Ich habe mal eine Frage...
Ich versuche mal …
Fragen, deren Antwort man nicht so einfach im Internet oder Büchern findet, zu beantworten!
Ich bin kein Ornithologe, beschäftige mich aber seit 1966 mit dem Schutz wild lebender Wanderfalken und habe dabei hingeschaut, nachgedacht und nachgelesen! Antworten auf allgemeine Fragen zum Wanderfalken findet man auf dieser Seite und den anderen Wanderfalken-Seiten im Internet! (Siehe unsere empfohlenen „links“)
Hans-Martin Gäng
- Warum heißen Wanderfalken WANDERfalken?Seinen wissenschaftlichen Namen Falco peregrinus erhielt er 1771 von Herrn Tunstall, weil vor allem die Jungvögel weit umherstreifen, bis sie ein eigenes Territorium gefunden haben. Die nordamerikanischen Wanderfalken ziehen jährlich vom kalten Norden entlang der Küsten bis in die Karibik, ja bis nach Chile,- und kehren zur Brut wieder zurück! Die im Norden lebenden Wanderfalken sind weltweit Zugvögel und wandern jährlich. AURORA und PHÖNIX sind Standvögel und entfernen sich im Sommer bis zum Februar nicht all zu weit, denn sie haben hier ja ein optimales Revier mit einem sicheren Brutplatz.
- Sind Wanderfalken Turmfalken?
Es gibt Turmfalken (Falco tinnunculus) und Wanderfalken (Falco peregrinus), zwei unterschiedliche Arten!
Beide werden oft miteinander verwechselt. AURORA und PHÖNIX sind Wanderfalken, die auf einem Turm leben! Sie sind keine Turmfalken im ornithologischen Sinn.Es gibt Turmfalken (Falco tinnunculus) und Wanderfalken (Falco peregrinus), zwei unterschiedliche Arten!
Wanderfalke
Foto: Zoller
Turmfalke
Foto: H.W. Grömping - Wie jagt ein Wanderfalke?
Als Greifvogel, der sich ausschließlich von Vögeln ernährt, ist der Wanderfalke darauf angewiesen, dass er seine Beute im Flug erreicht. Das gelingt ihm in der Regel, obwohl seine Hauptbeute - hier bei uns in Heidelberg vor allem Tauben - ebenfalls schnelle und geschickte Flieger sind! Mit ihren seitlich am Kopf positionierten Augen haben sie geradezu einen Rundumblick und „kennen“ ihren Feind! Nur jeder dritte oder vierte Jagdflug ist erfolgreich, eine gut konditionierte „Reisetaube“ wird in den meisten Fällen einem angreifenden Wanderfalken entfliegen! Andererseits bringt der Terzel - wie wir mit Bedauern und selten feststellen - auch Mauersegler, die er in der Luft greift, zum Nistkasten. Und das sind ja geradezu akrobatische Flieger am Heidelberger Himmel!
weiter … - Wie schnell fliegt ein Wanderfalke?
Er ist gewiss einer der schnellsten Flieger. Ich glaube aber nicht - wie es in einigen Quellen steht - dass er im Sturzflug über 300 km/h erreichen kann. Bewiesen sind 186 km/h im Sturzflug, die kürzlich das Radar der Schweizerischen Vogelwarte maß. Dieter Rockenbauch (2002) schätzt 250 km/h, 480 km/h schätzt White et al. (2002). Orton (1975) berechnete - fragt nicht, wie? -, dass Gewicht, Größe und Tropfenform eines senkrecht herabstoßenden Wanderfalken etwa 365 km/h bis 381 km/h erreichen könnte. Tucker et al. (1998) schreiben, die Anziehungskraft könne einen 500 g- Terzel auf 90 m/sec und ein 1 100 g- Weibchen auf 100 m/sec beschleunigen… (Dann könnte ein Steinadler mit 4 000 g - 5 000 g Gewicht also noch schneller herabstürzen, frage ich mich? Kann er aber nicht, macht er nicht, hat noch keiner beobachtet, obwohl der Steinadler doch auch virtuos hinunter stürzt...)
weiter … - Wo sind AURORA und PHÖNIX außerhalb der Brutzeit?Wir vermuten, dass sie beide Standvögel sind und sich nicht all zu weit aus ihrem Territorium entfernen. Denn fast aus jedem Monat außerhalb der Brutzeit (März bis Mai) erhalten wir Rückmeldungen, dass Wanderfalken in Heidelberg beobachtet werden. Oft sitzen sie dann auf dem Kamin der Stadtwerke am Römerkreis in der Weststadt, denn von dort haben sie ideale Sicht in das Neckartal, aber auch entlang der Bergstraße in Nord-Südrichtung der Rheinebene. Von Juni bis Februar sieht man sie nicht auf der Heiliggeistkirche.
