Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Taubenbesuch am Abend
Abendlicher Blick in die „Höhle des Löwen“!
Danke M.H.!

Noch etwa eine Woche Geduld!
Wenn ich richtig gezählt habe, sind wir heute etwa am 23. oder 24.Tag der Brutzeit, die in diesem Jahr in ziemlicher Kälte stattfand.
In den Eiern haben sich die befruchteten Eizellen längst zu Embryonen verwandelt. Der Nachwuchs ist inzwischen fast ausgereift und nahezu vollständig entwickelt!
Nun dreht sich der Embryo bald in die richtige Position, um die Eischale demnächst zu sprengen. Ein recht komplizierter Ablauf!

Etwa um den 26. Tag der Brutzeit, 2025 etwa am kommenden Wochenende, wird der Embryo den Kopf nach rechts unten unter den rechten Flügelstummel drehen, so dass der Schnabel in Richtung der Luftkammer zeigt. (Die Luftkammer kennen wir aus dem hart gekochten Hühnerei.) Der Schnabel drückt so bereits dann gegen die Membran, die den Embryo noch von der Luftkammer trennt. So bewegt sich der Embryo allmählich in die Schlupfposition:
Der große Kopf wird am stumpfen Ende des Eies liegen und die Beine können sich in Richtung spitzes Ende strecken. (Dazu fehlt ihnen jetzt noch die Kraft.) Läge der Kopf im spitzen Ende des Eies, könnte der “Eizahn” auf dem Oberschnabel die Schale nicht am “Äquator” öffnen. In den letzten Tagen vor dem Schlupf ruht das Küken und sammelt seine Kräfte im Nackenmuskel, der die Schalenhälften beim Schlupf auseinander drücken muss. Seine Nahrung, die ihm im Dottersack mitgegeben wurde, hat der Embryo bereits nahezu aufgebraucht, der Kalk für seine zarten Knöchelchen kam aus der Eischale, die nun allmählich dünner geworden ist.
(Wir Älteren erinnern uns an die 196o-er/1970-er Jahre, als Pestizide in der Nahrungskette der Greifvögel deren Eischalen so dünn werden ließ, dass diese unter dem Gewicht der brütenden Eltern zerbrachen.)
Kalter Wind aus dem Osten

Bei dem brütenden RUPERT sträubt sich heute das Gefieder gegen den eindringendenWind. Federn werden im Kasten aufgewirbelt.
Oben im „Falkenzimmer“ des Turms bin ich immer über den Temperaturunterschied im Vergleich zum Marktplatz unten überrascht. Im Winter ist es dort oben kälter, im Sommer (Sonneneinstrahlung auf das schwarze Schieferdach) heißer als unten! Als ich vor zwei Jahrzehnten dort oben oft längere Zeit am Nistkasten stand, habe ich oft jämmerlich gefroren und auch oft sehr geschwitzt. Dann half natürlich, unten angekommen, – in/vor der MAX-Bar am Marktplatz ein heißer Tee oder ein kalter Drink! „Nun haben Sie sich doch nicht so! Es doch heute gar nicht so kalt/heiß“, wunderten sich dann die Menschen am Nachbartisch über mich.
Wir beobachten deshalb seit 25 Jahren, dass die Falken – wenn sie von der Nistkasten-Anflugstange zu einem Jagdflug starten – flugs zur Schleuse fliegen, sich dort den Wind stellen und sich in engen, dann immer größer werdenden Kreisen vom Wind, wie in einem Fahrstuhl nach oben tragen lassen, bis sie dann – oft nach Minuten – als winziger Punkt über „alle Berge davon“ sind.Dominanz des Falkenweibchens
Rechts sehen wir LISELOTTE eintreten, links verschwindet RUPERT.
Danke, M.H.!

Beuteübergabe am 30. März
Ich kann nicht erkennen, welcher Vogel erbeutet wurde.
NACHTRAG:
DANKE für die Kommentare! Es handelt sich um einen Star!
Danke, M.H.!


