Gängs Tagebuch
Gängs Tagebuch2021-10-04T08:44:30+02:00

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

27.Mai, 2025

Bettelflugperiode ist bei uns ruhendes Abwarten

0 Kommentare

Folgendes entdecke ich in“Gängs Tagebuch“ am 28.Mai 2003 und muss schmunzeln:

„Bettelflugperiode sagen die Ornithologen zu diesem Zeitraum von vier bis sechs Wochen. Am besten zitiere ich S. 704 f. aus Bd.2 von Dieter Rockenbauch „Der Wanderfalke in Deutschland“: „Meist versuchen die ausgeflogenen Jungen den Alten die zunächst auf benachbarte Rupfkanzeln gebrachte Beute zu entreissen. Heftige, lautstarke Kämpfe der Jungen untereinander aber auch Zerren um die Beute mit den Alten sind dabei fast die Regel. Besonders die kräftigen Mütter lassen dabei nicht so schnell locker. Die im Getümmel mit mehreren wild flatternden und durchdringend schreienden Jungfalken fast untergehenden kleineren Männchen sind da freigiebiger`. Schon am ersten Ausflugstag wird so mehrfacher Ortswechsel erzwungen, die Jungen kreisen aber auch freiwillig immer häufiger und länger. Schon nach zwei bis drei Tagen fliegen sie den Beute bringenden Alten entgegen und versuchen, die Beute in der Luft zu übernehmen.“sagen die Ornithologen zu diesem Zeitraum von vier bis sechs Wochen. Am besten zitiere ich S. 704 f. aus Bd.2 von Dieter Rockenbauch „Der Wanderfalke in Deutschland“: „Meist versuchen die ausgeflogenen Jungen den Alten die zunächst auf benachbarte Rupfkanzeln gebrachte Beute zu entreissen. Heftige, lautstarke Kämpfe der Jungen untereinander aber auch Zerren um die Beute mit den Alten sind dabei fast die Regel. Besonders die kräftigen Mütter lassen dabei nicht so schnell locker. Die im Getümmel mit mehreren wild flatternden und durchdringend schreienden Jungen fast untergehenden kleineren Männchen sind da freigiebiger. Schon am ersten Ausflugstag wird so mehrfacher Ortswechsel erzwungen, die Jungen kreisen aber auch freiwillig immer häufiger und länger. Schon nach zwei bis drei Tagen fliegen sie den Beute bringenden Alten entgegen und versuchen, die Beute in der Luft zu übernehmen.“

22 Jahre später beobachten wir bei unseren städtischen Jungfalken anderes Verhalten! Der Abschied aus dem bequemen „Hotel Mama & Papa“ wird „ausgesessen“.  ALBRECHT & SONNI warten offensichtlich geduldig, bis Nahrung unterwegs ist. Erst dann beginnt der Kampf untereinander.

 

27.Mai, 2025

Herzlichen Dank!

0 Kommentare

Foto: H.K., danke!

Es ist für uns immer eine große Freude, dass die Besucher/-innen unserer Website wissen, dass die Finanzierung unseres Projekts auf Spenden zugunsten unseres Kontos (siehe Titelseite) beim NABU Heidelberg  angewiesen ist und bleibt. Von dort erhalte ich regelmäßig Nachricht.

So kann ich heute für Spenden, die im April und Mai eingegangen sind, herzlich danken!

Bei Frau S.F., bei D.undB W., bei Frau M.R., bei Frau A.E.M, bei Frau S.Sch., bei J.U.und M.P.,bei Herrn H-J.N., bei Frau M.W-B., bei Frau H.Z., bei Frau N.S.! Viele der Spenderinnen und Spender begleiten uns regelmäßig und schon seit langer Zeit, ihnen gebührt besondere Anerkennung und Dank.

HMG

26.Mai, 2025

Ein seltener und scharfer Blick in die Turmspitze!

0 Kommentare

SO schlimm sieht es oberhalb der „Welschen Haube“, dem glockenhaften Turmhelm aus!

Das Teleobjektiv zielt auf das „Kapellchen“, ein – von einem Geländer eingefassten – Umgang. Ich war nur einmal, vor langen Jahren, dort oben: Einstieg und Ausstieg sind schwierig, das Innere dieses  Mini-Türmchen ist mit Blech verschalt und eine Art „Tischlein-Deck-Dich!“. Also Knochen und Beinchen von Beutevögeln. Wir erkennen auf dem Foto ringsum die weißen Spuren von „Schmelz“/“Schmeiß“ , also dem Kot der Falken.

