Gängs Tagebuch
Gängs Tagebuch2021-10-04T08:44:30+02:00

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

6.Sep., 2025

Schrecksekunden wegen Schlossbeleuchtung

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Zum letzten mal in diesem Jahr findet heute gegen 22.15 Uhr das traditionelle Feuerwerk mit Schlossbeleuchtung direkt „vor der Haustür“ der Falken statt. RUPERT wird dann wohl sein Schlafquartier im Nistkasten verlassen und auch LISELOTTE, SONNI und ALBRECHT werden das Weite suchen.  Morgen Vormittag werden sie wieder in der Stadt zurück sein. So haben wir es seit vielen Jahren erlebt.

Für Wildtiere und Haustiere ist dieses Spektakel ein großer Schrecken, für zehntausende von Besuchern dagegen eine Freude.

3.Sep., 2025

Tochter und Vater

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Eine erstaunliche und schöne Szene!

Rechts erkennen wir RUPERT! Er ist ein  adulter (erwachsener) Terzel mit seiner  kleinen  Größe , Falkenweibchen sind größer. Sein weißes Brustgefieder ist quer gestreift, das deckende Gefieder seines Rückens ist blaugrau wie das Schieferdach.

Links steht groß und breit seine Tochter SONNI, als weiblicher Falke an ihrer Größe/Masse erkenntlich. (Sie ist satt, das erkennen wir an ihrem gefüllten Kropf.) Ihr Brustgefieder ist braun und längs gestreift. Ihr braunes Gefieder lässt sie insgesamt bräunlich erscheinen, das ist für ihre Eltern als eine Art  „Welpenschutz“ zu lesen, etwa : „Ich bin noch jung und keine Konkurrenz für euer Territorium!“

Dennoch ist dieses Idyll erstaunlich. Der Nachwuchs bedrängt die Eltern nur noch selten, die Eltern dulden den Nachwuchs noch immer am „Horst“.

Das haben wir bisher hier noch nicht gesehen. Wir erinnern eher, dass der Nachwuchs gegen Ende des Sommers längst über alle Berge war.

Danke, A.K. und M.H.!

Nachtrag am 5. September:.

2.Sep., 2025

Die „Mutter“ aller Anfragen

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Die häufigsten Fragen die mich erreichen sind :

Ist der Wanderfalken der schnellste Vogel? Wie schnell ist sein Sturzflug bei der Jagd? Wie schafft er das?

Ich habe in den Vorjahren aus meinen Erkundungen oft geantwortet:  „Gängs Tagebuch“ – siehe Archiv!

Ich versuche die Fragen erneut zusammenfassend zu beantworten:

Die Schätzungen der Fachleute reichen von vorsichtigen 250 km/Std. (Dieter Rockenbauch, 2002) bis zu 480 km/Std.(White et al. 2002). Theoretisch könnte ein Vogel von der Größe und Tropfenform eines senkrecht herabstoßenden Wanderfalken etwa 365 bis 381 km/Std. erreichen (Orton, 1975), die Anziehungskraft der Erde auf einen 500-g-Terzel könnte diesen auf 90 m/sec und ein 1100-g-Weibchen auf 100 m/sec beschleunigen (Tucker et al. 1998).

Ulrich Schmid, dessen Buch „Vögel“ ich kürzlich empfohlen habe, berichtet über die Messungen des Sturzes stoop auf Englisch – des Wanderfalken FRIGHTFUL, der lässig 390 km/h  erreichte. (Auch ich habe in „Gängs Tagebuch“  seinerzeit über diese Messung berichtet. )

In den Medien findet man z.Zt. häufig vergleichende Fotos der Bomber Northrop B-2 Spirit, mit denen die USA die iranischen Atomanlagen beschädigte. Der US-Präsident hat diese Flugzeuge beim Empfang des russischen Präsidenten in Alaska auf dem Flugfeld demonstrativ aufgereiht.

Die Seitenansicht dieser Flugzeuge entspricht der seitlichen Silhouette  eines herab stoßenden Wanderfalken. Denn die Konstrukteure haben das Flugzeug analog eines Wanderfalken geformt.

Das ist selbstverständlich naheliegend und wundert uns nicht.

PS. Schnellste Säugetiere sind mexikanische Fledermäuse, die nur 12 g wiegen,  Sie erreichen hohe Geschwindigkeit durch aktives Fliegen mit Muskelkraft, also nicht im Sturzflug.

Foto:  von HMG beim Kastenputz 2008: AURORA bremst im Anflug

(Das ist eine Überlegung wert: Wie bremst der Falke aus 390 km/Std. ?)

31.Aug., 2025

Die große Piep-Show

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titelt die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG vom 31.August 2025, auf Seite 47 einen amüsanten Artikel über „Birding“ und „Naked Birding“. Bei Naked Birding bleibt der britische Vogelbeobachter angezogen, er macht dann Vogelbeobachtung ohne Hilfsmittel, also mit bloßem Auge und Ohr.