Falkenalltag
Danke, K.!
„Könnte man die Wanderfalkeneier auch essen?“
Oh! Eine ungewöhnliche Frage aus Kindermund! (schriftlich eingereicht)
Ernst gemeint oder will man mich testen? (Das Foto meines Frühstücksei in meinem Tagebuch vom 8.März 2025 hat wohl diese Frage provoziert.)
Mit mürrisch-ungläubigen Blick würde ich mündlich antworten: „Im Prinzip ja, aber da bekämst Du großen Ärger! Nicht nur mit mir!“
Ich habe in meinen Unterlagen gesucht:
Am 25. Mai 2005 konnte ich ein Restei aus dem Nistkasten bergen. Ich sandte das Ei, wie damals alle aus baden-württembergischen Horsten geborgenen Resteier, über die AGW Baden-Württemberg (Fr.Schilling+) an das Pharmakologische Institut der Universität Freiburg i.Br. Dort wurde der Inhalt aufwändig auf Rückstände überprüft. (Ich erfuhr nicht, ob dieses Ei unbefruchtet war oder ob ggf. der Embryo sich nicht entwickelt hatte.)
Ich erfuhr allerdings bei der nachfolgenden Jahrestagung der AGW, dass die Messwerte dieser Resteier so hohe Rückstände an Derivaten von Pestiziden, Fungiziden etc. aus der Nahrungskette der Falken aufwiesen, dass diese Eier z.B. – ! – “ nicht zur Nahrungsaufnahme für den Menschen“ geeignet wären.
Auf die Idee, aus Wanderfalkeneier z.B. ein Omelett zu machen, kommt wohl niemand, mein liebes Kind!
Aber:
Der Naturforscher Charles Darwin (1809-1882), dem wir u.a. die Erkenntnis der Evolution verdanken, gehörte als junger Mann in London einem elitären Club junger Männer an, die sich das Ziel gesetzt hatten, jedes Lebewesen einmal auf dem Teller zur Mahlzeit gehabt und verspeist zu haben. (So etwas gibt es wohl nur in England!) Irgendwo in seinen Aufzeichnungen kann man lesen, es hätte „Eule“ zum Diner im Club gegeben.)
Unterbrechen des Brütens
Und wieder einmal gewährt uns LISELOTTE einen Blick auf das Gelege, weil ihr das „Steinchen-ziehen“ wichtig war.

Alle gut geborgen?
Wir können beobachten, wie sich die brütenden Falken oft -umständlich für unsere Augen – bemühen, die drei Eier in die Brutflecken ihres Bauchgefieders einzurütteln. in den Vorjahren hatten die Eltern jedoch meist vier Eier zu „heizen“!
Das ist ihnen immer gelungen.
Danke, M.H. und an andere!
Begehrliche Blicke
richteten sich gewiss auf die hübsche Mauserfeder, die zunächst in der Mitte, nun im vorderen Teil des Nistkastens liegt.
Ich konnte in den beiden letzten Jahrzehnten noch einige Mauserfedern dem Kasten nach Brut und Aufzucht entnehmen:

Ich vermute – als Laie! – , dass diese Feder, die nun vorn im Kasten liegt, von LISELOTTE stammt, denn die Wanderfalkenweibchen beginnen mit der jährlichen Mauser ( Erneuerung des Gefieders) drei bis fünf Wochen vor den Terzeln.
Es wäre bei einem Vogel, der seine Nahrung im Flug erbeutet, unmöglich, alle seine Federn in kurzer Zeit abzuwerfen und einige Zeit zu Fuß unterwegs zu sein. (Ja, bei manchem Wassergeflügel geschieht das !) In den kommenden Wochen, wenn LISELOTTE nun täglich viele Stunden auf dem Gelege brütet und die Küken hudert, kann sie nicht zeitraubend für sich selbst und dann für die Küken auf die Jagd fliegen! „It takes two to tango!“, sagt man im Englischen, LISELOTTE und der Nachwuchs sind für eine lange Zeit von der Nahrungszufuhr durch RUPERT abhängig!
Nach der Eiablage konnte LISELOTTE sofort mit der Mauser beginnen, RUPERT wird erst gegen Mitte/Ende April mit dem Abwerfen der alten Federn und Nachschieben der neuen beginnen. Nur in dem sehr schönen französischen Buch s.u. fand ich als Laie die charakteristische Abfolge der Mauser bei einem Wanderfalkenweibchen dargestellt:
Im Flügel stehen die Zahlen der Federn der für den Flug besonders wichtigen Handschwingen, darunter zeigen die Pfeile die Abfolge der Mauser. Sie beginnt in der Mitte bei meinem roten Pfeil. Da die die ersten 5 Federn der Außenhand 2 bis 5 cm länger sind als jene nach innen, wird sich bald bei LISELOTTE dort eine charakteristische Einbuchtung zeigen, wenn sie ihren Flügel ausbreitet.
Die Federn des Stoßes mausern von der Mitte ausgehend nach außen.
Bei den ausgeflogenen Jungfalken sind die Federn der Hand-und Armschwingen, sowie des Stoßes, zwei bis drei cm länger (!) als später – etwa mit 18 Monaten – im Alterskleid.
Kopie aus R-J. Monneret „Le faucon pèlerin“, Paris 2017

LISELOTTE beim Steinchen-ziehen
Danke, M.H.!


