Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Kurze Balz am 26. März, wie im „Drehbuch“vorgesehen
RUPERT lädt LISELOTTE in der Nistkasten, es folgt das in „Gängs Tagebuch“ oft ausführlich beschriebene Ritual.
Siehe „Gängs Tagebuch Archiv“!
RUPERT, „flüchtet“, LISELOTTE verbleibt noch einige Zeit im Kasten …
Danke, M.H.!


Idylle am Abend

Danke, H.Sch.!
RUPERT versorgt LISELOTTE
Erfreulicherweise fliegt sie mit der großen Beute ab, um diese an anderer Stelle zu kröpfen. So bleibt der Nistkasten noch frei von Federn.
Danke, M.H.!


RUPERT lockt eine nasse LISELOTTE
RUPERT, im Nistkasten, lockt mit einer kleinen „Morgengabe“eine durchnässte LISELOTTE in den Kasten.

Danke, D.B.!
RUPERT, patschnass
Danke, M.H.!

RUPERT noch solo unterwegs
Danke M.H.!

RUPERT räumt auf

Diese Besuche bieten Gelegenheit, sich die seitliche Kopf- und Halspartie des Besuchers einzuprägen, an denen die Falken individuell zu erkennen sind. Die Bearbeitung des Bodens gehört zu den vorbereitenden Aufgaben.
Danke, M.H.!
RUPERT, wie in den Vorjahren
Er übernachtet wieder in der traditionellen Nordwestecke.
Danke, A. Sch.!

DAS macht uns Freude: Das Paar im Nistkasten
Danke, D.B.!


„Liebe“? Nein, Balz erscheint uns als als eine drohende Annäherung.
Die Balz im Kasteninneren ist ein notwendiger hoch ritualisierter Vorgang, auch wenn beide sich individuell kennen und mit dem Nistkasten auf Heiliggeist bereits seit 2024 vertraut sind.
RUPERT zeigt, sobald er LISELOTTE erblickt, den Ort an, den er zum Brüten und zur Aufzucht des Nachwuchses vorschlägt. Darüber entscheidet – wen wundert es? – LISELOTTE! Auch wenn die beiden in den beiden vergangenen Jahren jeweils Eltern von zwei Küken wurden, so verläuft die Anbahnung ihrer „Hochzeit“ auch 2026 nach einem strengen Ritual, das wir bei den vorausgegangenen Bruten ihrer Vorgänger seit 26 Jahren (!) staunend beobachten konnten.
Wie wird das –
auch 2026 – ablaufen?
Zunächst stürzt der kleinere Terzel –RUPERT – mit aufgeregten Lauten, etwa „Ack-Zick – Ock-Zick- I-Tchipp“, in den Nistkasten, gefolgt von LISELOTTE. (Diese erscheint uns durch die ihr nahe Cam 2 dann als besonders groß, das täuscht uns.)
Terzel RUPERT bezieht sofort Position an der Rückwand des Nistkastens und streckt sich nach vorn in eine waagrechte Position, sein Schnabel reicht fast bis zum Boden. So stehen sich beide Falken, heftig Laut gebend, aufgeregt gegenüber! Erst nach einigen Sekunden beruhigen sie sich und der Terzel „flieht“ geradezu rasch nach außen. Das Weibchen LISELOTTE bleibt zurück und beruhigt sich rasch.
Ich empfehle unseren neuen Gästen, dass Sie bei einem weiteren Besuch der beiden den Eintritt von LISELOTTE über Cam 1 beobachten, denn der Auftritt der weiblichen Falken ist spektakulär: LISELOTTE schreitet in einem wiegenden Pendelschritt – „tippy-toe gait“ -, nennen es die englischsprachigen Fachleute ( auf Zehenspitzen gehend) geradezu drohend auf ZEPHYR zu. Ihr Federkleid halten beide Falken eher locker gesträubt, sie machen sich groß, etwas hängende Flügel wären eher kindliche Signale.
Beide stehen sich nun sekundenlang, hoch erregt zirpend, tief gebeugt gegenüber. Oft berühren sich in dieser tief gestreckten Position ihre Schnäbel, als würden sie knabbern. Für unsere Augen fühlt sich RUPERT durch die pendelnd auf ihn zu schreitende LISELOTTE – „Paradeschritt“ schreiben Fachleute – bedrängt und – husch! – flitzt er bald, meist auf der rechten Seite (von uns gesehen), an dem größeren, stärkeren Weibchen vorbei und entflieht.
LISELOTTE beruhigt sich dann schnell, richtet sich auf, glättet ihr Gefieder, piepst vielleicht noch etwas und besichtigt das Kasteninnere.
Nun folgt oft das Bearbeiten des Untergrunds: Steinchen ziehen, Steinchen fressen, Boden mit dem Schnabel „pflügen“, Gefieder pflegen und schließlich Abflug. Das sehen wir auch bei RUPERT, wenn er allein im Kasten ist.
Nein, das Ritual hat nichts mit unserem menschlichen „Balzverhalten“ – also Liebe- zu tun! Wir sehen dominantes Auftreten und gleichzeitig besänftigende Signale („Scheinfüttern“) bei beiden.
Die fliegende Balz der beiden außen in der Luft können wir nicht zeigen. Hierbei „prüft“ LISELOTTE , ob ihr Partner sie und den Nachwuchs während der Brutzeit mit Nahrung versorgen kann.
Auch dieser Anblick ist für uns neu
Sonntag, 8. Februar, 2026:
Ein gesättigter Jungfalke aus der vergangenen Brut 2025 , erkenntlich am längs gestreiften, braunen Brustgefieder, besucht seine Geburtsstätte.
In den beiden Jahrzehnten zuvor war der Nachwuchs aus dem Vorjahr längst anderenorts.
Danke, H.K.!

