Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Nachtrag zum Namenspaten
Ein großartiges Porträt unten, nicht wahr? Noch heute bleibt – insbesondere das weibliche Publikum, – fasziniert davor stehen!
Links der 19-jährige Karl-Ludwig, rechts der 17-jährige RUPERT.
Ihr Vater Kurfürst Friedrich V., der Winterkönig, hatte als Protestant die Königswürde im katholischen Böhmen angenommen, verliert die Schlacht am WeißenBerg am 8.11.1620, General Tilly erobert und zerstört 1622 Heidelberg. Die Familie trifft 1621 bei Onkel Maurits von Oranien in Den Haag ein. Die Mutter Elizabeth geb. Stuart, nun bald Witwe muss ihre 13 Kinder allein erziehen, ausbilden lassen und unterbringen. Einige sterben bald, andere machen Karriere. Alle sind hochgebildet, auch RUPERT spricht, Holländisch, Deutsch, Englisch, lernt auch Latein und Griechisch. Er ist zeitlebens an Kunst und Technik interessiert. Am Hof ihres Onkels King Charles I. lassen die Brüder „es krachen“, genießen für einige Zeit ein Leben, wir würden sagen, als Playboys. RUPERT kämpft für Charles I. wird abgesetzt, verbannt, lebt drei Jahre als Gefangener, sein Cousin König Charles II. ruft ihn wieder als Militär zurück . Er kämpft als Korsar gegen England, später als Admiral für England. Er leitet Sklavenschiffe aus Afrika in die Karibik, er wird Statthalter/Verwalter der Hudson Bay Company im heutigen Kanada, zuständig für den ergiebigen Pelzhandel im riesigen „Ruperts Land“, er stellt der Royal Society in London zahlreiche Erfindungen vor. Er ist zuletzt Gouverneur von Windsor Castle und Chef der Royal Navy.
Anton van Dyck, Karl-Ludwig und Ruprecht von der Pfalz, Louvre, Paris

RUPERT inspiziert das „Kinderzimmer“
Danke, M.H.!



LISELOTTE am Vormittag 25. Februar
Danke, K.!
RUPERT ist der Name des neuen Terzels
Wie beim Kreuzworträtsel oder ChatGPT:
“ Nenne mir Namen für einen männlichen Heidelberger Wanderfalken, der zum Namen des Weibchen Liselotte passt, – aber bitte schön! – mit Lokalkolorit und historischem Hintergrund, gut auszusprechen für unsere ortsfremden, der deutschen Sprache unkundigen Website-Besucher. Dieser Name wird dem neu hier residierenden Falken etwa 8-10 Jahre zugewiesen!“
Nichts leichter als das.
Wanderfalke in HEIDELBERG – Heidelberg! Ah! Das Schloss kennt jeder auf der Welt – Die Falken auf Heiliggeist, 9 Altfalken, 81 Jungfalken seit 1999 haben die optimale Aussicht auf diese Ikone Heidelbergs – Wer residierte auf dem Schloss? Pfalzgrafen! Prinzen! Kurfürsten! – Deren Namen, am häufigsten Ruprecht! Elf mal! – Geht nicht, hatten wir doch schon 2002 als Namen für ein Falkenküken (nach Kurfürst Ruprecht III. 1352-1410, der zum König Ruprecht I. wurde, sein Grabstein liegt unten im Chor der Heiliggeistkirche) – Dann nehmen wir den jüngsten Ruprecht aus dieser Elferreihe, den letzten Pfälzer Ruprecht ! – Dieser verbrachte sein ganzes Leben im englischen Sprachraum, kam als Teenager an den Hof seines Onkels King James I. -„What`s your name? -Ruprecht – What? Roop-retched?-Your name is now RUPERT!“ – Prince Rupert, 1619-1682, count Palatine, macht in London Karriere: Lord High Admiral der Royal Navy und in der Westminster Abbey begraben . Er ist der Onkel von Elisabeth-Charlotte, 1652-1722 von uns geehrt als Falke LISELOTTE, passt!
Also RUPERT Ein auffallend schöner, viel geliebter Prinz, auch von seiner Nichte Liselotte bei seinen seltenen Heidelberg-Visiten verehrt.
Rupert, Prince Palatine, Detail aus dem wunderschönen Doppelporträt Karl-Ludwig und Ruprecht von der Pfalz, von Anton van Dyck, Blickfang im Louvre, Paris

