Falkenalltag
Danke, K.!
Danke, K.!
Oh! Eine ungewöhnliche Frage aus Kindermund! (schriftlich eingereicht)
Ernst gemeint oder will man mich testen? (Das Foto meines Frühstücksei in meinem Tagebuch vom 8.März 2025 hat wohl diese Frage provoziert.)
Mit mürrisch-ungläubigen Blick würde ich mündlich antworten: „Im Prinzip ja, aber da bekämst Du großen Ärger! Nicht nur mit mir!“
Ich habe in meinen Unterlagen gesucht:
Am 25. Mai 2005 konnte ich ein Restei aus dem Nistkasten bergen. Ich sandte das Ei, wie damals alle aus baden-württembergischen Horsten geborgenen Resteier, über die AGW Baden-Württemberg (Fr.Schilling+) an das Pharmakologische Institut der Universität Freiburg i.Br. Dort wurde der Inhalt aufwändig auf Rückstände überprüft. (Ich erfuhr nicht, ob dieses Ei unbefruchtet war oder ob ggf. der Embryo sich nicht entwickelt hatte.)
Ich erfuhr allerdings bei der nachfolgenden Jahrestagung der AGW, dass die Messwerte dieser Resteier so hohe Rückstände an Derivaten von Pestiziden, Fungiziden etc. aus der Nahrungskette der Falken aufwiesen, dass diese Eier z.B. – ! – “ nicht zur Nahrungsaufnahme für den Menschen“ geeignet wären.
Auf die Idee, aus Wanderfalkeneier z.B. ein Omelett zu machen, kommt wohl niemand, mein liebes Kind!
Aber:
Der Naturforscher Charles Darwin (1809-1882), dem wir u.a. die Erkenntnis der Evolution verdanken, gehörte als junger Mann in London einem elitären Club junger Männer an, die sich das Ziel gesetzt hatten, jedes Lebewesen einmal auf dem Teller zur Mahlzeit gehabt und verspeist zu haben. (So etwas gibt es wohl nur in England!) Irgendwo in seinen Aufzeichnungen kann man lesen, es hätte „Eule“ zum Diner im Club gegeben.)
Und wieder einmal gewährt uns LISELOTTE einen Blick auf das Gelege, weil ihr das „Steinchen-ziehen“ wichtig war.

Wir können beobachten, wie sich die brütenden Falken oft -umständlich für unsere Augen – bemühen, die drei Eier in die Brutflecken ihres Bauchgefieders einzurütteln. in den Vorjahren hatten die Eltern jedoch meist vier Eier zu „heizen“!
Das ist ihnen immer gelungen.
Danke, M.H. und an andere!
richteten sich gewiss auf die hübsche Mauserfeder, die zunächst in der Mitte, nun im vorderen Teil des Nistkastens liegt.
Ich konnte in den beiden letzten Jahrzehnten noch einige Mauserfedern dem Kasten nach Brut und Aufzucht entnehmen:

Ich vermute – als Laie! – , dass diese Feder, die nun vorn im Kasten liegt, von LISELOTTE stammt, denn die Wanderfalkenweibchen beginnen mit der jährlichen Mauser ( Erneuerung des Gefieders) drei bis fünf Wochen vor den Terzeln.
Es wäre bei einem Vogel, der seine Nahrung im Flug erbeutet, unmöglich, alle seine Federn in kurzer Zeit abzuwerfen und einige Zeit zu Fuß unterwegs zu sein. (Ja, bei manchem Wassergeflügel geschieht das !) In den kommenden Wochen, wenn LISELOTTE nun täglich viele Stunden auf dem Gelege brütet und die Küken hudert, kann sie nicht zeitraubend für sich selbst und dann für die Küken auf die Jagd fliegen! „It takes two to tango!“, sagt man im Englischen, LISELOTTE und der Nachwuchs sind für eine lange Zeit von der Nahrungszufuhr durch RUPERT abhängig!
Nach der Eiablage konnte LISELOTTE sofort mit der Mauser beginnen, RUPERT wird erst gegen Mitte/Ende April mit dem Abwerfen der alten Federn und Nachschieben der neuen beginnen. Nur in dem sehr schönen französischen Buch s.u. fand ich als Laie die charakteristische Abfolge der Mauser bei einem Wanderfalkenweibchen dargestellt:
Im Flügel stehen die Zahlen der Federn der für den Flug besonders wichtigen Handschwingen, darunter zeigen die Pfeile die Abfolge der Mauser. Sie beginnt in der Mitte bei meinem roten Pfeil. Da die die ersten 5 Federn der Außenhand 2 bis 5 cm länger sind als jene nach innen, wird sich bald bei LISELOTTE dort eine charakteristische Einbuchtung zeigen, wenn sie ihren Flügel ausbreitet.
Die Federn des Stoßes mausern von der Mitte ausgehend nach außen.
Bei den ausgeflogenen Jungfalken sind die Federn der Hand-und Armschwingen, sowie des Stoßes, zwei bis drei cm länger (!) als später – etwa mit 18 Monaten – im Alterskleid.
Kopie aus R-J. Monneret „Le faucon pèlerin“, Paris 2017

Danke, M.H.!