- Kommen die jungen Wanderfalken nach Heidelberg zurück?Kann sein! Aber bereits in ihrem zweiten Jahr haben sie ihr Jugendkleid verloren, sehen erwachsen aus und werden von den Wanderfalken des Heidelberger Territoriums AURORA und PHÖNIX als Eindringlinge und Konkurrenz erkannt und verjagt. Solche lautstarken Auseinandersetzungen spielen sich in jedem Frühjahr am Altstadthimmel ab. Es sind die Weibchen, die sich dabei heftig attackieren, die Terzel halten sich dabei eher zurück, habe ich den Eindruck. Zurückkehrende Jungfalken werden im 2. Lebensjahr wohl nicht mehr als „eigene Kinder“ erkannt und „geschont“. Sie müssen sich ein unbesetztes Territorium suchen. Dieses könnte durchaus in der Nähe sein, z.B. in einem anderen Heidelberger Stadtteil. Deshalb haben wir auch in Heidelberg-Handschuhsheim auf der Friedenskirche einen zweiten Nistkasten angeboten.
- Haben Wanderfalken Feinde?Der Uhu, unsere größte Eule, lebt und nistet wie der Wanderfalke in Felswänden, Steinbrüchen und felsigem Gelände. Er ist ein geschickter Jäger, größer und stärker als der Falke. Nachts „pflückt“ er deshalb leicht Wanderfalken von ihren Schlafplätzen und holt sich auch die Jungen aus dem Horst. Seit der Uhu wieder die Steinbrüche entlang der Bergstraße und im Odenwald besiedelt, sind dort die Wanderfalken verschwunden. Der Wanderfalke wird sich daran gewöhnen, dass er dem Uhu weichen muss. In Württemberg hat man schon beobachtet, dass - tagsüber - Wanderfalken den Uhu in Steinbrüchen so „schikaniert“ haben, dass dieser sich ein anderes Revier suchte.
weiter … - Woran sterben Wanderfalken?Der natürliche Hauptfeind ist der Uhu, dann folgt vielleicht der Steinmarder, der ebenfalls Felswände bewohnt. Er frisst das Gelege oder auch Küken, wie ich einmal im Schwarzwald feststellen musste. Salmonellen, H5N1, Parasiten töten Wanderfalken. Beim Kampf um die Reviere töten sich Wanderfalken gelegentlich gegenseitig, so z.B. in Mannheim vor einigen Jahren. Der Mensch ist die größte Gefahr für den Wanderfalken! Die Vergiftung der Umwelt durch Schwermetalle, Pestizide, Fungizide, Flammschutzmittel, u.ä., brachte durch die Aufnahme der Gifte über die Nahrungskette den Wanderfalken an den Rand des Aussterbens. Aushorstungen der Jungfalken, Vergiftungen durch Taubenzüchter, Störungen der Brut durch Klettersport, Gleitschirmflieger u.s.w. gefährden noch heute die Wiederbesiedelung unserer Natur durch den Wanderfalken.
weiter … - Wie alt werden Wanderfalken?
- Was machen Wanderfalken nachts?Das habe ich mich auch schon oft gefragt, denn der Bewegungsmelder und die Videoüberwachung (die aber bisher leider nichts aus dem dunklen Nistkasten übertrug) meldete in den vergangenen Jahren, dass auch nachts sehr häufig im Nistkasten sich etwas bewegte. Beobachtet habe ich, dass die Schlafphasen von AURORA tagsüber auf dem Gelege zwar häufig sind aber meist nur wenige Sekunden dauern. Weltweite Beobachtungen zeigen, dass sich Wanderfalken gut an die erleuchteten Innenstädte angepasst haben und häufig nacht jagen! Denn gegen den erleuchteten Untergrund heben sich die Beutevögel gut ab und die Falken stoßen dabei aus dem Schatten der Hochhäuser unbemerkt herab. Das wurde schon in den 70-er Jahren am Kölner Dom bemerkt, aber auch in Berlin und New York. An einem beleuchteten Brückenturm in Taiwan wurden 80% von 44 eingetragenen Beutevögeln nachts gezählt.
- Warum werden Wanderfalken geschützt?Der Wanderfalke gehört in unsere Natur und hat ein Lebensrecht wie alle Lebewesen. Er untersteht besonderem Schutz (Jagdrecht und Artenschutz). Man darf ihn also nicht stören, fangen oder töten. Wanderfalken gibt es zwar auf der ganzen Welt, außer der Antarktis, sie sind aber nicht sehr häufig. Als hoch spezialisierte Vogeljäger besetzen sie eine „ökologische Nische“ und haben eine wichtige Bedeutung in der Artenvielfalt. Übrigens sind sie besonders schöne und beeindruckende Greifvögel!