„Name ist Schall und Rauch“
heißt es bei Goethe (Faust I). Als Initiator dieses Projekts zur natürlichen Wiederansiedelung wild lebender Wanderfalken in Heidelberg vor 25 Jahren habe ich mir das Privileg angeeignet die NAMEN der brütenden Wanderfalken zu bestimmen. Ebenso die Namen der Küken nach deren Beringung. Selbstverständlich in Rücksprache mit vertrauten Personen, nach Beratung und Abwägung. Auch, in den knappen ersten Jahren auf Bitte, gegen (hohe) Spende für die Übertragungskosten und Kameras
In den letzten Tagen sind bei mir 8 (acht) Namensvorschläge eingegangen. (Einen habe ich reserviert für den Namen eines Kükens aus 2024 oder des nächsten Revierterzels.) Es bleibt bei meinem Gusto und Vorlieben: Ein Namen aus der Heidelberger Geschichte oder ebbes Mythologisches aus der griechisch-römischen Antike.
Also für 2024 bitte keine Vorschläge für diesen Terzel. Namensvorschläge dann gerne im Mai, falls es zur Brut und Aufzucht kommt, für den Nachwuchs.
(Morgen nenne ich den Namen, es war heute ein langer Tag für mich.)
Das „Kinderzimmer“ wird vorbereitet
Danke, K.!
Nicht alles entscheidet LISELOTTE !
Sorry. Da habe ich gestern in meiner Belehrung wieder einmal zu schnell fabuliert! Also Korrektur: Nicht ALLES entscheidet das Falkenweibchen. Balz- und Brutverhalten werden durch HORMONE bestimmt! – Huch! – Schon wieder nur halbe Wahrheit. Die Ausschüttung der Hormone wird von der Tageslänge – äh! – vom Sonnenlicht, wie sagt man heute, „getriggert“ …
Ich halte mich besser mit solchen Dingen zurück, bin ja schon längs pensioniert. Gibt ja auch Lexika für die Gäste. Ach nein, das ist ja jetzt Wikipedia .
Wie gehen die beiden Falken jetzt miteinander am Himmel um?
„Was wäre, wenn LISELOTTE jetzt noch einem oder mehreren männlichen Wanderfalken begegnen würde?“ fragt N.W. über eMail. „Wie würde sie sich entscheiden? Für wen?“
Bei den Greifvögeln sind die Weibchen größer und schwerer als die Männchen (Terzel). Sie müssen ja in kurzer Zeit mehrere Eier produzieren, diese ausbrüten und dann die Jungvögel lange Zeit ernähren und anlernen. Wanderfalken sind Beutegreifer, also „gut bewaffnet“ und leben keineswegs als eng vertrautes Paar. (Unser menschliches Verhalten, z.B. „Liebe, Treue, Trauer „sind hier nicht angebracht.)
Auch in der Balz, so habe ich das vor einigen Jahrzehnten in freier Natur beobachtet, halten die Terzel zunächst deutlich „respektvollen“ Abstand zu den Weibchen, machen sich durch „Lahnen“ , also Rufe dem Weibchen bemerkbar und zeigen dann „was sie können“. Die Weibchen prüfen die Tauglichkeit des Terzels als zukünftigen Versorger: „Kann er mich während der Brut mit Beute versorgen, wenn ich die Eier bebrüte und keine Zeit für die Jagd habe? Kann er mich und dann vier Küken ernähren?“ = „Heidelberger Standard“
Diese Überprüfung und Annäherung erfolgt jetzt durch gemeinsame Flüge mit virtuosen „stoops“ (Sturzflügen), die als Scheinangriffe aufeinander erfolgen: Oft wird sich ein Falke dabei auf den Rücken rollen und dem anderen Falken die Fänge entgegen strecken. Gelegentlich verhaken sich die Fänge und beide Falken purzeln übereinander, alles in beträchtlicher Höhe und bei hohem Tempo! Ich habe das in fünf Jahrzehnten nur wenige male beobachten können, ein unvergessliches Spektakel! Allmählich nähert sich das Paar an, sitzen/stehen dann gemeinsam auf einem Felsen oder Ast, aber auch dann steht der Terzel meist höher und auf Distanz, wie ich oft beobachtet habe. Die Terzel spüren, dass sie an Kraft und Masse nicht mit den Weibchen konkurrieren können. Die kleineren Terzel sind jedoch wendiger im Flug als die Weibchen. Kämpfen die Weibchen mit einem anderen Weibchen um das Territorium, so halten sich die Terzel auf Abstand und beteiligen sich nicht! (Auch das wurde in Heidelberg mehrfach beobachtet.) Wanderfalken „kuscheln“ nicht miteinander. In 24 Jahren hat hier das Falkenpaar nur zweimal gemeinsam im Nistkasten übernachtet.
Es folgt die Phase, in der der Terzel seiner Partnerin Beute anbieten wird oder sich diese im Flug entwenden lässt. So zeigt er LISELOTTE , dass er sie in Zukunft bei der Brut und Aufzucht des Nachwuchses versorgen kann.
Grundsätzlich entscheidet ALLES, was wir hier über die Cams sehen dürfen, das Falkenweibchen!
Dann wird es ihm zu langweilig …
Danke,K.! und andere!
Sieht aus wie ein „Hausherr“!
Danke, K.!
SO sieht der neue Terzel aus!
Prima, dass wir in Bild, im Video und mit Ton den neuen Terzel, heute vom Wind zerzaust, kennenlernen!
Wir sehen die quer gestreifte weiße Frontseite und seine deutlich kleinere Größe im Vergleich zu LISELOTTE. (Ich merke mir die Größe jeweils an den am Rand sichtbaren Dachziegeln: Deckt die Silhouette des am Rand der Stange stehenden Falken zwei oder drei Dachziegel?) Die kleinen Terzel sehen frontal gesehen – z.B.hier links unten – i am Kopf irgendwie „nett, putzig, zierlich“ aus, die Falkenweibchen sehe ich eher als „massiv, bedrohlich“. (Ich zitiere aus Kindermund- Beschreibungen.) LISELOTTE zeigt noch bräunliche längs gestreifte tropfenförmige Flecken auf Ihrer Vorderseite.
Danke, A. Sch. und andere!