Danke L.Sch!

ist es, wenn die brütenden Falken, wie auf dem Foto LISELOTTE, sich langweilen. Dann können wir kurze Blicke auf das Gelege werfen. Denn „Steinchen-ziehen“ ist eine geradezu zwanghafte „Freizeitbeschäftigung“. (Sie verzehren dabei keine Steinchen oder Sand wie andere Arten, die das für ihre Verdauung brauchen.)

Der brütende Falke rutscht beim „Steinchen- ziehen“ oft immer weiter vom Gelege und erst nach einigen Sekunden besinnt er sich auf seine Hauptaufgabe und eilt zurück.
Zumeist schlafen die brütenden Falken. Wir erkennen das an der weißen Nickhaut, die sich über das Auge schiebt.
Foto:M.H., danke!
| Die befruchtete Eizelle in eine Schalenhülle zu verpacken und außerhalb des Körpers der Mutter zu einem neuen Lebewesen zu formen, hat sich schon lange vor der Entstehung der Säugetiere bewährt. Das gab es schon bei den Sauriern. Die vollkommene Form eines Eies sorgt dafür, dass dieses zarte Gebilde – nur etwa 0,4 mm ist die Schale eines Wanderfalkenei dick – nicht unter dem Gewicht von LISELOTTE (etwa 900 g schwer, RUPERT etwa 700 g) zerbricht! Druck von außen hält die Schale gut stand. |
| Wohl aber kann – 2025 in der Woche vor Ostern! – das zarte Schnäbelchen der Küken die Schale von innen öffnen! Atmungsaktiv wie unsere Anoraks oder Sportkleidung ist die Schale, Wasserdampf und Wärme werden hindurch gelassen, aber Bakterien bleibt der Weg nach innen versperrt! Die Schale besteht aus einer Lage von Calzitkristallen, die von etwa 7 500 Poren durchzogen ist, durch die der Gasaustausch (Sauerstoff rein- Kohlendioxyd raus) erfolgt. Nun wird diese Kalkschicht vom heran wachsenden Küken schon bald ausgedünnt, es braucht das Calcium für den Knochenaufbau. Wie LISELOTTE die braun-rote Färbung der Eischale bereits in der Schalendrüse ihres Eileiters aus der Kombination zweier Pigmente (Protophyrin und Biliverdin), die dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin verwandt sind, erzeugte, ist erstaunlich. Wie alle Eier der Wildvögel dient die Färbung der Anpassung an den Untergrund. (Vögel, die in Kolonien brüten, Pinguine z.B., erkennen ihr Ei an der individuellen Musterung wieder.) Das Spektrum der Farbe der Wanderfalkeneier reicht von gelblich-ocker bis rot-braun. Es gibt auch innerhalb des Geleges leichte Farbunterschiede: In diesem Jahr erscheinen mir die Eier wieder etwa gleich gefärbt. |
„Et kütt wie et kütt“, sagt der Kölner und da meine ornithologischen Ratgeber verstorben sind, andere im Urlaub, muss ich mich selbst besinnen und in unseren Dokumenten nachschauen:
Die Literatur über Wanderfalken (als Vielleser mir auch in zwei Fremdsprachen vertraut) und unsere Statistik der Heidelberger Wanderfalken (Dank an E.S.,Bonn!) über 25 Jahre belegen:
Die Brut beginnt nach Ablage des vorletzten, in Heidelberg meist dritten Ei! Zuvor bleibt das Gelege frei liegen und wird nur bewacht.
So konnten wir das auch in KW 11 bei Nacht erkennen. RUPERT stand über beiden Eiern, lag nicht wärmend auf ihnen. Tagsüber lagen beide Eier in der Kälte. Schadlos, denn die Entwicklung im Ei beginnt erst mit Brutbeginn!
LISELOTTE entdeckten wir deshalb erst am 16.März mit einem dritten Ei auf dem Gelege und nachfolgend beide Falken in Bruthaltung. Unabhängig vom Legedatum begann erst dann die Brut, eindeutig durch flache Lage und „Einrütteln“ der Eltern zu erkennen.
Mein Blick in unsere Statistik erinnert mich, dass in 25 Jahren, ganz unabhängig vom Legedatum, der erste Schlupf (mit einer Ausnahme) zwischen dem 31. und 34.Tag nach dem Legen des vorletzten (3. Ei) erfolgte.
Und so wird es auch 2025 sein!
Es ist also schnurz-egal – wie meine Oma zu sagen pflegte – wie groß der Abstand zwischen dem Erscheinen der Eier ist. Entscheidend ist, wann die Eltern mit der Brut beginnen.
Und das war in diesem Jahr die Nacht zwischen dem 15. und 16. März!
Und so können wir auch jetzt schon im Kalender abzählen, dass in der Karwoche der erste Schlupf stattfinden wird.
Bis dahin uns allen schöne Frühlingstage!
Foto: Ablösung: RUPERT kommt, LISELOTTE geht
Danke, M.H.!