Ganz links außen oben am „Fensterrand“und mittig auf dem Geländer, hier leider nicht erkennbar, zeigt das Foto jeweils eindeutig einen braunen Jungfalken!

Danke, G.Sch.!

25.Mai, 2025

Keine neue Nachrichten sind eine gute Botschaft!

1 Kommentar

Denn es bedeutet für uns Heidelberger Wanderfalkenbetreuer, dass es keine „Rettungseinsätze“ für die beiden Erststarter notwendig werden! Es geschah oft, dass der erste Flug nach wenigen Sekunden auf dem Asphalt einer engen Gasse oder in einem Hinterhof endete! Oh je!

Denn in der Heidelberger Altstadt leben neben vielen Haustauben auch viele sehr aufmerksame Rabenkrähen! Nie getrauen diese sich während der Brut-und Aufzuchtzeit  in die Nähe des Nistkastens.

Aber die Krähen lauern geradezu darauf, dass die Jungfalken der Heiliggeistkirche zum ersten Flug starten! Es wurde von Bewohnern der Altstadt oft beobachtet, dass  die Krähen der Altstadt sofort die Jungfalken, die nach kurzem Flug meist auf einem nahen Hausdach gelandet sind, entdecken und durch gemeinsame aggressive Anflüge auf den Boden zwingen!

Diese Attacken der Krähen auf die mühsam gelandeten Erstflieger sind mit viel Krähengeschrei verbunden, so dass der auf dem Boden  stehende Jungfalke von Menschen entdeckt wird. Sie erkennen, der Falke ist beringt, er braucht Hilfe!

Man telefoniert z.B. die Polizei, die Heidelberger Berufsfeuerwehr, die Heidelberger Falknerei Tinnunculus, die kostenpflichtige Berufstierrettung, das Umweltamt der Stadt, die lokale Zeitung, den BUND, den NABU.  Schließlich gelingt es dann nach vielen Telefonaten, manchmal erst am Folgetag,  den „Bruchpiloten“ wieder an uns zu übergeben. In einem Karton tragen wir ihn zurück auf den umlaufenden Balkon der Heiliggeistkirche und setzen ihn auf das steinerne Geländer.

Es folgt ein schöner Moment: Der Jungfalke fliegt nun unbelästigt erneut davon und landet nun sicher auf dem Turm der nahen Jesuitenkirche oder auf der Schlossruine. Die Rabenkrähen verharren nun ruhig! Denn bereits am Folgetag beobachten wir, dass Jungfalken bereits Rabenkrähen anfliegen, diese verfolgen, also quasi „den Spieß umdrehen“.

Die Jungfalken können dann bereits sicher landen, das Fliegen ist angeboren. Bereits am zweiten Tag nach dem Ausfliegen staunen wir über ihre Bewegungen am Himmel. Dennoch stehen sie die längste Zeit des Tages  auf der nahen Jesuitenkirche und warten auf die Eltern.

Sie kommen in den Folgetagen gerne in den Nistkasten zurück. Sie prüfen: Gibt es dort vielleicht noch etwas Verzehrbares?

In den Vorjahren – siehe “ Gängs Tagebuch Archiv“ – habe ich diese aufregenden Stunden oft geschildert.

(Nun aber erst einmal meine Urlaubskoffer auspacken!)

Letztes gemeinsames Foto der beiden, Danke, A.Sch.!

8.Mai, 2025

ALBRECHT und SONNI in der Falkenschule

0 Kommentare

Sie haben  einige Lernziele des Lehrplans , z.B. Nr. 10, vor einer Woche  bereits vorzeitig bewältigt, brav!

Ansonsten lernen und üben sie noch bei Punkt 7.