25.Aug., 2025

Wanderfalke und Nilggans in einem wunderschönen Vogelbuch

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Ich empfehle zur Lektüre ein großartiges Vogelbuch, das bereits 2018 erschienen ist.  Seinerzeit habe ich  – leider! – nur flüchtig jene Seiten gelesen, die den Wanderfalken und die Nilgans betreffen, da in diesem Buch die Wanderfalken auf der Heiliggeistkirche und unsere erfolgreiche Nilgans-Abwehr beschrieben werden. Nun lese ich das Büchlein mit zunehmender Begeisterung!

Der Verfasser stellt 32 Vogelarten in ausführlichen Porträts vor: Nicht nur ihre Biologie, sondern ihre Namen, ihre Darstellung in Mythologie, Märchen, Literatur, Kunst. Illustriert ist das handliche Buch mit wunderschönen Illustrationen von Paschalis Dougalis.

Ich finde hier Informationen, die ich bisher in meinen zahlreichen Vogelbüchern nicht gefunden habe.

Ulrich Schmid „Vögel zwischen Himmel und Erde“, NATURzeit, Franck-KosmosVerlag, Stuttgart ,

 

22.Aug., 2025

Vom Wildtier zum „Haustier“?

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Wenn man 2025 das Leben der Heidelberger Heiliggeist-Wanderfalken verfolgt, könnte man schmunzelnd denken: Die Falken sind jeden Tag, rund um die Uhr, nun auch wieder nachts mit dem schlafenden RUPERT, anwesend!

Sieht man sie für kurze Zeit nicht im oder vor dem Kasten, so stehen sie auf der Turmspitze, oder -wie gestern um die Mittagszeit – auf der Spitze der nahen Jesuitenkirche, die nun wieder vom Baugerüst befreit, angeflogen wird..

Ja , seid ihr überhaupt noch „wilde“ Vögel? Ihr verhaltet euch ja wie unsere Hauskatzen, die mal kurz in den Garten gehen und wieder ins Haus zurückkehren.

Das sind selbstverständlich „ungehörige“ Gedanken von mir. Aber nach 25 Jahren, in denen die residierenden Falken sich ganz anders aufführten, damals monatelang unsichtbar für die drei Cams und uns unten als Fußgänger in der Altstadt waren, doch sehr bedenklich.

Wie kann man das erklären?

Kann ich nicht, muss man nicht. Freuen wir uns, dass es uns hier nicht langweilig wird.

Danke, M.H.!  : RUPERT am 22. August in Ruheposition: gefüllter Kropf, linker Lauf an den Körper gezogen, lockeres Gefieder, Blick auf das Geschehen am Himmel, alles o.k.

18.Aug., 2025

Heiße Tage und kalte Tage

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Wenn es in Heidelberg – sehr selten – einmal sehr kalt ist, oder wenn es in Heidelberg, was immer häufiger ist, sehr heiß ist, fragen wir uns, wie  LISELOTTE & RUPERT mit ihrem diesjährigen Nachwuchs SONNI & ALBRECHT, der immer noch – nicht mehr lange! – in der Stadt weilt, mit der heißen Temperatur  – Stichwort Klimaveränderung – zurecht kommen.

Heute, am späten Vormittag (Danke M.H. für den Hinweis!) hielt sich ein Falke einige Zeit im Nistkasten auf. Unter dem dunklen Schieferdach ist es dort nun unerträglich heiß! Warum flüchtete er  für sein „Morgenschläfchen“ nicht in den kühlen Schatten drüben auf der Ostseite der Schlossruine?

Hitze und Kälte sind nicht allzu lebensbestimmend für Wanderfalken.

Denn Wanderfalken leben auf allen Kontinenten, mit der Ausnahme der Antarktis, die für Vogeljäger wohl nicht geeignet ist. Auch auf Island soll es keine Wanderfalken geben, obwohl dort Gerfalke (Falco rusticolus)  und Merlin (Falco columbarius) als „Kalt-Wetter-Falken“ leben!

Abgelegene Inseln im Pazifik oder Atlantik sollen ebenfalls frei von Wanderfalken sein. Wanderfalken leben und brüten z.B. auch in Sibirien und in eisfreien Zonen Grönlands, wo es nur kurze Sommer gibt. Ebenso durchfliegen Wanderfalken auch sehr heiße Wüstengebieten Afrikas und Arabiens. In Afrika brüten Unterarten des Wanderfalken.

Wanderfalken sind „Meister“ bei der Anpassung an ihre Umwelt!

Der Biologe Herbert Spencer hat im 19.Jahrhundert das „Überleben der Stärksten“ als ein Motor der Evolution bestimmt und Charles Darwin hat den Begriff in seinem Hauptwerk „Of Origin of Species“ populär gemacht.

Man spricht heute – ganz modisch – von einem „design“ der Arten und schreibt, dass die Anpassung, Ausbreitung und Bestand der Arten an ihre „ökologische Nischen“ stärker von „abiotischen Faktoren“, also Klimaschwankungen, Vulkanausbrüche, Erdbeben bestimmt wird als von „fitness“.

Die Erwärmung der Erde durch menschliche Einwirkung ist längst bewiesen und wie erfahren täglich aus den Medien, wie in den Meeren und auf dem Festland Arten in Richtung kältere Zonen abwandern.

