Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Bald blicken die Küken in die Welt
Danke, M.H.!

Manadun, der älteste Heidelberger Frauenname
Morgen, 5. Mai 2026 ist ein Jubiläumstag!
Das Ehepaar Rihbertus und Manadun, vor 1.239 Jahren im – heutigen Heidelberg-Handschuhsheim lebend, schenkten am 5.Mai im Jahr 787, – ich wiederhole: im Jahr 787 – vor 1.239 Jahren ! – ihren Besitz in Heidelberg-Handschuhsheim an das Kloster Lorsch. Wohl für ihr zukünftiges Seelenheil …
“ Ich Rhibertus und meine Manadun schenken …“
„Dieser Name leuchtet wie eine Sternschnuppe aus dem historischen Dunkel auf“, schreibt der Heidelberger Professor Bernd Schneidmüller in seinem lesenswerten Betrag in „HEIDELBERG Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 2026, S. 11 ff.,“774-2024. Als Handschuhsheim und seine Kirche in die Geschichte kamen“.

Namen sind Schall und Rauch
schrieb Goethe in seinem Drama Faust 1.Teil.
Wie kommen/kamen hier Jung & Alt zu ihren Namen?
Vor 26 Jahren hatte der Kinderchor der Pfarrgemeinde Heiliggeist die Namen der ersten beiden Küken RON und JANA ausgewählt. Seit 2001 wähle ich die Namenspatenschaften aus. Auch AURORA , PHÖNIX, JETTA, PERKEO, PALATINA, RUPERT, LIESELOTTE habe ich Namen gegeben.
Anderen Orts und zu anderen Zeiten verwendet/e man keine Namen, sondern nüchterne Zahlen, ohne hintergründige Bedeutung, z.B. PS 31612. (Ich gebe seit einem Vierteljahrhundert sorgfältig ausgewählte Falkennamen, siehe z.B. im „Gängs Tagebuch Archiv“ den Eintrag zum Namen RUPERT am 25.02.2024)
Es ist eine anspruchsvolle, aber interessante Aufgabe für mich! Denn jährlich erreichen mich mehrere Vorschläge und Bitten:
Darunter sind „aktuelle“ wie nach TIMMY oder SWIFTIE, andere durchaus fordernd: „Warum wird der bekannte ägyptische Falkengott Horus nicht als Name gewählt?“ Andere bitten dringend: „Mein Enkel /Ehemann/ Freund/-in, Chef/-in würde sich darüber als Geburtstagsgeschenk freuen!“
Die Falkennamen und deren Bedeutung kann man nachlesen:
Siehe Informationen, dann zu „Wanderfalkennachwuchs in Heidelberg“. (Für 2024 ist ANDREAS und JOHANN nachzutragen, für 2025 ALBRECHT und SONNI und für 2026 nun HORUS, ANNEROSE und MANADUN.)
HORUS, ANNEROSE und MANADUN
Die drei Küken des Jahrgangs 2026 wurden am Donnerstag, 30. April, am 19.Tag nach ihrem Schlupf, beringt. Das Team Dr. M .P. und Dr. K.F. R., das seit 26 Jahren nahezu alle Küken auf Heiliggeist beringt hat, war sich einig:
Es sind zwei Weibchen und ein Terzel!
(Leider konnte ich nach 26 Jahren, in denen ich alle Küken in den Händen halten durfte, nicht dabei sein! Ich hatte es in „Gängs Tagebuch“ bereits am 27. April angekündigt.)
Den Terzel HORUS erkennen wir nun am Kennring GA, das Weibchen Annerose am Kennring FZ, das zweite Weibchen MANADUN am Kennring FY.
PS. Den Namen HORUS erklärt Wikipedia oder die KI, ANNEROSE ist DANK für die außerordentliche finanzielle Unterstützung einer Dame. (Den Namen MANADUN erkläre ich später. Die KI kann nicht alles.)
Nichts zu lesen, nur schauen!
Ab Dienstag, 28. April , bin ich für einige Tage nicht in Heidelberg. „Gängs Tagebuch“ und das „Gästebuch“ kann ich während meiner Abwesenheit nicht bearbeiten.
Pelzdunen

Als die beiden ersten Küken vor 16 Tagen schlüpften, waren diese beiden blütenweiß. Inzwischen ist das Trio nicht etwa schmutzig, sondern die Küken tragen bereits ihr zweites Federkleid!
Es sind die grauen PELZDUNEN, welche die drei Küken wärmen.

