Das höre ich nach jedem Einfangen-und-wieder-auf- den Turm- setzen-Einsatz von  Menschen, die sich das Ereignis von mir berichten lassen! Meine schnelle Antwort lautet immer: “Nein, das dulde ich nicht!” Wenn wir Menschen gerne gestreichelt werden und gerne uns nahestehende Menschen streicheln, so ist das für ein wild lebendes Tier eine bedrohliche Situation! Ich wundere mich über diesen Wunsch. Man sieht doch auf den Fotos, wie der Falke zu flüchten versuchte, wie er sich gegen meinen Zugriff sträubte, sich mit Klauen und Schnabelhieben wehrte! Augenzeugen hören ihn fauchen und sehen den erschreckten Blick! So schnell wie möglich setze ich ihn in das Dunkel des Kartons und dann wieder hinaus in die Freiheit. Er soll sich nicht an Menschen gewöhnen und nicht mehr in eine Menschenhand gelangen!

Manchmal folgt die Frage: “Wie fühlt sich das für Sie an?” Da ist meine Antwort dann nicht so schroff. Es ist ein besonderes Gefühl, das in starker Erinnerung bleibt! Dieser Vogel war doch vor 40 Tagen noch im Ei! Dann eine Woche  ein winziges weißes Geschöpf! Der erste Eindruck ist: Welche Kraft steckt schon diesem kleinen Körper! Wie heftig versucht der Falke sich zu entwinden! “AU!” –  Wie spitz die Klauen, wie scharf und hart der Schnabel! Wie schnell pocht das Herz in diesem Körper, an dem ich jeden Knochen spüre. Diese Augen! