Wie erwartet, hat die Übernahme des Nistkastens seit dem 17. Juli durch ein Taubenpaar nach 10 Tagen ein Ende gefunden. Noch liegen in der südlichen Ecke des Nistkasteneingangs die nun erkalteten und aufgegebenen Taubeneier, die ich in den nächsten Tagen entfernen werde.

Mich erinnert diese Affäre ein wenig an eine OPER!  eine rosa-romantische Ouvertüre! Das Taubenpaar tritt auf die Bühne, turtelt und schnäbelt ganz allerliebst, dass mein Finger auf der Tastatur schon nach den roten Herzen der emoji suchte. Ach ja, das hatten wir doch im Frühjahr! Paarbildung, Balz, Eier, die kuscheligen Küken, die runden Köpfchen, die kleinen Äuglein, die winzigen Schnäbelchen, die mit kleinen roten Häppchen gefüttert werden.  Das Kleinhirn, die Bauch-Gefühle wirken wieder: Oh, wie nett!

Der 2. Akt der Taubenaffäre geht dann aber schnell  in Richtung Drama! Großhirn an Kleinhirn, unser Wissen und unsere Beobachtungen erinnern uns kalt: Wanderfalken erbeuten und verfüttern in der zweiten Hälfte der Aufzucht ihrer Küken bevorzugt Tauben! Und das war nach zwei Wochen hier im Nistkasten eine blutige Angelegenheit, erinnerte uns an Massaker und Gemetzel. Die Tischsitten des Falkennachwuchses ähnelten immer mehr – wenig ästhetisch – modernen Inszenierungen in Schauspiel /Oper, also viel Blut und Gewalt auf der Bühne!

Der 3. Akt wird also zur Tragödie werden? Will das Publikum das sehen? Kluge Poeten und Komponisten lassen nach den freudigen und traurigen Entwicklungen schlussendlich den Deus- ex -Machina auftreten, der unerwartet und überraschend als Friedensfürst/Gott die streitenden Protagonisten zum gemeinsamen Quartett liebend vereint.

In der vergangenen Woche träumte der Tagebuchschreiber, die verehrten Besucher/Besucherinnen dieser Website hofften auf einen solchen Deus-ex-Machina, – vielleicht bitteschön in Person des Hausmeister des Falkenzimmers auf Heiliggeist – der den Konflikt sowohl für Familie Taube, wie auch für Familie Wanderfalke göttergleich löst.

Nein, am Sonntag sah der Tagebuchschreiben beim abendlichen Diner in Südfrankreich auf seinem Teller als Hauptgang u.a. eine à-point-rosa gebratene Tranche vom Ibero-Jungschweinrücken, daneben einen zart panierten, krossen Taubenschenkel als geschmacklichen Kontrapunkt. Herrlich!

Das spanische Schwein in den Eichenwäldern und die französische Taube im Himmelsblau der Haute-Provence hatten wohl beide ein gutes, wenn auch kurzes Leben. Ja, ihr Tod war blutig und ihre “Verarbeitung” zum lukullischen Erlebnis war bestimmt nicht schön anzuschauen. Aber beide waren ein sehr geschätztes Geschenk der Natur an mich.

So bin auch ich froh, dass uns PALATINA den letzten Akt der Taubenaffäre nicht zeigte.