Die Oberhaut der Vögel ist von unserer Haut völlig verschieden, sie erinnert uns an deren Abstammung von den Saurieren. Bei uns Menschen wird die Hornsubstanz der Oberhautzellen, das Keratin, fortlaufend abgestoßen und von innen erneuert. Als Schuppen auf unseren Schultern, als Hornhaut an unserer Fußsohle und Handinnenflächen, als Haare und Finger- und Zehennägel werden diese abgestorbenen Zellen von nachwachsenden lebenden Zellen verdrängt und als tote Substanz nach außen geschoben.
Die Oberhaut der Vögel bildet Federn aus. Bei der Vogelfeder wird zunächst im Schutz einer Hornhülle (Blutkiel) ein kompliziert eingerolltes „Gebäude“ gebildet, das sich dann zu einer verhornten und hochspezialisierten Federfahne entfaltet,wenn diese Hornscheide aufsplittert. Denn jede Feder dient, je nach ihrer Lage am Falkenkörper, ganz bestimmten Zwecken und wird erst nach der Mauser völlig erneuert! Die harten Armschwingen von LISELOTTE und RUPERT unterscheiden sich völlig von ihrem weichen Bauchgefieder.
Bei den drei 2026- Küken formen sich diese „Federorgane“ nun aus. Blutkiele, weil sie bei Verletzung leicht bluten, heißen die bläulich glänzenden Hornscheiden der Zapfen, die nun am Stoß und an den Flügeln bald sichtbar werden. Bald werden diese Hornzapfen an der Spitze eintrocknen und es erscheint die zunächst noch eingerollte Federfahne, die sich allmählich zur Fläche entrollt. Dabei wird die Pelzdune aus ihrer Hauttasche ausgeschoben.
Das „niedliche“ Aussehen der drei Küken ändert sich nun rasch und sie werden uns bald nicht mehr so „gefallen“ wie bisher. Vor allem ihre tierischen „Tischsitten“ und ihr „Benehmen“ wird uns gar nicht gefallen!
Auch 2026 bewundern wir die schnelle Entwicklung, nicht wahr?
Erneut ein Halsbandsittich als Beute
Ein Beispiel, wie Beutegreifer auf eine besondere Gelegenheit aufmerksam werden und diese mit Erfolg nutzen. Wie bereits hier erwähnt, gibt es in Heidelberg eine große Zahl Halsbandsittiche.
Danke, M.H.!

Wissen Besucher von Heidelberg, dass hier Wanderfalken leben?
Im Foyer des Rathauses am Marktplatz, mit Blick auf den Kirchturm, steht seit 25 Jahren ein Podest mit Monitor, auf dem das aktuelle Geschehen in der Turmspitze zu sehen ist. Darunter sind aktuelle Daten nachzulesen, also Eiablage, Schlupf, Beringung, Namen und allgemeine Informationen. Die farbige Urkunde zeigt, dass wir mehrfach in der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet wurden. Weil neben dem Podest ein räumliches Modell der Heidelberger Altstadt zu sehen ist, versammeln sich hier viele Touristengruppen. Außerhalb der Balz-und Brutsaison läuft auf dem Monitor während der Öffnungszeiten des Rathauses eine ausführliche Bilderschau über Wanderfalken als Endlosband.
Dass man durch das Fenster daneben hinüber auf Kirche und Turm schauen kann, ist praktisch, führt aber manchmal zu Kopfschütteln: „So ein Quatsch! Das sind doch keine Wanderfalken, das sind Turmfalken, wenn sie da drüben im Turm leben!“
Herzlichen Dank an den Falkenpaten Benjamin Pf. und seine Helfer im „Amt für Digitales und Informationsverarbeitung der Stadtverwaltung,“ die diesen Monitor betreuen.

Wärmepyramide oben, Sonnenbrillen unten
Am 23. April, um 11 Uhr über den Marktplatz: Noch sind keine neuen Schmeiss-Flecken am Kasteneingang zu sehen.
Für unsere neuen Gäste:
Schmeiss ist der weiße Kot der Falken. Wenn sich demnächst die Jungfalken außen auf der Anflugstange aufhalten, werden sie sich wenden um sich zu entleeren. Das hinterlässt Spuren.

