Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Beide Küken werden geatzt (gefüttert)
Sehr erfreulich, dass es einigen der Besucherinnen gelingt, die Cam zu öffnen., danke!
Danke, H.K.!

Das zweite Küken ist um 15.40 Uhr geschlüpft
Herzlichen Dank für die zahlreichen Meldungen!
Zu viele Zugriffe auf die Cams
blockieren ab 12.45 Uhr, auch für mich, die Zugriffsmöglichkeit auf die Kameras.
Spätestens am Montag vormittag kann die Zahl der gleichzeitigen Zugriffe auf die Cams der Besucher/-innen erhöht werden. Wir haben nicht damit gerechnet, dass bereits heute die Anzahl der Besuche sehr steil ansteigt.
Das erste Küken ist 12.33 Uhr geschlüpft
Danke, C.S.!

Brutwechsel
Danke, D.B.!
Schlupf steht bevor!
Oh, wie schön, dass die Natur meine Berechnungen – wieder einmal – korrigiert!
Deutlich zu erkennen: Zwei Eier sind bereits mit „Pick“ geöffnet.
Danke, D.B., M.H. und andere!

Nun freuen wir uns auf die kommende Woche
In der Mitte oder gegen Ende der kommenden 16. Kalenderwoche 2026 hoffen wir, das erste – vielleicht auch schon das zweite – Küken zu erblicken.
Bereits am 30.März habe ich hier notiert, dass sich das Küken in den letzten Tagen vor dem Schlupf in die geeignete Position im Ei dreht. Der Körper liegt schon heute im dickeren Ende der Schale, das Schnäbelchen also etwa in der Mitte am – „Äquator“- des Eies. Vor dem Schlupf durchbricht der Schnabel des Kükens die Membran zur Luftkammer und das Küken kann dann erstmals atmen. Wenn dann der Sauerstoffvorrat zu Ende geht, bewegt das Küken die Nacken- und Beinmuskeln. Es streckt sich und bewegt sich etwas. Dabei durchlöchert der “Eizahn” auf dem Oberschnabel des Kükens die Eischale mehrfach – quasi am Äquator – von innen. (Das ist selbstverständlich kein Zahn, sondern eine winzige, aber spitze Ausstülpung, – wirkt aber wie ein „Dosenöffner.“ Die kleine Spitze, die einem Zahn ähnelt, bildet sich nach dem Schlupf schnell zurück.)
Wir sehen, wenn wir Glück bei einer Drehung der brütenden LISELOTTE haben, dann eine kleine Öffnung den -„Pick!“ – (völlig falsches Wort! Das Loch wurde gedrückt, nicht gepickt.) Wir ahnen dann, dass dieses Ei bald in zwei Hälften auseinander gedrückt werden wird. Dazu muss das Küken innen weitere „Picks“ um die „Äquatorlinie“ drücken, damit sich die Schale in zwei Hälften teilt. (Wir werden dann an den Schalenresten sehen, dass die Schale an der richtigen Stelle zerteilt/aufgebrochen wurde.) Als letzter Kraftakt drückt das Küken mit Nackenmuskeln und Beinchen die spitze Schalenhälfte weg. Eine Eischale ist von außen sehr robust, von innen aber für das Küken leicht zu öffnen.
Plumps! Da liegt das kleines feuchtes Lebewesen! Es verschwindet sofort unter der wärmenden Mutter.
Nun kann das Küken erstmals die Heidelberger Luft atmen! Verpasst das Küken diesen Zeitpunkt, erstickt es. (Das habe ich im Jahr 2000 beim ersten Schlupf oben am Kasten, durch ein „Spionloch“spähend traurig miterlebt.) Vor einigen Jahren konnten wir mit Freude in einem Videomitschnitt – während einer Atzung (Fütterung) der bereits geschlüpften beiden Küken – im Hintergrund miterleben, wie das dritte Küken schlüpfte!
LISELOTTE unterstützt keineswegs diese “Flucht aus dem Ei”, beantwortet jedoch manchmal das leise Piepsen aus dem Ei mit aufmunternden “Ack-Zick”-Lauten. (Es gibt Berichte, dass bereits vor dem Schlupf Mutter und Kinder miteinander akustisch kommunizieren. Das könnte vielleicht über unsere sensiblen Mikrophone von Cam 1 und Cam 2 zu hören sein? Das feuchte, rosige und völlig erschöpft liegende Etwas wird unter der wärmenden Mutter sehr schnell getrocknet und sieht bereits nach wenigen Minuten als schneeweißes wolliges Kleinkind – na, ja! – irgendwie “süß” aus!
(Das “Kindchenschema” der Verhaltensforscher I.Eibl-Eibesfeld & K.Lorenz lässt grüßen!)
Brutwechsel am 8. April
Vermutlich dauert es noch eine Woche bis zum Schlupf des ersten Kükens.
Danke, M.H.!


Erinnerung beim Frühstück
Vor einigen Jahren erreichte mich die nahe liegende Kinderfrage, ob die Eier des Wanderfalken – „Entschuldigung, Herr Gäng!“- eventuell für uns Menschen „essbar“ wären!
Am 25. Mai 2005 konnten wir, wie 2025, ein Restei aus dem Nistkasten bergen. Wir sandten das Ei, wie damals alle aus baden-württembergischen Horsten geborgenen Resteier, über die AGW Baden-Württemberg (Fr.Schilling+) an das Pharmakologische Institut der Universität Freiburg i.Br. Dort wurde der Inhalt aufwändig auf Rückstände überprüft. (Ich erfuhr nicht, ob dieses Ei unbefruchtet war oder ob ggf. der Embryo sich nicht entwickelt hatte.)
Ich erfuhr allerdings bei der nachfolgenden Jahrestagung der AGW, dass die Messwerte dieser Resteier so hohe Rückstände an Derivaten von Pestiziden, Fungiziden etc. aus der Nahrungskette der Falken aufwiesen, dass diese Eier deshalb z.B. – ! – “ nicht zur Nahrungsaufnahme für den Menschen“ geeignet wären.
Auf die Idee, aus Wanderfalkeneier z.B. ein Omelett zu machen, kommt wohl niemand, denkt man.
Von wegen!
Der Naturforscher Charles Darwin (1809-1882), dem wir u.a. die Erkenntnisse zur Evolution verdanken, gehörte als junger Mann in London einem elitären Club junger Männer an, die sich das Ziel gesetzt hatten, jedes Tier einmal auf dem Teller zur Mahlzeit gehabt und verspeist zu haben. (Solche Ideen gibt es wohl nur in England! In Kreisen, in denen man nicht gezwungen ist für seinen Lebensunterhalt einen Beruf zu haben. Darwin lebte vom Vermögen seines Vaters.)
Irgendwo in Darwins Aufzeichnungen kann man lesen, es hätte „Eule“ zum Diner im Club gegeben.)
Wann sehen wir das erste Küken?
Auf den ersten Schlupf warten jedes Jahr unsere Besucher. Anfragen erreichen mich auch in diesem Jahr. Trotz unserer, nun 26 Jahre zurück reichenden Statistiken, bin ich dieses Jahr besonders neugierig.
Die Fachbücher schreiben, die Brut beginne erst nach der Ablage des zweitletzten Eies, also etwa am 9. März 2026. Wir haben aber in diesem Jahr beobachtet, dass LISELOTTE bereits nach der Ablage des ersten Eies am 6. März „fest saß“, es sah für uns (!) aus, als würde sie bereits brüten.
Ein Blick in unsere Datensammlung (DANK an E.S.!) zeigt, dass der erste Schlupf hier 38 bis 40 Tage nach der Ablage des ersten Eies erfolgte. Das wäre 2026 also etwa Mitte April in KW 16!
Wir sind gespannt!
Heute ist der 25. Tag nach Ablage des ersten Eies in einer Brutzeit, die in diesem Jahr in ziemlicher Kälte stattfand. Ich zitiere aus meinen Tagebucheinträgen der Vorjahre:
„In den Eiern haben sich die befruchteten Eizellen längst zu Embryonen verwandelt. Der Nachwuchs ist inzwischen fast ausgereift und nahezu vollständig entwickelt!
Nun dreht sich der Embryo bald in die richtige Position, um die Eischale demnächst zu sprengen. Ein recht komplizierter Ablauf!

