bis 5 cm länger sind als jene nach innen, wird sich bald bei LISELOTTE dort eine charakteristische Einbuchtung zeigen, wenn sie ihren Flügel ausbreitet.

Die Federn des Stoßes mausern von der Mitte ausgehend nach außen.

Bei den ausgeflogenen Jungfalken sind die Federn der Hand-und Armschwingen, sowie des Stoßes, zwei bis drei cm länger (!) als später – etwa mit 18 Monaten – im Alterskleid.

Kopie aus R-J. Monneret „Le faucon pèlerin“, Paris 2017

20.März, 2025

Eine Chance für uns Neugierige

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ist es, wenn die brütenden Falken, wie auf dem Foto LISELOTTE, sich langweilen. Dann können wir kurze Blicke auf das Gelege werfen. Denn „Steinchen-ziehen“ ist eine geradezu zwanghafte „Freizeitbeschäftigung“.  (Sie verzehren dabei keine Steinchen oder Sand wie andere Arten, die das für ihre Verdauung brauchen.)

Der brütende Falke rutscht beim  „Steinchen- ziehen“ oft  immer weiter vom Gelege und erst nach einigen Sekunden besinnt er sich auf seine Hauptaufgabe und eilt zurück.

Zumeist schlafen die brütenden Falken. Wir erkennen das an der weißen Nickhaut, die sich über das Auge schiebt.

Foto:M.H., danke!

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Was gibt es vom Restei zu berichten?

Am 2. Mai konnten wir bei der Beringung von SONNI und ALBRECHT das Restei bergen und nachfolgend  an das NABU-Vogelschutzzentrum übergeben.

Von dort erhalten wir vom Zentrumsleiter Dr. Daniel Schmidt-Rothmund die Information:

„Wir haben die Sendung gestern unbeschädigt erhalten und eben habe ich das intakte Ei präpariert. Es enthielt nur eine flüssige, amorphe, gelbe Masse, die leider kaum weitere Rückschlüsse zulässt, als dass das Ei nicht oder kaum entwickelt war und inzwischen autolytisch geworden ist. Jetzt können wir die Probe der LUBW zusenden und müssen leider warten, bis von dort Analyse-Ergebnisse veröffentlicht werden. Das kann leider länger dauern und erfolgt vermutlich nicht jeweils bezogen auf die einzelne Probe bzw. Örtlichkeit. Die Eischale wird diesen Herbst ans Rosenstein-Museum nach Stuttgart überstellt werden.“

 

09. Oktober 2025|5 Kommentare

Tagebuchautor unterwegs bis Anfang Oktober

„Machen wir`s  den Schwalben nach…“, könnte ich aus der Operette „Czardasfürstin“ summen, den wir fahren – wie fast jedes Jahr im Herbst – 1 500 km gen Westen an den Atlantik in jene Gegend, welche unsere Vorfahren als das Ende der Welt finis terrae bezeichneten.

Wenn ich von dort am Abend gegen 22 Uhr auf  dem Mobilphone in die Falken-Webcams schaue, ist es dann in Heidelberg bereits dunkel, aber in der südlichen Bretagne  leuchtet die Abendsonne noch über dem Meer.

Ach, wie klein ist unsere Erde!

18. September 2025|2 Kommentare

Herbstbalz beginnt

Am 12. September besuchen am Nachmittag RUPERT & LISELOTTE zweimal den Nistkasten.  Diese Herbstbalz ist eine erste Überprüfung der beiden Falken für ihre ihre Paarbildung, an ihr Territorium und an den Nistplatz. RUPERT bringt bereits jetzt kleine Happen als „Brautgeschenk“. Es gibt noch keine Kopulationen.

Die eigentliche Balz wird erst im Februar-März 2026 stattfinden.

Danke, M.H.!

13. September 2025|2 Kommentare

Wieviel Nahrung benötigt ein Wanderfalke täglich?

Ich berichte, was ich in verschiedenen Dokumentationen gefunden habe:

Ein adulter (erwachsener) männlicher Wanderfalke , wie RUPERT, mit  etwa 550 g – 750 g Gewicht, wird täglich etwa 70 g – 154 g verzehren. Als  – etwa ein Drittel  kleinerer Terzel (von lat. tertium = Drittel),  braucht er weniger als ein weiblicher Wanderfalke. LISELOTTE wiegt als Weibchen etwa 750 g bis 1 300 g. Sie wird also mindestens  100 g Fleisch benötigen .

(Ich versuche als ehemaliger Lehrer verständlich zu schreiben, die Fachbücher schreiben von den Unterschieden als „reversem Geschlechtsdimorphismus“ ).

70 g für RUPERT entspricht etwa dem Fleisch zweier Amseln. Das könnte auch etwa eine übliche und typische Beute eines Heidelberger Terzels sein.

Ein Wanderfalke benötigt also ungefähr 10% seines eigenen Gewichts jeden Tag.

Das bringt uns zum Überlegen, wieviel wir täglich essen würden, wenn wir täglich 10%  unseres Gewichts zu uns nehmen müssten.

Oh!

zum Foto:

Das bleibt von einer Taube übrig. Selten finden wir die Beutereste so ordentlich beisammen. Wir erkennen das sauber abgenagte Brustbein, an dem ja das meiste Fleisch ist.

Foto: von HMG, aus den 1990-er Jahren

Screenshot

12. September 2025|1 Kommentar
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