Warme Sonne, aber kalter Wind
Auch wir haben heute Nachmittag, trotz der strahlenden Sonne, vorzeitig den Balkon verlassen, der Wind ist uns zu kalt.
Das Trio im Falkenzimmer der Turmspitze ist inzwischen in einem Alter, in dem die Küken nicht mehr rund um die Uhr von den Eltern gehudert und betreut werden. So sehen wir heute, wie jedes Jahr, die Wärmepyramide!
Die Küken stellen sie sich zu einer Pyramide zusammen und schützen so sie ihre kälteempfindlichen Vorderseiten. Der Flaum auf ihren Rücken schützt sie einigermaßen vor dem kalten Wind. Wird es später am Nachmittag dort oben warm, so liegen sie zwar dicht beisammen, dann aber flach wie ein weißer Fladen.

Erstes oder bereits zweites Frühstück?
Danke, M.H.!

Ein miteinander vertrautes Paar
Während der Aufzuchtphase ist die – sonst oft sichtbare – Aggressivität zwischen den beiden nicht vorhanden. Das ist sinnvoll, denn allein könnte ein Elternteil den Nachwuchs nicht aufziehen.
Je nach Abstand erscheint der Falke, welcher der Kamera nahe steht, größer als er ist. Links die große LISELOTTE, rechts der kleinere Terzel RUPERT.
PS. Kein „Kuss“, sondern Nahrungsübergabe!)
Danke, M.H. und an andere Gäste!



Ein schwieriges Wochenende!
Den Wanderfalken, allen Tiere rings um Heidelberg, stehen schwere Stunden bevor! Heute Abend um 22 Uhr beginnt die erste Schlossbeleuchtung in diesem Jahr. Bengalisches Feuer erinnert an das brennende Schloss, dann taucht das Feuerwerk den Himmel über der Altstadt in einen vielfarbigen Glanz. RUPERT erinnert sich an die Vorjahre, er wird frühzeitig flüchten. Ebenso die drei Jungfalken, für die das Spektakel neu ist.
(Übrigens: Am Donnerstag, 9. Juli, fand abends im Schlosshof die Generalprobe für die geplante Aufführung der Oper CARMEN vor geladenen Gästen statt. Deutlich war in der Dämmerung lautes Bettelgeschrei von Jungfalken zu hören! Das TRIO ist wohl doch noch nicht selbständig unterwegs!)
Am Sonntag, 12.Juli 2026, findet in Heidelberg und im nahen Neckargemünd ein BÜRGERENTSCHEID statt, der die Natur (Pflanzen, Tiere) von Heidelberg und Umgebung eventuell stark verändern könnte!
Sollen im besonders geschützten Flora-Fauna-Habitat „Lammerskopf“ acht Windräder TypE-175 EP5 mit 262,5 Meter Höhe, es wären die zweithöchsten im Land, errichtet werden? (Der Hahn auf der Spitze des Heiliggeistkirchturms steht auf 81 Meter Höhe.) Die Windräder am Greiner Eck im nahen Odenwald sind lediglich 175 Meter hoch. Die Bevölkerung- zeigt sich in Leserbriefen und Aktionen – als gespalten: Klimaschutz und erhoffte Einnahmen einerseits, Naturschutz und Ästhetik andererseits.
Der Regionalverband, BUND und NABU lehnen den Bau wegen der dort besonders schützenswerten Artenvielfalt , u.a. Wildkatze, auf dem Lammerskopf ab.
Das typische „romantische<" Stadtbild von Heidelberg wäre durch die acht riesigen Windräder ruiniert.
RUPERT im Kasten, vor der großen Hitze
Danke, M.H.!

