Das schrieb mir kürzlich ein Gast. Es gibt gibt inzwischen in Europa wohl über 100 Websites, allein in Deutschland etwa 25 ,die uns Einblicke in das Familienleben wild lebender Wanderfalken gewähren, ohne dass diese in ihrem Leben gestört oder gar gefangen gehalten werden.

Wenn ich es richtig sehe, ist in Heidelberg  „Gängs Tagebuch“ ein Alleinstellungsmerkmal. Selten macht sich anderenorts jemand die Mühe, mit einem „pädagogischen Zeigefinger“ gelegentlich Informationen zu liefern. Das liegt – leicht verständlich – an meinem Beruf, den ich in 42 aktiven Dienstjahren gerne ausgeübt habe.

Als wir 1999 dieses Projektmit Schülern (Jungen und Mädchen) und zwei Lehrern  begannen, war ich der Adressat vieler Fragen zu den Falken. “ Da müsst ihr/müssen wir gemeinsam in den Büchern und im Internet nachschauen! Ich bin kein Ornithologe, nicht einmal Biologielehrer“, war  fast immer meine Antwort. Aber auch: “ Da ihr ja nicht immer mit mir auf dem Turm seid, schreibe ich auf die Website, was ich allein im Turm und auf meinem Computer beobachte. Ich versuche, Euch auf der Website in einem „Tagebuch“ dies und das zu erklären!“

Als ich 2005 in den Ruhestand ging und dieses Projekt  zum NABU Heidelberg wanderte, wanderten die Fragen von Jung und Alt in das „Gästebuch „oder direkt an mich. Also weiterhin: „Einmal Lehrer, immer Lehrer!“

Noch heute nagt an mir der Zweifel: Ob das alles so stimmt, was ich als Laie mir flüchtig angelesen habe und hier notiere? Als ich einmal einem leibhaftigen Ornithologen gegenüber stand, fragte ich diesen nach seiner Beurteilung. „Ja, ich lese gelegentlich ihr Tagebuch“ sagte er, „Fachlich ist da manches nicht ganz in Ordnung, aber Sie sind ein guter Beobachter. Sie beschreiben das, was Sie sehen, recht zutreffend!“ Da war ich zufrieden und bin seither beruhigt !

Der Stauferkaiser Friedrich II., dessen wertvolles Falkenbuch, geschrieben vor 800 Jahren,  vor fast 400 Jahren ausgerechnet hier 50 m unter dem Nistkasten auf der Empore des Kirchenschiffs lag, nennt in seinem Vorwort, warum er dieses berühmte Buch verfasste: „Manifestare ea, quae sunt sicunt sunt.“ also: „Ich werde die Dinge darstellen, wie sie sind.“ DAS gefällt mir auch heute noch:  Natur, wie sie ist, zeigen  und beschreiben.

PS. In der langweiligen Wartezeit 2024 – noch etwa eine Woche bis zum Schlupf – eine Anekdote  zum Schmunzeln:

Vor einigen Jahren, als ich mit Freunden einen Schleiereulen-Nistkasten auf einem nahen Bauernhof, der auch als Reiterhof arbeitet, kontrollierte, rief mir eine Dame hoch zu Ross zu : „Hallo, Herr Gäng, ich war vor 20 Jahren an ihrer Schule!“ – „Habe ich Sie unterrichtet?“ -„Nein, Sie kamen als Rektor in unsere tobende Klasse, als einmal die Religionslehrerin nicht kam.“ – „Oh, ich habe euch dann in Religion unterrichtet? Katholisch oder evangelisch?“  – „Ja, das war super! Das erinnere ich noch heute, Sie haben uns was über Wanderfalken erzählt! “

3 Comments

  1. Eva 13. April 2024 at 17:41 - Reply

    Hallo Herr Gäng, meine Familie und ich danken Ihnen für Ihre ausführlichen Erklärungen zu den Wanderfalken. An so manchen Abenden „blättern“ wir im „Lesebuch“. Ein angenehmes Wochenende und Grüsse von der Bergstrasse.

  2. Angelika Hummel 14. April 2024 at 10:59 - Reply

    Lieber Herr Gäng, ihr Tagebuch ist wirklich sehr informativ und sie erwähnen ja auch immer wieder, dass sie kein Ornithologe sind. Man kann viel über das Leben der Wanderfalken lernen, wenn man im Tagebuch stöbert. Ich danke ihnen für diese Möglichkeit. Viele Cams bieten einfach die Möglichkeit einen Einblick ins Nest zu haben. Es gibt natürlich Gästebücher wo man schreiben kann und auch Antworten bekommt. Die Nabu Gruppe in Fellbach macht das auch ganz gut. Dort bekommt man auf Fragen als Teil der Falcommunity auch Antwort. Die Nabu Fellbach bietet auch ein Treffen auf dem Parkplatz vor dem Schwabenlandtower in Fellbach an, da kann man das Falkenpaar von unten mit Ferngläsern beim Anflug auf den Balkon der Box z.B. bei der Beuteübergabe oder bei der Paarung beobachten. Auch ein Online – Treffen wird angeboten, bei dem man Fragen stellen kann. Das wird wie in Heidelberg alles ehrenamtlich angeboten. Die dortige Webseite hat sich inzwischen auch sehr gemausert und bietet auch viele Informationen. Die Fellbacher Webcam war mein Einstieg in die Falkenwelt und ich freue mich in jedem Jahr auf die Wanderfalken. Gerne schaue ich nach Heidelberg, um auch dort mein Wissen zu stärken. Auch den Brutplatz von Benjamin habe ich entdeckt und freue mich, dass ein Heidelberger Jungfalke so erfolgreich in den Niederlanden brütet. Liebe Grüße aus Winnenden

  3. ULC 14. April 2024 at 20:14 - Reply

    Hallo Herr Gäng, mir gefällt Ihr pädagogischer Zeigefinger. Grüße, ULC

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