  1. Kopf hoch halten können – 3-4 Tage üben!
  2. Laut um Nahrung betteln!
  3. Schnabel öffnen!
  4. Mit Schnabel zupacken! – 3-4 Tage üben !
  5. Augen öffnen und Eltern erkennen!
  6. Sich vordrängeln bei der Atzung!
  7. Gefiederpflege fortsetzen! Daueraufgabe! Zweites Dunenkleid mit dem Schnabel  bearbeiten!
  8. Große Futterstücke – z.B. das komplette Bein einer Amsel – hinab würgen können!
  9. Ich muss nicht immer bei meinem Bruder schlafen oder sitzen!
  10. Den Nistkasten erkunden! Ich bleibe aber zunächst noch im hinteren Teil. 
  11.    Ich habe keine Hemmungen, meinem Bruder einen Bissen wegzuschnappen.
  12.     Ich trainiere meine Augen, indem ich z.B. den Flug von    Schmeißfliegen im Nistkasten verfolge!

(Nach einer originellen Idee von Julie O`Connor und Debbie Waters)

Mehr Beiträge laden

„Liebe“? Nein, Balz erscheint uns als als eine drohende Annäherung.

Die Balz im Kasteninneren ist  ein notwendiger hoch ritualisierter Vorgang, auch wenn beide sich individuell kennen und mit dem Nistkasten auf Heiliggeist bereits seit 2024 vertraut sind.

RUPERT zeigt, sobald er LISELOTTE erblickt, den Ort an, den er zum Brüten und zur Aufzucht des Nachwuchses vorschlägt. Darüber entscheidet – wen wundert es? – LISELOTTE! Auch wenn die beiden in den beiden vergangenen Jahren jeweils Eltern von zwei Küken wurden, so verläuft die Anbahnung ihrer „Hochzeit“ auch 2026 nach einem strengen Ritual, das wir bei den vorausgegangenen Bruten ihrer Vorgänger seit 26 Jahren (!) staunend beobachten konnten.

Wie wird das – auch 2026 – ablaufen?

Zunächst stürzt  der kleinere Terzel  –RUPERT – mit aufgeregten Lauten, etwa  „Ack-Zick – Ock-Zick- I-Tchipp“, in den Nistkasten, gefolgt von LISELOTTE. (Diese erscheint uns durch die ihr nahe Cam 2  dann als besonders groß, das täuscht uns.)

Terzel RUPERT  bezieht sofort Position an der Rückwand des Nistkastens und streckt sich nach vorn in eine waagrechte Position, sein Schnabel reicht fast bis zum Boden. So  stehen sich beide Falken, heftig Laut gebend, aufgeregt gegenüber! Erst nach einigen Sekunden beruhigen sie sich und der Terzel „flieht“ geradezu rasch nach außen. Das Weibchen LISELOTTE bleibt zurück und beruhigt sich rasch.

Ich empfehle unseren neuen Gästen, dass Sie bei einem weiteren Besuch der beiden den Eintritt von LISELOTTE über  Cam 1 beobachten, denn der Auftritt der weiblichen Falken ist spektakulär: LISELOTTE schreitet in einem wiegenden Pendelschritt – „tippy-toe gait“ -, nennen es die englischsprachigen Fachleute ( auf Zehenspitzen gehend) geradezu drohend auf ZEPHYR zu. Ihr Federkleid halten beide Falken eher locker gesträubt, sie machen sich groß,  etwas hängende Flügel wären eher kindliche Signale.

Beide stehen sich nun sekundenlang, hoch erregt zirpend, tief gebeugt gegenüber. Oft berühren sich in dieser tief gestreckten Position ihre Schnäbel, als würden sie knabbern. Für unsere Augen fühlt sich RUPERT durch die pendelnd auf ihn zu schreitende LISELOTTE – „Paradeschritt“ schreiben Fachleute – bedrängt und – husch! – flitzt er bald, meist auf der rechten Seite (von uns gesehen), an dem größeren, stärkeren Weibchen vorbei und entflieht.

LISELOTTE beruhigt sich dann schnell, richtet sich auf, glättet ihr Gefieder, piepst vielleicht noch etwas und besichtigt das Kasteninnere.

Nun folgt oft das Bearbeiten des Untergrunds: Steinchen ziehen, Steinchen fressen, Boden mit dem Schnabel „pflügen“, Gefieder pflegen und schließlich Abflug. Das sehen wir auch bei RUPERT, wenn er allein im Kasten ist.

Nein, das Ritual hat nichts mit unserem menschlichen „Balzverhalten“ – also Liebe-  zu tun! Wir sehen dominantes Auftreten und gleichzeitig besänftigende Signale („Scheinfüttern“) bei beiden.