Vom notgelandeten Jungfalken zum erfolgreichen Vogeljäger
Wir haben auch in der Saison 2026 beobachten können, dass der Nachwuchs vieles – gewissermaßen automatisch vorhanden – von einem Tag auf den anderen beherrschte: Kopf heben, Schnabel aufsperren, Bettelrufe, Drängeln, Beutereste festhalten und selbst Essbares abreißen, hüpfen, zielgerichtet zugreifen, mit den Flügeln schlagen, – ja sogar das Fliegen, auch wenn der Erststart misslingt!
Alles ist angeborenes Verhalten und gehört zur Grundausstattung wie Federkleid und Schnabel.
Ende Mai 2026 begann die Zeit des Lernens, der Nachahmung, der Jagd! Das geht nicht als „home- schooling“, sondern war eine Open-Air-Veranstaltung, die nur Menschen in Heidelbergs Altstadt gelegentlich verfolgen konnten.
Es war für RUPERT & LISELOTTE die anstrengendste Periode bei der Aufzucht des Trio, die nun zu Ende geht. Der Nachwuchs 2026 ist nun selbständig und „ausgebildet“ unterwegs
Die Jungfalken wurden noch lange geduldet. Sie standen/ruhten auch lange Zeit des Tages an einem sicheren hohen Ort. Vor allem in den letzten Wochen der großen Hitze! Sie kehrten von ihren Flügen immer wieder in die Altstadt zurück.
Dieses Verhalten geht nun zu Ende.
Rückblickend, ich war längere Zeit nicht in Heidelberg:
Wie erfolgte im Juni ihre „Schulung“, ihr Training?
Schon am frühen Vormittag erblickte das TRIO vom traditionellen Standort auf der nahen Jesuitenkirche aus, ein mit Beute herbei fliegendes Elternteil, flogen ihm entgegen und verfolgten es hartnäckig.RUPERT und LISELOTTE gaben keineswegs die Beute großzügig preis! Oft stiegen sie im letzten Moment in die Höhe, drehten sich auf die Seite oder auf den Rücken zur Übernahme der Beute durch den Nachwuchs. Manchmal ließen sie die Beute auch aus großer Höhe fallen und hofften, dass die Jungfalken die zu Boden stürzende Beute noch im Luftraum ergreifen.
(Manchmal beobachten Augenzeugen – vom Bettelgeschrei aufmerksam , dass kurz vor dem Aufprall der Beute auf Hausdächern oder in den Neckar, – wie aus dem Nichts -, das andere Elternteil sehr tief herbei fliegend, den herab fallenden toten Vogel noch in der Luft ergreift und mit ihm wieder in die Höhe fliegt, verfolgt von den kreischenden Kindern! Auf ein Neues!)
In Menschensprache: “Fang mich doch! Nimm mir die Beute weg! Nein, ich gebe sie nicht freiwillig her! Du musst sie gegen Deine Geschwister verteidigen, sonst bleibst Du hungrig!” Das Lernziel ist, eine Beute im Flug den widerstrebenden Eltern zu entreissen. Meist von unten anfliegend, sich auf den Rücken drehend und mit ausgestreckten Fängen zugreifend!
Dann nichts wie weg mit der Beute, an einen sicheren Ort zum Kröpfen, meist verfolgt von den gierigen Geschwistern. Nur so – aus Hunger – lernen sie Schritt für Schritt, – nein, Flugangriff auf Flugangriff – selbst einen fliehenden Vogel zu greifen.Es dauert etwa einige Wochen, bis die Jungfalken das gelernt haben. Dann ziehen sie allmählich weitere Kreise um die Altstadt und wandern schließlich ab.
2026 haben wir leider keine neugierigen Besuche des Nachwuchses in den Nistkasten beobachtet. Aber RUPERT ist täglich anwesend.
RUPERT hat immer ein wachsames Auge
auf den Flugverkehr am Himmel und auf den nahen Bereich in seinem Territorium. Wir hoffen, dass inzwischen der Nachwuchs gut unterwegs ist. Nachdem in den letzten Tagen bei den hohen Tagestemperaturen tagsüber kein Beutevogel am Himmel war, konzentrierte sich auch das Leben der Wildtiere auf die frühen Morgen- und späten Abendstunden.
Danke, M.H.!

RUPERT trotzt der hohen Temperatur
Danke, M.H.!

Im Nistkasten unter dem schwarzen Ziegeldach ist es nun sehr heiß!
Kein Wunder, dass RUPERT dort nur kurz kontrolliert. Für uns Menschen in Heidelberg sind heute 33° Celsius im Schatten nicht einfach auszuhalten. Vögel suchen sich jetzt selbstverständlich auch einen kühlen Ort und trinken viel.
Kurzbesuch von RUPERT
Danke, M.H.!

