Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Eine neue unangenehme Lage
RUPERT schläft tief entspannt auf dem Dreiergelege, während wir uns Sorgen machen. Es erreichen mich Anfragen, auf die ich keine Antwort weiß.
Wird LISELOTTE noch ein viertes Ei legen? Falls aus dem dritten Ei ( ggf. auch noch aus einem vierten Ei) ein Küken schlüpfen sollte, hätte(n) diese(s) „späte(n)“ Küken einen Nachteil gegenüber den beiden – bereits am 6. und 8. März – geschlüpften Küken?
Oder läuft die Entwicklung der Embryonen während der Brutzeit der beiden (und weiterer Eier) „synchronisiert“ ab, so dass – hoffentlich – drei oder gar vier Küken zeitnah schlüpfen werden, unabhängig vom – weit auseinander liegenden – Zeitpunkt der Eiablage ? Das intensive Brüten hat erst vor etwa drei Tagen begonnen. Zuvor lagen die beiden Eier meist „im Freien“.
Es liegen 10 Tage zwischen erstem und dritten Ei!
Liegt dann das dritte „späte“ Küken nach seinem Schlupf 10 Tage zurück hinter seinen bereits weit entwickelten beiden Geschwistern? Einen so großen Zeitabstand hatten wir in 25 Jahren hier noch nie!
Ich muss immer wieder betonen: ICH bin kein Ornithologe, sondern ein LAIE , AMATEUR und bin auf Informationen durch Fachleute angewiesen. (Auch Lehrer i.R. lernen noch gerne!)
Gibt es fachliche Beratung aus unserer großen Gästeschar?
HERZLICHEN DANK!
Ansonsten freue ich mich, dass auch nach einem Vierteljahrhundert! der Beobachtung wild lebender Wanderfalken in Heidelberg es noch immer spannend bleibt.

Die Entdeckung von Ei 3
und Dokumentation gelang bereits um 8 Uhr Frau L.Sch. und A.S.!
Danke!

Das dritte Ei!
wurde in der Nacht vom 15. auf den 16. März gelegt! Herzlichen Dank an die – frühen! – richtigen und zahlreichen Nachrichten und nun nachfolgenden Fotodokumentationen!
Foto v. M.H.!

Ein drittes Ei?
Gibt es einen Fotobeleg?
Wie gehen die Falken mit dem Ei um?
Die Eltern halten das Gelege auf der notwendigen Temperatur, die für die Entwicklung der Embryonen notwendig ist, also etwa 34° – 38° C. Das bedeutet, dass die Körpertemperatur der Altvögel an den Brutflecken am Bauch hoch ist. Vor allem heute Nacht, als die Temperatur nur knapp über 0° C lag und dort oben ein scharfer Wind blies.
Die Eier müssen regelmäßig ab und zu bewegt werden, damit nicht immer die gleiche Stelle der Schale “beheizt” wird. Die Hagelschnüre kennen wir alle vom rohen Hühnerei, nicht wahr? Die beiden ineinander verdrehten Eiweißstränge sorgten dafür, dass die wichtige Keimscheibe auf dem Dotter immer nach oben – zu den beiden warmen Brutflecken an Bauch der brütenden Falken – gerichtet bleibt. Wir können über die Kastenkamera manchmal beobachten, wie die Falken mit der Schnabelspitze die Eier sorgsam bewegen und dabei darauf achten, dass jedes Ei seine notwendige Portion Wärmenachschub erhält. Aber selbstverständlich immer unter dem Falkenkörper im Warmen bleibt.

Wie werden die beiden Eier ausgebrütet?
Beide Falken haben auf der unteren Bauchseite zwei Stellen, die in der Brutzeit ( nur dann) – hormonell gesteuert – besonders stark mit warmem Blut durchströmt werden. Es sind dort sogar einzelne Flaumfedern ausgefallen, damit die Eischalen in direkten Kontakt mit der Bauchhaut des Falken kommen. Das Federkleid, das die Vögel so trefflich gegen Kälte und Nässe isoliert, soll das jetzt und hier nun nicht leisten! (Vor wenigen Tagen sah ich RUPERT vor Kälte und Nässe geschützt im strömenden Regen bei 4° C auf der Stange ruhen.)
Um ein gleichmäßiges Bebrüten der beiden Eier, hier in diesem Kasten waren es bisher – seufz! – meist vier! – zu erreichen, werden die Eier etwa alle ein bis zwei Stunden mit dem Schnabel gewendet. Nach unseren Beobachtungen, seit 25 Jahren hier aufgezeichnet, geschieht das vor allem in den ersten Wochen der Brut, in denen der Embryo besonders schnell wächst. Beim Wenden der Eier wechseln die Falken auch die eigene Position mit einer Vierteldrehung, wobei sie immer – zumindest mit einem Auge – den Nistkasteneingang im Auge haben.
Gegen Ende der Brutzeit werden die Eier nicht mehr so oft gewendet, in den letzten Tagen vor dem Schlupf überhaupt nicht mehr, denn das Küken bringt sich dann selbst im Ei in die Position um die Eischale aufzudrücken!
Es kommt nun eine, für die Falken und uns, langweilige Zeit: Wir können beim Brutwechsel beobachten, wie die Eltern ihre großen Fänge vorsichtig “einfädeln”, sich niederlassen und sich dann mit ihren Brutflecken im Bauchgefieder sorgfältig dicht über das Gelege “einrütteln”. (Bei – nur – zwei Eiern 2025 ist das leicht zu leisten.) Dann legen LISELOTTE & RUPERT flach darüber und dösen oder schlafen. Ihre Flügel und der Körper halten das Gelege eng zusammen und erhalten so die Wärme. Nachts übernimmt immer LISELOTTE das Brüten.
RUPERT und LISELOTTE in Aktion
In meinem „Tagebuch“ vom 20.Februar 2025 habe ich bereits über den komplizierten Balanceakt der Kopulation geschrieben:
Nach der Punktlandung auf dem bewegten Rücken von LISELOTTE:
- RUPERT muss die nadelspitzen Klauen seiner Fänge einrollen um seine Partnerin nicht zu verletzen!
- RUPERT muss sich für die Samenübergabe zwei-drei Sekunden stabil halten .
Diese Akte haben die beiden in den letzten Tagen häufig vollzogen. In diesem perfekten Foto sehen wir, dass RUPERT mit geballten Fängen alles richtig macht.
Wie bereits im Vorjahr, werden wir 2025 – trotz der häufigen und geglückten Akte – hier höchsten zwei Jungfalken erleben.
Warum das so ist, weiß ich nicht.
Danke, M.H.!