Um die Wanderfalken in Mitteleuropa müssen wir uns wegen des Klimawandels nicht sorgen.

17.Aug., 2025

Herzlichen Dank!

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Die „falkenlose“ Zeit außerhalb der Brut und Balz, so waren wir es zwei Jahrzehnte lang gewohnt, gibt es an diesem Nestort nicht mehr.

Wir sehen jeden Tag hier über die Webcams Alt & Jung der Heidelberger Wanderfalken. Das verdanken wir auch der treuen Unterstützung und finanziellen Förderung durch unsere Gäste.

Im August an Frau A.E.M. ein herzliches Dankeschön!

Foto aus 2004

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Zu viele Zugriffe auf die Cams

blockieren ab 12.45 Uhr, auch für mich, die Zugriffsmöglichkeit auf die Kameras.

Spätestens am Montag vormittag kann die Zahl der gleichzeitigen Zugriffe auf die Cams der Besucher/-innen erhöht werden.  Wir haben nicht damit gerechnet, dass bereits heute die Anzahl der Besuche sehr steil ansteigt.

12. April 2026|2 Kommentare

Schlupf steht bevor!

Oh, wie schön, dass die Natur meine Berechnungen – wieder einmal – korrigiert!

Deutlich zu erkennen: Zwei Eier sind bereits mit „Pick“ geöffnet.

Danke, D.B., M.H. und andere!

12. April 2026|0 Kommentare

Nun freuen wir uns auf die kommende Woche

 In der Mitte oder gegen Ende der kommenden 16. Kalenderwoche 2026 hoffen wir, das erste –  vielleicht auch schon das zweite – Küken zu erblicken.
Bereits am 30.März habe ich hier notiert, dass sich das Küken in den letzten Tagen vor dem Schlupf in die geeignete Position im Ei dreht. Der Körper liegt schon heute im dickeren Ende der Schale, das Schnäbelchen also etwa in der Mitte am – „Äquator“- des Eies. Vor dem Schlupf durchbricht der Schnabel des Kükens die Membran zur Luftkammer und das Küken kann dann erstmals atmen. Wenn dann der Sauerstoffvorrat zu Ende geht, bewegt das Küken die Nacken- und Beinmuskeln. Es streckt sich und bewegt sich etwas. Dabei durchlöchert der “Eizahn” auf dem Oberschnabel des Kükens die Eischale mehrfach – quasi am Äquator –  von innen. (Das ist selbstverständlich kein Zahn, sondern eine winzige, aber spitze Ausstülpung, – wirkt aber wie ein „Dosenöffner.“ Die kleine Spitze, die einem Zahn ähnelt, bildet sich nach dem Schlupf schnell zurück.)
Wir sehen, wenn wir Glück bei einer Drehung der brütenden LISELOTTE haben, dann eine kleine Öffnung den -„Pick!“ – (völlig falsches Wort! Das Loch wurde gedrückt, nicht gepickt.) Wir ahnen dann, dass dieses Ei bald in zwei Hälften auseinander gedrückt werden wird. Dazu muss das Küken innen weitere „Picks“ um die „Äquatorlinie“ drücken, damit sich die Schale in zwei Hälften teilt. (Wir werden dann an den Schalenresten sehen, dass die Schale an der richtigen Stelle zerteilt/aufgebrochen wurde.) Als letzter Kraftakt drückt das Küken mit Nackenmuskeln und Beinchen die spitze Schalenhälfte weg. Eine Eischale ist von außen sehr robust, von innen aber für das Küken leicht zu öffnen.
Plumps! Da liegt das kleines feuchtes Lebewesen! Es verschwindet sofort unter der wärmenden Mutter.
Nun kann das Küken erstmals die Heidelberger Luft atmen! Verpasst das Küken diesen Zeitpunkt, erstickt es. (Das habe ich im Jahr 2000 beim ersten Schlupf oben am Kasten, durch ein „Spionloch“spähend traurig miterlebt.) Vor einigen Jahren konnten wir mit Freude in einem Videomitschnitt – während einer Atzung (Fütterung) der bereits geschlüpften beiden Küken – im Hintergrund miterleben, wie das dritte Küken schlüpfte!
LISELOTTE unterstützt keineswegs diese “Flucht aus dem Ei”, beantwortet jedoch manchmal das leise Piepsen aus dem Ei mit aufmunternden “Ack-Zick”-Lauten. (Es gibt Berichte, dass bereits vor dem Schlupf Mutter und Kinder miteinander akustisch kommunizieren. Das könnte vielleicht über unsere sensiblen Mikrophone von Cam 1 und Cam 2 zu hören sein? Das feuchte, rosige und völlig erschöpft liegende Etwas wird unter der wärmenden Mutter sehr schnell getrocknet und sieht bereits nach wenigen Minuten als schneeweißes wolliges Kleinkind – na, ja! – irgendwie “süß” aus!
(Das “Kindchenschema” der Verhaltensforscher I.Eibl-Eibesfeld & K.Lorenz lässt grüßen!)

11. April 2026|0 Kommentare
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