Die fliegende Balz der beiden außen in der Luft können wir nicht zeigen. Hierbei „prüft“ LISELOTTE , ob ihr Partner sie und den Nachwuchs während der Brutzeit mit Nahrung versorgen kann.

09. Februar 2026|0 Kommentare

Auch dieser Anblick ist für uns neu

Sonntag, 8. Februar, 2026:

Ein gesättigter Jungfalke aus der vergangenen Brut 2025 , erkenntlich am längs gestreiften, braunen Brustgefieder, besucht seine Geburtsstätte.

In den beiden Jahrzehnten zuvor war der Nachwuchs aus dem Vorjahr längst anderenorts.

Danke, H.K.!

 

08. Februar 2026|0 Kommentare

Ein Heidelberger in den Niederlanden

In Weert, nahe Limburg, NL  hat sich unser Terzel BENJAMIN aus dem Jahrgang 2022  mit der auf den Fotodokumenten deutlich ablesbaren Beringung  S° RC  – erneut verpaart und wird wohl wieder Vater werden.

Das schöne Foto von A.L. – herzlichen Dank! –  zeigt rechts das Weibchen auf der oberen Plattform. Wie A.L. uns schreibt, hatte BENJAMIN im Kasten den Boden „gepflügt“ und will nun an seiner Partnerin vorbei das Weite suchen.

07. Februar 2026|2 Kommentare

Wir warten auf die Balz.

Die Balzsaison 2026 wird mit einer sorgfältigen Prüfung des zukünftigen „Kinderzimmers“ beginnen:

Wenn es keine neue Verpaarung geben sollte, wird RUPERT als Terzel – für unsere neuen Gäste: der männliche Falke –  dem Weibchen LISELOTTE den bewährten, inzwischen traditionellen – Nistplatz  aus dem Jahr 1999 im Turm der Heiliggeistkirche anbieten.

Er wird sie mit kleinen „Brautgeschenken“ , also Beuteresten, zur Kirche, zum Nistkasten locken. Denn die Falkenweibchen bestimmen das zukünftige Geschehen!

(Wir denken: Das ist doch nicht notwendig, LISELOTTE ist doch seit 2023 Revierbesitzerin, sie kennt doch das ALLES längst! Ist das notwendig?)

Ja, es ist ein notwendiges Ritual!

LISELOTTE vergewissert sich in den nächsten Wochen, ob ihr Nistplatz auch 2026 passend ist und ob ihr Partner geeignet ist, sie und den Nachwuchs in diesem Jahr während der Brut und Aufzucht zu versorgen. (Es ist durchaus möglich, dass ein neues, stärkeres Falkenweibchen LISELOTTE verdrängt, oder ein neuer Terzel auftritt!)

Ob hier, mit diesem höchst erfolgreichen Nistkasten, weitere Nistplätze angeboten und geprüft werden? Auch das ist möglich!

Ganz nah, auf gleicher Höhe, mit noch besserer Aussicht, gibt es einige – mit unseren Menschenaugen bewertet – gut geeignete Nischen in der Nordfront der Schlossruine!

Zuletzt, vor unserem Projekt, brüteten 1953 letztmals Wanderfalken  an der Südseite der Schlossruine im „Krautturm“, dessen abgesprengte Wand  halb im Burggraben liegt. (Heute wird dieses Bruchstück jeden Tag hundertfach von Touristen fotografiert.)

Ob RUPERT seine Partnerin auch zu solchen geeigneten Plätzen in der Schlossruine leitet? Wir wissen es nicht.

Wir hoffen beide Falken gemeinsam wieder in diesem Nistkasten zu sehen!

Sowohl RUPERT, wie auch LISELOTTE  prüfen – nach ihrem Balzritual im Kasten – einzeln die Seitenwände und Decke mit den Augen und mit Schnabel und Fängen den Untergrund: Sie“pflügen“ geradezu mit dem Schnabel ringsum den Sand. Beide legen sich auch flach mit der Brust in den Untergrund und schieben mit den Fängen  den Sand nach hinten. Wir nennen das „Probe sitzen“.  In eine flache Grube wird LISELOTTE dann Anfang März die Eier legen.

Das „Nest“ wird bei den Falken nicht mit isolierenden Federn oder Pflanzenmaterial gepolstert. Sie brüten auf „nacktem“ Boden.

31. Januar 2026|0 Kommentare
Mehr Beiträge laden
Nach oben