Gewölle sind „Speiballen“
Gestern wunderten sich viele Besucher/-innen über ein anhaltendes Recken, Strecken und Würgen bei RUPERT. Das war ein natürlicher und notwendiger Vorgang. Falken und Eulen haben keine Zähne zum Kauen, also müssen sie Unverdauliches (Federn,Knochen) wieder hinaus speien. Das“Gewölle“ wird im Magen mit Schleim umhüllt und hinaus gewürgt. Nachts sind diese rundlich-ovalen Speisereste im UV-Licht gut im Nistkasten als schwarze Reste erkenntlich.

Danke, M.H.!

Das zweite Ei
wurde am 8. März 2025 um 18.57 Uhr gelegt.
Herzlichen Dank für die Meldungen!

Einiges zum ersten Ei
So ein einsames Wanderfalkenei ist nicht spektakulär. Es ist etwa so groß und schwer wie mein Frühstücksei, s.u. Es wiegt etwa 45,5 g (Ratcliffe,1993), die Schale wiegt etwa 3,8 g.
Ein Vierergelege, wie es in den Vorjahren in Heidelberg üblich war, wiegt dann etwa 182 g , das ist etwa 17 % des Gewichts von LISELOTTE. Eine große Leistung in diesen Tagen!
Passt das zum heutigen Frauentag?


Auch BENJAMIN (*2022) bemüht sich wieder
2024 konnte in den Niederlanden die Ringe (S RC ) eines Terzels abgelesen werden, der am 29.April 2022 auf Heiliggeist beringt wurde und von mir den Namen BENJAMIN erhalten hatte. Er sorgte bereits 2024 auf der St. Martinuskerk in Weert, NL – östlich von Antwerpen – für Nachwuchs und wird es wohl 2025 leisten.
Danke, A.L.!
Quelle: live.netcamviewer.nl

Munteres Treiben für kommenden Nachwuchs
Da auch bei den monogamen Wanderfalken alle möglichen Variationen (Bigamie, Inzest, Polygamie, Polyandrie) gelegentlich/selten vorkommen, ist es sinnvoll, dass RUPERT durch häufiges Kopulieren SEINE Spermien in LISELOTTE deponiert: Pro Kopulation zwischen 100 000 und 1,6 Millionen Spermien, die einige Tage aktiv in LISELOTTE gespeichert werden können. So erhöht er die Weitergabe seiner Gene, falls seine Partnerin sich nun auch noch mit einem weiteren Terzel paaren würde.
Das indiskrete Schauspiel, das sich z.Zt. häufig abspielt, lässt uns hoffen: Morgen könnte vielleicht das zweite Ei gelegt werden!
Und bei diesem eifrigen Einsatz könnte 2025 vielleicht mal wieder eine Viererbrut ausfliegen …
Danke, M.H.!


Jungfalke aus 2025
Morgenbesuch eines satten Jungfalken.
Danke, M.H.!

Sorge um die Wanderfalken auch jenseits des Rheins
So nah ist uns die Pfalz und doch schauen wir selten über den Rhein hinüber!
Herzlichen Dank deshalb an A.K., der uns auf einen Bericht der Zeitung „Die Rheinpfalz“ vom 23. Januar 2026 hinweist!
Dort lesen wir:
„Gerade mal elf Wanderfalken wurden im vergangenen Jahr in der Südwestpfalz und Südpfalz ausgebrütet und erfolgreich bis zum Ausflug gebracht. … Im Vorjahr waren es 13 Jungvögel – in richtig guten Jahren bis zu 50, in normalen Jahren rund 30.“
Der „Arbeitskreis Wanderfalkenschutz“ der Pfalz zählt neben dem Uhu auch Marder und Waschbär zu den aktuellen Bedrohungen. Auch die Vogelgrippe H5N1 und die noch jungen und unerfahrenen Falkenpaare könnten zu dem Besorgnis erregenden Rückgang geführt haben.
Ich ergänze:
Auch bei uns breitet sich zunehmend der Waschbär als “ Fressfeind“ für Vogelbruten aus.
„Speisekammer“ wurde geleert
und niemand hat es dokumentiert.

Speisekammer wurde aktiviert
Erstaunlich, wie seit zwei Jahrzehnten, mit wechselnden Paaren der Altfalken, die Südostecke des Nistkastens als Vorratskammer genutzt wird.
Eine bemerkenswerte Tradition! Warum ist das so? Ich kann es nicht erklären.
Danke für den Hinweis, O.Sch.!

Wie in „alten Zeiten“ …
Wir freuen uns, dass RUPERT heute, wie vor einigen Jahren, im Nistkasten übernachtet hat und auch jetzt – im Nebel – am Nistkasten anwesend ist.
Gesättigt und aufmerksam
bleibt RUPERT im Eingang.