Ein Heidelberger in den Niederlanden
In Weert, nahe Limburg, NL hat sich unser Terzel BENJAMIN aus dem Jahrgang 2022 mit der auf den Fotodokumenten deutlich ablesbaren Beringung S° RC – erneut verpaart und wird wohl wieder Vater werden.
Das schöne Foto von A.L. – herzlichen Dank! – zeigt rechts das Weibchen auf der oberen Plattform. Wie A.L. uns schreibt, hatte BENJAMIN im Kasten den Boden „gepflügt“ und will nun an seiner Partnerin vorbei das Weite suchen.

Brutwechsel
Danke, D.B.!
Schlupf steht bevor!
Oh, wie schön, dass die Natur meine Berechnungen – wieder einmal – korrigiert!
Deutlich zu erkennen: Zwei Eier sind bereits mit „Pick“ geöffnet.
Danke, D.B., M.H. und andere!

Nun freuen wir uns auf die kommende Woche
In der Mitte oder gegen Ende der kommenden 16. Kalenderwoche 2026 hoffen wir, das erste – vielleicht auch schon das zweite – Küken zu erblicken.
Bereits am 30.März habe ich hier notiert, dass sich das Küken in den letzten Tagen vor dem Schlupf in die geeignete Position im Ei dreht. Der Körper liegt schon heute im dickeren Ende der Schale, das Schnäbelchen also etwa in der Mitte am – „Äquator“- des Eies. Vor dem Schlupf durchbricht der Schnabel des Kükens die Membran zur Luftkammer und das Küken kann dann erstmals atmen. Wenn dann der Sauerstoffvorrat zu Ende geht, bewegt das Küken die Nacken- und Beinmuskeln. Es streckt sich und bewegt sich etwas. Dabei durchlöchert der “Eizahn” auf dem Oberschnabel des Kükens die Eischale mehrfach – quasi am Äquator – von innen. (Das ist selbstverständlich kein Zahn, sondern eine winzige, aber spitze Ausstülpung, – wirkt aber wie ein „Dosenöffner.“ Die kleine Spitze, die einem Zahn ähnelt, bildet sich nach dem Schlupf schnell zurück.)
Wir sehen, wenn wir Glück bei einer Drehung der brütenden LISELOTTE haben, dann eine kleine Öffnung den -„Pick!“ – (völlig falsches Wort! Das Loch wurde gedrückt, nicht gepickt.) Wir ahnen dann, dass dieses Ei bald in zwei Hälften auseinander gedrückt werden wird. Dazu muss das Küken innen weitere „Picks“ um die „Äquatorlinie“ drücken, damit sich die Schale in zwei Hälften teilt. (Wir werden dann an den Schalenresten sehen, dass die Schale an der richtigen Stelle zerteilt/aufgebrochen wurde.) Als letzter Kraftakt drückt das Küken mit Nackenmuskeln und Beinchen die spitze Schalenhälfte weg. Eine Eischale ist von außen sehr robust, von innen aber für das Küken leicht zu öffnen.
Plumps! Da liegt das kleines feuchtes Lebewesen! Es verschwindet sofort unter der wärmenden Mutter.
Nun kann das Küken erstmals die Heidelberger Luft atmen! Verpasst das Küken diesen Zeitpunkt, erstickt es. (Das habe ich im Jahr 2000 beim ersten Schlupf oben am Kasten, durch ein „Spionloch“spähend traurig miterlebt.) Vor einigen Jahren konnten wir mit Freude in einem Videomitschnitt – während einer Atzung (Fütterung) der bereits geschlüpften beiden Küken – im Hintergrund miterleben, wie das dritte Küken schlüpfte!
LISELOTTE unterstützt keineswegs diese “Flucht aus dem Ei”, beantwortet jedoch manchmal das leise Piepsen aus dem Ei mit aufmunternden “Ack-Zick”-Lauten. (Es gibt Berichte, dass bereits vor dem Schlupf Mutter und Kinder miteinander akustisch kommunizieren. Das könnte vielleicht über unsere sensiblen Mikrophone von Cam 1 und Cam 2 zu hören sein? Das feuchte, rosige und völlig erschöpft liegende Etwas wird unter der wärmenden Mutter sehr schnell getrocknet und sieht bereits nach wenigen Minuten als schneeweißes wolliges Kleinkind – na, ja! – irgendwie “süß” aus!
(Das “Kindchenschema” der Verhaltensforscher I.Eibl-Eibesfeld & K.Lorenz lässt grüßen!)
Brutwechsel am 8. April
Vermutlich dauert es noch eine Woche bis zum Schlupf des ersten Kükens.
Danke, M.H.!