- Warum waren Wanderfalken vom Aussterben bedroht?Für die Falknerei wurden aus manchem Felshorst regelmäßig die Jungen entwendet - um das zu verhindern, begann auch ich 1965 mit der AGW Baden-Württemberg wild lebende Wanderfalken zu bewachen - , Pestizide in der Landwirtschaft gelangten durch die Nahrungskette in den Wanderfalken, reicherten sich in ihm an und führten zum Zerbrechen der Eischalen der Wanderfalken. Der Klettersport stört(e) das Brutgeschäft und Taubenzüchter bekämpf(t)en unerbittlich den Feind ihrer Lieblinge. So gab es weltweit immer weniger Wanderfalken! In den 1970- er Jahren gab es nur noch wenige Dutzend wild lebende Wanderfalkenpaare in Mitteleuropa, der Wanderfalke stand hier kurz vor dem Aussterben. Für viele Menschen war eine Welt ohne Wanderfalken unvorstellbar und man kümmerte sich um ihren Schutz! Konsequente Bewachung der letzten Horste, der Bau von sicheren Nistkästen in Steinbrüchen, Felsen und an Gebäuden, die vom Wanderfalken als „Fels“ erkannt werden, die Zucht von Wanderfalken durch Falkner und Auswilderung gezüchteter Wanderfalken, das Verbot von DDT und anderer gefährlichen Pestizide führten zu einer Erholung des Wanderfalkenbestands. Heute leben in Deutschland wieder etwa 1 000 Brutpaare, er ist nicht mehr gefährdet!
- Warum nisten Wanderfalken in einem Kirchturm?Wanderfalken nisten auf Klippen, Felsbändern, in Felsnischen und geschützten Höhlungen in Fels- und Steinbruchwänden, meist in beträchtlicher Höhe. Im Flachland aber auch auf hohen Bäumen, z.B. in verlassenen Krähennestern. Sie bauen sich kein Nest, sondern scharren sich nur eine flache Mulde in den Untergrund. Geeignete Felsen sind manchmal seit Jahrhunderten von Wanderfalken besetzt! Hohe Gebäude, Kamine, Türme, Brücken die geeignete Bänder, Ecken, Nischen besitzen, werden von Wanderfalken als „Fels“ betrachtet und eventuell als Nistplatz angenommen. Unser Vorbild war der „Sun-Life“-Wanderfalke (1937-1952), der auf einer Fensterbank im 21. Stockwerk eines Versicherungsgebäudes in Montreal, Kanada, in 16 Bruten mit drei Partnern 21 Junge aufzog! Solche Gebäudebruten sind meist erfolgreich, da sie kaum gestört werden und so erfolgreich ablaufen.
- Warum trägt das Weibchen den Namen AURORA?Aurora ist die römische Göttin der Morgenröte. Wenn über der Heidelberger Altstadt die Sonne aufgeht, fallen die ersten Sonnenstrahlen auf die Turmspitze der Heiliggeistkirche. Wenn im März dann dieses Falkenweibchen auf den Eiern brütet, kann es als erste Altstadtbewohnerin ein Sonnenbad nehmen! Der erste Wanderfalke, den ich in einer Webcam- Übertragung aus dem Nistkasten hinunter in das Foyer eines Hochhauses und in das Internet betrachten konnte, war eine AURORA in Columbus, Ohio, U.S.A, die 1999 tot aufgefunden worden war. Sie soll hier „weiterleben“, dachte ich und gab dem Heidelberger Falken diesen Namen.
- Warum trägt der Terzel den Namen PHÖNIX?Zur Brutsaison 2006 tauchte der Terzel FRITZ, der von 2000 bis 2005 hier Vater von 21 Jungfalken wurde, nicht mehr auf. Ob er tot ist? Wahrscheinlich, denn er trug 1999, als wir ihn zum ersten mal betrachteten, das Alterskleid eines Falken und war damals vielleicht schon ein „alter Knabe“? Da er nicht beringt war, konnten wir sein Alter nicht feststellen. Dem neuen Terzel, der schon im Jahr 2006 von AURORA „getestet“ wurde, gab ich dann am 14. März 2007 , als er Vater wurde, den Namen PHÖNIX, nach dem ägyptisch-griechischen Heiligen Vogel, der - als Sinnbild des durch den Tod sich erneuernden Lebens - sich selbst verbrennt und aus seiner Asche neu aufsteigt.