Das Gelege am 21. März 2025
Danke L.Sch!

Zweisamkeit in Zeitlupe
Oft denke ich:“ Same procedure as every year!“ – es kann mich hier doch NICHTS mehr überraschen! Ich kenne das „Jahr der Falken“. Heute werde ich, wieder einmal – wie erfreulich! -über unbekanntes Verhalten belehrt.
DAS IST NEU!
Unser Blick geht immer wieder – ungläubig – auf die Zeitmessung in der oberen Leiste: Das ist kein Foto, RUPERT & LISELOTTE stehen heute wie in Trance dicht beieinander!
Wir kennen solche Treffen aus der Balz im Frühjahr, da geschehen sie in großer Eile und der Terzel geht dem Weibchen – nach seiner Einladung an den Nistplatz – eilig aus dem Weg und verlässt nach wenigen Sekunden, fast furchtsam, den Kasten.
Nie in 25 Jahren sahen wir das Paar Ende Juni gemeinsam im Kasten!
Das Thermometer zeigt heute z.Zt. im Schatten 28° C, dort oben ist es jetzt noch heißer! Warum treffen sich die beiden nicht drüben in der Schlossruine an einem schattigen Ort?Warum stehen sie solange in diesem Backofen?
Ein merkwürdiges, sonderbares Verhalten zur falschen Zeit, ich kann es nicht erklären.
Danke, S.F und für weitere Meldungen!
Ein Bild wie im März
Seltsam! Das Paar „turtelt“, als wäre im Juni Balzzeit!
Danke, H.K.!

Wie sieht es hinter dem Nistkasten eigentlich aus?
Mich erreicht die Anfrage, wie es dort oben um den Kasten aussieht.
Dort ist es eng, halbdunkel, im Winter kalt, im Sommer heiß! Der Wind bläst viel Staub in denTurm.
Über den Köpfen der Putztruppe steht auf zwei Balken der schwere Nistkasten, dessen Ausgang ins Freie links liegt. Die Leiter zur Kastenklappe ist links zu erkennen.
An der Kastenwand ist über dem Warnschild mit dem roten Kreis die Klappe zu erkennen, die wir nach oben hochziehen, und mit einer Schnur befestigen. Durch diese Öffnung greifen wir in das Innere, um z.B. die Küken zur Beringung zu greifen oder den Nistkasten zu reinigen.
Manchmal ist es günstig, wenn man, wie ich, klein und gelenkig ist:
Das untere Foto stammt aus dem Jahr 2011, als ich – Donnerwetter! – zum Malen und Reinigen in den Nistkasten kroch! In der Rückwand entdecke ich auf dem 14 Jahre alten Foto die Glasscheibe, hinter der die damalige Cam 1, groß und schwer, im Turminneren befestigt war.
2025

2011
Restei vorhanden und geborgen
Wir haben es nicht vergessen!
Als wir heute vormittag den Nistkasten öffneten, lag in der vorderen Ecke unter dem Federnmüll noch das 3.Ei, das LISELOTTE nachts am 16. März, mit einer Woche Verspätung, gelegt hatte! Schon damals war es fraglich, ob noch darus ein drittes Küken schlüpfen könne.
Erfreulicherweise habe ich bereits damals eine kleine, ausgepolsterte Plastikdose für die heutige Gelegenheit vorbereitet und heute Vormittag zur Hand.
Das Restei wird nun an Dr. Daniel Schmidt, Leiter des NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen , gesandt werden. Es wird geöffnet und untersucht werden:
War es befruchtet? Sind Rückstände von Pestiziden o.ä. aus der Nahrung von LISELOTTE festzustellen?
Leider war ich heute am Nistkasten zu beschäftigt, um ein Foto vom Restei in seiner hübschen Verpackung zu machen.
Deshalb ein Foto der fleißigen Akteure die zwei Stunden lang eine unangenehme und mühsame Arbeit leisteten:
von links:
Günther Str., NABU-HD Vors. & Pate Andreas K., Naturschutzbeauftragter HD & Pate Karl-Friedrich R. und Tagebuchschreiber & „Falkenzimmer“-Hausmeister Hans-Martin Gäng
r
G
Nanu? Wer macht sich da an den Nistkasten ran?
Als wir heute um 9.25 Uhr , aus wichtigem Grund, den Nistkasten öffneten, wurde das sofort bemerkt. Es tut sich zur Zeit etwas auch außen, es herrscht reger Flugverkehr und Falken sind dauernd am und um den Turm.
Danke, D.B.!

Oder sehen wir ein neues Falkenweibchen?
Danke S.F.!