Brutwechsel am 13.April
ZEPHYR geht, LISELOTTE übernimmt.
Danke, M.H.!

ZEPHYR geht, LISELOTTE übernimmt.
Danke, M.H.!

Wir erinnern uns schmunzelnd an dieses Spiel „Hänschen, piep mal!“ beim Kindergeburtstag. DAS könnten wir JETZT auch den Küken in ihrer Schale zurufen. In meiner Erinnerung steckt ein wahrer Kern! LISELOTTE und die Küken kommunizieren – wie man heute sagt – bereits akustisch miteinander. (ICH nehme mir nicht die Zeit das zu überprüfen, vielleicht versucht das jemand aus unserer Gästerunde und berichtet? Cam 2 und Lautstärke erhöhen?) Die Fachliteratur berichtet, dass brütende Falken in den Tagen vor dem Schlupf Laute äußern, wenn ihr Partner nicht anwesend ist und dass man zarte Laute aus den Eiern vernehmen könnte …
Die Zugriffszahl auf unsere beiden Kameras, die das Innere des Nestkastens übertragen, steigt nun täglich. (Die Hinweise auf bereits geschlüpfte Küken in anderen Nistkästen häufen sich .) Auch unsere Küken drehen sich in den letzten Tagen vor dem Schlupf in die geeignete Position um die Eischale zu sprengen: Der Körper liegt nun im dickeren Ende, das Schnäbelchen also dann etwa in der Mitte – „Äquator“- des Eies.
Vor dem Schlupf durchbricht der Schnabel des Kükens die Membran zur Luftkammer und das Küken kann dann erstmals atmen. Wenn dann der Sauerstoffvorrat zu Ende geht, bewegt das Küken die Nacken- und Beinmuskeln. So durchlöchert der “Eizahn” auf dem Oberschnabel des Kükens die Eischale mehrfach – quasi am Äquator – von innen. (Das ist selbstverständlich kein Zahn, sondern eine winzige, aber spitze Ausstülpung der Hornschicht,- wirkt aber wie ein „Dosenöffner.“ Sie bildet sich nach dem Schlupf schnell zurück.)
Wir sehen, wenn wir Glück haben, dann eine kleine Öffnung den -„Pick!“ – (völlig falsches Wort!) und ahnen dann, dass dieses Ei bald in zwei Hälften auseinander gedrückt werden wird. Dazu muss das Küken innen weitere „Picks“ um die „Äquatorlinie“ drücken, damit sich die Schale in zwei Hälften teilt. (Wir werden dann an den Schalenresten sehen, dass die Schale an der richtigen Stelle zerteilt/aufgebrochen wurde.) Als letzter Kraftakt drückt das Küken mit Nackenmuskeln und Beinchen die spitze Schalenhälfte weg.
Der Zeitpunkt wird vom Sauerstoffbedarf des Kükens bestimmt, also dann, wenn seine aktive Atmung einsetzt! (Wie wird so etwas gesteuert? Es gibt so Vieles, was wir Laien nicht wissen.)
Dann kann das Küken erstmals die Heidelberger Luft atmen! Verpasst das Küken diesen Zeitpunkt, erstickt es.
LISELOTTE wird keineswegs diese “Flucht aus dem Ei” unterstützen, beantwortet jedoch manchmal das leise Piepsen aus dem Ei mit aufmunternden “Ack-Zick”-Lauten. Das feuchte, rosige und völlig erschöpft liegende Etwas wird unter der wärmenden Mutter sehr schnell getrocknet und sieht bereits nach wenigen Minuten als schneeweißes wolliges Kleinkind – na, ja! – irgendwie “süß” aus!
(Das “Kindchenschema” der Verhaltensforscher I. Eibl-Eibesfeld & K .Lorenz lässt grüßen!)
Danke K.!
In Italien und auch in Deutschland sind die ersten Küken dieser Saison geschlüpft. WIR konzentrieren uns auf die Heidelberger Wanderfalken und können nicht über andere Nistplätze berichten. Aber wir zählen die Abstände der Legedaten und wissen, dass es nun auch bald hier so weit sein wird!
LISELOTTE ruft nach Abwechslung beim Brüten!
Danke, M.H.!