- Wann wurde hier erstmals ein Wanderfalken im Nistkasten beobachtet?Ich habe ein - damals zweijähriges - Weibchen am 12. Mai 1999 gegen 15.30 Uhr, zum ersten mal aus der Nähe durch ein „Spionloch“ unseres Nistkastens betrachtet, als sie dort laut rufend und mit eindeutigen Bewegungen einen Terzel „anmachte“. Ein unvergessliches Erlebnis, weil ich in den Jahrzehnten vorher wilde Wanderfalken immer nur aus großer Entfernung betrachten konnte! Nun aus 10 cm Entfernung! Ich nannte sie nachfolgend AURORA. Dass sie aus dem Jahrgang 1997 stammt, erkannte ich an der Ringfarbe (blau), die 1997 vom Max-Planck-Institut für Ornithologie/Vogelwarte Radolfzell verwendet worden war.
- Unterscheiden sich ausgewachsene und junge Wanderfalken?
Erwachsene Wanderfalken sind auf der Oberseite schiefergrau gefärbt. Hals, Brust und Bauch sind weiß und dunkel quer gebändert, auffallend ist der dunkle Kopf mit den deutlichen Bartstreifen. Junge Falken sind eher bräunlich, Brust und Bauch sind dunkelbraun längs gefleckt!Erwachsene Wanderfalken sind auf der Oberseite schiefergrau gefärbt. Hals, Brust und Bauch sind weiß und dunkel quer gebändert, auffallend ist der dunkle Kopf mit den deutlichen Bartstreifen. Junge Falken sind eher bräunlich, Brust und Bauch sind dunkelbraun längs gefleckt!


AURORA im gebänderten Alterskleid MARION im gestreiften Jugendkleid
H. M. Gäng im Alterskleid - Ist das braune Federkleid der jungen Wanderfalken eine Tarnung?Wenn die jungen Falken mit ihrer hell-dunkelbraunen Färbung in Felswänden, auf Ästen, auf den rot-braunen Sandsteinen der Schlossruine sitzen, dann sind sie tatsächlich wenig auffallend für Freund oder Feind. Sie sind ja noch nicht so wehrhaft und geschickt wie ihre weithin erkennbaren Eltern. So werden sie - noch nicht - als mögliche Konkurrenten oder Partner von erwachsenen Wanderfalken erkannt, attackiert oder „angemacht“, vielleicht so eine Art von Jugendschutz? Fast alle junge Lebewesen unterscheiden sich in ihrem Aussehen von Erwachsenen. Wanderfalken tragen erst im 2. Lebensjahr das Alterskleid.
- Wie unterscheiden sich Weibchen und Männchen?Sie sind schwierig zu unterscheiden! Weibchen sind deutlich größer und schwerer (Spannweite ca. 110 cm, ca. 1 000 g) als die Männchen (Terzel), die eine Spannweite der Flügel von ca. 90 cm haben und ca. 850 g schwer sind. Ich erkenne die Terzel am meist dunkleren Kopf und den deutlich schwächeren Läufen und der kleineren Griffweite. AURORA erkenne ich an ihrer blauen Beringung (Jahrgang 1997), PHÖNIX ist nicht beringt.
- Was ist ein Terzel?
- Habe ich einen Wanderfalken gesehen?Er fliegt taubenartig, mit schnellen, jedoch flacheren Flügelschlägen, lässt sich häufig gleitend in Kreisen von der aufsteigenden warmen Luft hoch tragen. Seine Flügel sind lang und spitz, der Schwanz relativ kurz. Im Vergleich zum fliegenden Turmfalken, - diesen erkennen wir an seinem „Rütteln“, wenn er in der Luft stehend nach unten späht -, erscheint der Wanderfalke deutlich größer und gedrungener.
- Warum heißt ein Falke „Falke“?Das kommt wohl vom Lateinischen „falx“, was „Sichel“ bedeutet und sich auf die sichelförmigen Flügelform bezieht. Im Grimm` schen Wörterbuch lese ich: „Falcho, mittelhochdeutsch valke, althochdeutsch falki… alles nach dem lateinischen falco..“
- Wie erkenne ich AURORA und wie erkenne ich PHÖNIX?AURORA ist deutlich größer als ihr Partner und trägt an ihren Fußgelenken blaue Ringe. PHÖNIX ist nicht beringt, er ist zierlicher und sein Kopf erscheint dunkler gefärbt. Seine Stimme ist höher und piepsiger.
- Wie heißt der Wanderfalke in anderen Sprachen?
- Warum wurden die Wanderfalken in Heidelberg wieder angesiedelt?Sie wurden nicht „künstlich“ angesiedelt, sondern sie kamen wieder von selbst aus eigenem Entschluss zurück! ! Weil sie in dem Nistkasten, den wir ihnen angeboten haben, eine geeignete Nistmöglichkeit fanden. So einfach ist es, etwas Gutes für seltene Arten zu tun! Es sind auch keine der freien Natur entnommene (= gewilderte), gezüchtete oder angekaufte Falken, sondern echte wilde Falken, die sich mitten bei uns in der Stadt wohl fühlen. Das finde ich sehr erfreulich.