Erinnerung beim Frühstück
Vor einigen Jahren erreichte mich die nahe liegende Kinderfrage, ob die Eier des Wanderfalken – „Entschuldigung, Herr Gäng!“- eventuell für uns Menschen „essbar“ wären!
Am 25. Mai 2005 konnten wir, wie 2025, ein Restei aus dem Nistkasten bergen. Wir sandten das Ei, wie damals alle aus baden-württembergischen Horsten geborgenen Resteier, über die AGW Baden-Württemberg (Fr.Schilling+) an das Pharmakologische Institut der Universität Freiburg i.Br. Dort wurde der Inhalt aufwändig auf Rückstände überprüft. (Ich erfuhr nicht, ob dieses Ei unbefruchtet war oder ob ggf. der Embryo sich nicht entwickelt hatte.)
Ich erfuhr allerdings bei der nachfolgenden Jahrestagung der AGW, dass die Messwerte dieser Resteier so hohe Rückstände an Derivaten von Pestiziden, Fungiziden etc. aus der Nahrungskette der Falken aufwiesen, dass diese Eier deshalb z.B. – ! – “ nicht zur Nahrungsaufnahme für den Menschen“ geeignet wären.
Auf die Idee, aus Wanderfalkeneier z.B. ein Omelett zu machen, kommt wohl niemand, denkt man.
Von wegen!
Der Naturforscher Charles Darwin (1809-1882), dem wir u.a. die Erkenntnisse zur Evolution verdanken, gehörte als junger Mann in London einem elitären Club junger Männer an, die sich das Ziel gesetzt hatten, jedes Tier einmal auf dem Teller zur Mahlzeit gehabt und verspeist zu haben. (Solche Ideen gibt es wohl nur in England! In Kreisen, in denen man nicht gezwungen ist für seinen Lebensunterhalt einen Beruf zu haben. Darwin lebte vom Vermögen seines Vaters.)
Irgendwo in Darwins Aufzeichnungen kann man lesen, es hätte „Eule“ zum Diner im Club gegeben.)
Wann sehen wir das erste Küken?
Auf den ersten Schlupf warten jedes Jahr unsere Besucher. Anfragen erreichen mich auch in diesem Jahr. Trotz unserer, nun 26 Jahre zurück reichenden Statistiken, bin ich dieses Jahr besonders neugierig.
Die Fachbücher schreiben, die Brut beginne erst nach der Ablage des zweitletzten Eies, also etwa am 9. März 2026. Wir haben aber in diesem Jahr beobachtet, dass LISELOTTE bereits nach der Ablage des ersten Eies am 6. März „fest saß“, es sah für uns (!) aus, als würde sie bereits brüten.
Ein Blick in unsere Datensammlung (DANK an E.S.!) zeigt, dass der erste Schlupf hier 38 bis 40 Tage nach der Ablage des ersten Eies erfolgte. Das wäre 2026 also etwa Mitte April in KW 16!
Wir sind gespannt!
Heute ist der 25. Tag nach Ablage des ersten Eies in einer Brutzeit, die in diesem Jahr in ziemlicher Kälte stattfand. Ich zitiere aus meinen Tagebucheinträgen der Vorjahre:
„In den Eiern haben sich die befruchteten Eizellen längst zu Embryonen verwandelt. Der Nachwuchs ist inzwischen fast ausgereift und nahezu vollständig entwickelt!
Nun dreht sich der Embryo bald in die richtige Position, um die Eischale demnächst zu sprengen. Ein recht komplizierter Ablauf!

Etwa um den 26. Tag der Brutzeit wird der Embryo den Kopf nach rechts unten unter den rechten Flügelstummel drehen, so dass der Schnabel in Richtung der Luftkammer zeigt. (Die Luftkammer kennen wir aus dem hart gekochten Hühnerei.) Der Schnabel drückt so bereits dann gegen die Membran, die den Embryo noch von der Luftkammer trennt. So bewegt sich der Embryo allmählich in die Schlupfposition:
Der große Kopf wird am stumpfen Ende des Eies liegen und die Beine können sich in Richtung spitzes Ende strecken. (Dazu fehlt ihnen jetzt noch die Kraft.) Läge der Kopf im spitzen Ende des Eies, könnte der “Eizahn” auf dem Oberschnabel die Schale nicht am “Äquator” öffnen. In den letzten Tagen vor dem Schlupf ruht das Küken und sammelt seine Kräfte im Nackenmuskel, der die Schalenhälften beim Schlupf auseinander drücken muss. Seine Nahrung, die ihm im Dottersack mitgegeben wurde, hat der Embryo bereits nahezu aufgebraucht, der Kalk für seine zarten Knöchelchen kam aus der Eischale, die nun allmählich dünner geworden ist.
(Wir Älteren erinnern uns an die 196o-er/1970-er Jahre, als Pestizide in der Nahrungskette der Greifvögel deren Eischalen so dünn werden ließ, dass diese unter dem Gewicht der brütenden Eltern zerbrachen.)“