LISELOTTE mit neuem Terzel
Für uns ist dieser Schnappschuss eine gute Gelegenheit sich die Ausprägung seines Federkleids im Kopf- und Halsbereich einzuprägen.
Danke, A.L.

Unterbrechen des Brütens
Und wieder einmal gewährt uns LISELOTTE einen Blick auf das Gelege, weil ihr das „Steinchen-ziehen“ wichtig war.

Alle gut geborgen?
Wir können beobachten, wie sich die brütenden Falken oft -umständlich für unsere Augen – bemühen, die drei Eier in die Brutflecken ihres Bauchgefieders einzurütteln. in den Vorjahren hatten die Eltern jedoch meist vier Eier zu „heizen“!
Das ist ihnen immer gelungen.
Danke, M.H. und an andere!
Begehrliche Blicke
richteten sich gewiss auf die hübsche Mauserfeder, die zunächst in der Mitte, nun im vorderen Teil des Nistkastens liegt.
Ich konnte in den beiden letzten Jahrzehnten noch einige Mauserfedern dem Kasten nach Brut und Aufzucht entnehmen:

Ich vermute – als Laie! – , dass diese Feder, die nun vorn im Kasten liegt, von LISELOTTE stammt, denn die Wanderfalkenweibchen beginnen mit der jährlichen Mauser ( Erneuerung des Gefieders) drei bis fünf Wochen vor den Terzeln.
Es wäre bei einem Vogel, der seine Nahrung im Flug erbeutet, unmöglich, alle seine Federn in kurzer Zeit abzuwerfen und einige Zeit zu Fuß unterwegs zu sein. (Ja, bei manchem Wassergeflügel geschieht das !) In den kommenden Wochen, wenn LISELOTTE nun täglich viele Stunden auf dem Gelege brütet und die Küken hudert, kann sie nicht zeitraubend für sich selbst und dann für die Küken auf die Jagd fliegen! „It takes two to tango!“, sagt man im Englischen, LISELOTTE und der Nachwuchs sind für eine lange Zeit von der Nahrungszufuhr durch RUPERT abhängig!
Nach der Eiablage konnte LISELOTTE sofort mit der Mauser beginnen, RUPERT wird erst gegen Mitte/Ende April mit dem Abwerfen der alten Federn und Nachschieben der neuen beginnen. Nur in dem sehr schönen französischen Buch s.u. fand ich als Laie die charakteristische Abfolge der Mauser bei einem Wanderfalkenweibchen dargestellt:
Im Flügel stehen die Zahlen der Federn der für den Flug besonders wichtigen Handschwingen, darunter zeigen die Pfeile die Abfolge der Mauser. Sie beginnt in der Mitte bei meinem roten Pfeil. Da die die ersten 5 Federn der Außenhand 2 bis 5 cm länger sind als jene nach innen, wird sich bald bei LISELOTTE dort eine charakteristische Einbuchtung zeigen, wenn sie ihren Flügel ausbreitet.
Die Federn des Stoßes mausern von der Mitte ausgehend nach außen.
Bei den ausgeflogenen Jungfalken sind die Federn der Hand-und Armschwingen, sowie des Stoßes, zwei bis drei cm länger (!) als später – etwa mit 18 Monaten – im Alterskleid.
Kopie aus R-J. Monneret „Le faucon pèlerin“, Paris 2017

LISELOTTE beim Steinchen-ziehen
Danke, M.H.!


Das Gelege am 21. März 2025
Danke L.Sch!

Eine Chance für uns Neugierige
ist es, wenn die brütenden Falken, wie auf dem Foto LISELOTTE, sich langweilen. Dann können wir kurze Blicke auf das Gelege werfen. Denn „Steinchen-ziehen“ ist eine geradezu zwanghafte „Freizeitbeschäftigung“. (Sie verzehren dabei keine Steinchen oder Sand wie andere Arten, die das für ihre Verdauung brauchen.)

Der brütende Falke rutscht beim „Steinchen- ziehen“ oft immer weiter vom Gelege und erst nach einigen Sekunden besinnt er sich auf seine Hauptaufgabe und eilt zurück.
Zumeist schlafen die brütenden Falken. Wir erkennen das an der weißen Nickhaut, die sich über das Auge schiebt.
Foto:M.H., danke!