Danke, S.F.!
In den Eiern haben sich die befruchteten Eizellen zu Embryonen verwandelt. Der Nachwuchs in den Eiern ist – heute am 23. Tag nach der Ablage des dritten Ei (Brutbeginn) – inzwischen fast ausgereift und nahezu vollständig entwickelt!
Bereits um den 21. Tag der Brutzeit dreht sich der Embryo in die richtige Position, um die Eischale demnächst zu sprengen. Etwa um den 26. Tag der Brutzeit, 2023 etwa am 11. April, wird der Embryo den Kopf nach rechts unten unter den rechten Flügelstummel drehen, so dass der Schnabel in Richtung der Luftkammer zeigt. (Die Luftkammer kennen wir aus dem hart gekochten Hühnerei.) Der Schnabel drückt so bereits dann gegen die Membran, die den Embryo noch von der Luftkammer trennt. So bewegt sich der Embryo allmählich in die Schlupfposition:
Der große Kopf wird am stumpfen Ende des Eies liegen und die Beine können sich in Richtung spitzes Ende strecken. (Dazu fehlt ihnen jetzt noch die Kraft.) Läge der Kopf im spitzen Ende des Eies, könnte der “Eizahn” auf dem Oberschnabel die Schale nicht am “Äquator” öffnen. In den letzten Tagen vor dem Schlupf ruht das Küken und sammelt seine Kräfte im Nackenmuskel, der die Schalenhälften beim Schlupf auseinander drücken muss. Seine Nahrung, die ihm im Dottersack mitgegeben wurde, hat der Embryo bereits nahezu aufgebraucht, der Kalk für seine zarten Knöchelchen kam aus der Eischale, die nun allmählich dünner geworden ist.
(Wir Ältere erinnern uns schaudernd an die 196o-er/1970-er Jahre, als Pestizide in der Nahrungskette der Greifvögel deren Eischalen so dünn werden ließ, dass diese unter dem Gewicht der brütenden Eltern zerbrachen.)
Der Weg von der befruchteten Eizelle zu einem Lebewesen, – hier bald zu einem winzigen weißen Piepmatz, ist für uns Miterlebende jedes Jahr ein wunderbares Erlebnis!
erlebten wir bereits am 8. April den ersten Schlupf! Dieses Jahr erwarten wir das gegen Ende der kommenden Woche.
Die Grundlage unseres Wissens über die Vogelwelt liegt seit dem 19. und 20. Jahrhundert in den riesigen Sammlungen und Beschreibungen von Bälgen, ausgeblasenen Eiern, mit Arsen bestäubten Gefiedern und in Alkohol eingelegten Vögeln in ornithologischen Sammlungen, z.B. in New York, London, Berlin, Senckenberg Museum Frankfurt, Museum Alexander Koenig Bonn, Naumann-Museum, Schloss Köthen, etc.
Die Entstehung solcher Sammlungen ist oft kurios, ich berichte aus dem Buch von Tim Birkhead Birds and us, Penguin Books 2023, S. 232 ff.
Der Bankiersohn Walter Rothschild (1868-1937) kündigte 1875, im zarten Alter von 7 Jahren, seinen Eltern an, er werde beruflich nicht seinem Vater folgen, sondern ein Museum führen. Sein Vater übereignete ihm schließlich den Familiensitz Tring Park, Hertfordshire, dazu 1 Million Pfund (heute etwa 100 Million Pfund) für das sich bis heute erweiternde Naturkundemuseum. Walter, 3. Baron Rothschild, beschäftigte hunderte Forscher, um seltene Vögel weltweit zu finden und zu liefern. Ab 1892 notierte Walter R. mit dem Deutschen Kurator Ernst Hartert seine Erkenntnisse. Der berühmte Vogelmaler Keulemans illustrierte die Beschreibungen, z. B. der höchst seltenen Kasuare aus Neu Guinea und Nordaustralien, von denen 64 lebende Exemplare ! nach Tring geliefert wurden. W.R., E.H. und ein weiterer Kurator lieferten 1 200 Bücher und Artikel, definierten und beschrieben aus ihrer Sammlung von 300 000 Vogelbälgern und 200 000 Eiern 5 000 neue Arten! Sir Walter heiratete nie, “ … but had at least three well-to-do mistresses, the identity of only two of them are known“. Die dritte Geliebte „… known only to be a married ´peeress` ( together with her husband) threatened to make Walter`s affair with her public …“ erpresste ihn über 40 Jahre, bis er ruiniert und gezwungen war, seine Sammlung an das American Museum of Natural History, New York zum Spottpreis von $ 225 000 zu verkaufen, Kurz danach starb 1937 Walter R.
Ornithologie ist unterhaltsam, nicht wahr?
PS. Als vor sieben Jahrzehnten die Bestände des Wanderfalken auf der Nordhalbkugel einbrachen, weil die Eierschalen der Greifvögel immer dünner wurden, konnte man aus solchen Museumsbeständen Zeitreihen von Wanderfalkeneiern messen und auswerten: Je mehr DDT, desto dünner die Schalen. DDT wurde verboten, ein Jahrzehnt zuvor hatten die Entdecker dafür den Nobelpreis Chemie erhalten.
PPS. Und Frauen in der Ornithologie?
Emilie Snethlages (1868 -1929) wurde als eine der ersten Frauen in Deutschland promoviert. Man liest, dass sie in 15 Minuten einen perfekten Kolibri-Balg präparieren konnte. (Kai Spanke in FAZ v. 3. Januar 2023 , S.10)


Charles Darwin, dessen 200. Geburtstag wir am 12. Februar 2009 gefeiert haben, war sehr an gutem Essen interessiert:
„Als Mitglied des Feinschmecker-Clubs in Cambridge, der sich wöchentlich versammelte und danach trachtete, Tiere zu kosten, die man gewöhnlich nicht auf Speisekarten findet, hatte er allerlei seltsame Gerichte probiert, wie Falken und Rohrdommeln. Unter allen jedoch muss die Eule besonders irritierend gewesen sein, durch den `unbeschreibbaren` Geschmack … In Patagonien wagte er sich sogar an ein Gericht mit Puma-Fleisch, das aber eher wie Rind schmeckte. Sein Lieblingsessen waren anscheinend jedoch die Riesenschildkröten, die er auf der James Island, eine der Galapagos-Inseln fand. Nicht weniger als achtundvierzig Stück befanden sich an Bord der Beagle, die Darwin und seine Kameraden nach und nach verzehrten.“
Daniel Birnbaum in der FAZ , S. 29 vom 26.02.2009 und www.faz.net/downhouse
Und: FROHE OSTERTAGE!
Foto: Eierbecher, 19. Jhdt. Frankreich Daraus verzehrt HMG sein Frühstücksei!