Etwa um den 26. Tag der Brutzeit wird der Embryo den Kopf nach rechts unten unter den rechten Flügelstummel drehen, so dass der Schnabel in Richtung der Luftkammer zeigt. (Die Luftkammer kennen wir aus dem hart gekochten Hühnerei.) Der Schnabel drückt so bereits dann gegen die Membran, die den Embryo noch von der Luftkammer trennt. So bewegt sich der Embryo allmählich in die Schlupfposition:
Der große Kopf wird am stumpfen Ende des Eies liegen und die Beine können sich in Richtung spitzes Ende strecken. (Dazu fehlt ihnen jetzt noch die Kraft.) Läge der Kopf im spitzen Ende des Eies, könnte der “Eizahn” auf dem Oberschnabel die Schale nicht am “Äquator” öffnen. In den letzten Tagen vor dem Schlupf ruht das Küken und sammelt seine Kräfte im Nackenmuskel, der die Schalenhälften beim Schlupf auseinander drücken muss. Seine Nahrung, die ihm im Dottersack mitgegeben wurde, hat der Embryo bereits nahezu aufgebraucht, der Kalk für seine zarten Knöchelchen kam aus der Eischale, die nun allmählich dünner geworden ist.
(Wir Älteren erinnern uns an die 196o-er/1970-er Jahre, als Pestizide in der Nahrungskette der Greifvögel deren Eischalen so dünn werden ließ, dass diese unter dem Gewicht der brütenden Eltern zerbrachen.)“
Das übliche Tagesgeschehen: Brutwechsel
Wie sich die Bilder gleichen!
Ich sinniere: Die beiden sind doch inzwischen ein erfahrenes Paar, kennen einander, kennen das Territorium. Eigentlich sollten sie, wie ihre Vorgänger, doch längs ein Vierergelege zustande bringen … Ich stoppe meine Gedanken: Natur richtet sich nicht nach menschlichen Vermutungen und Wünschen.
Danke, M.H.!

Brutwechsel mit Beuteübergabe
Danke, M.H.!

Erstes oder bereits zweites Frühstück?
Danke, M.H.!

Ein miteinander vertrautes Paar
Während der Aufzuchtphase ist die – sonst oft sichtbare – Aggressivität zwischen den beiden nicht vorhanden. Das ist sinnvoll, denn allein könnte ein Elternteil den Nachwuchs nicht aufziehen.
Je nach Abstand erscheint der Falke, welcher der Kamera nahe steht, größer als er ist. Links die große LISELOTTE, rechts der kleinere Terzel RUPERT.
PS. Kein „Kuss“, sondern Nahrungsübergabe!)
Danke, M.H. und an andere Gäste!



Man könnte sich jedes Jahr Sorgen machen
DAS WETTER ist bei uns Menschen ein häufiger Gesprächsöffner, nicht wahr? Seit Tagen freuen wir uns nach einem kalten Januar über herrlichstes Frühlingswetter mit Sonnenschein und Wärme.
Das „Falkenzimmer“ in der Turmspitze wird nun am Nachmittag, wie ich mich von meinen früheren Aufstiegen erinnere, knallheiß werden! Denn das dunkle Schieferdach über dem Nistkasten wird bei der aktuellen Sonneneinstrahlung im Ablauf des Tages sehr heiß. Ein wärmendes Hudern durch die Eltern benötigen die drei Küken dann nicht. Sie werden am Nachmittag bestimmt frei liegen oder das hudernde Elternteil wird locker über den drei Küken ruhen.
Nein, WIR müssen uns keine Sorgen machen! Wanderfalken leben in sehr heißen und sehr kalten Zonen der Welt. Lange bevor es unsere Spezies Mensch gab, kamen Vögel mit dem Klima zurecht.
LISELOTTE sehr präsent in Heidelberg!
Jenseits der Heiliggeistkirche, auf der Nordseite des Neckars – auf gleicher Höhe unseres Nistkastens im Turmhelm – wird auf dem Philosophenweg an die Namenpatin unserer Falkenmutter erinnert.
Hier hat man den schönsten Blick auf die Schlossruine und auf die Altstadt. Wenn man Glück hat, sieht man von dort aus die Wanderfalken anfliegen und auch starten .

Fütterung am 14.04.2026
Eine sehr schöne und interessante Dokumentation! Wir sehen vieles, was unsere Gäste bereits berichtet haben. Ich darf auf einige Details hinweisen, die ich in den letzten Tagen, mich selbst aus meinen alten Tagebuchaufzeichnungen zitierend, beschrieben habe:
An den leeren Eischalen links und hinten erkennen wir noch, wie das Küken die Schale von innen öffnete. Wir erkennen den „Äquator“, die dickere Eischalenhälfte.
Besonders interessant, – nein, geradezu rührend, sehen wir, wie das Elternpaar zusammenarbeitet, einzelne Happen zwischen RUPERT und LISELOTTE hin und her gereicht und überprüft werden, den Küken präsentiert, oder selbst verzehrt werden. Die Küken müssen selbst mit dem Schnabel zugreifen, sie werden nicht „gefüttert“. Wir hören, wie LISELOTTE lautstark die Küken auffordert. Wir sehen, wie satte Küken erschöpft zusammensinken.
Es gibt keinen Abfall! Auch das kleinste Nahrungsstück wird von LISELOTTE vom Boden aufgenommen und verzehrt.
Danke, S.F.!
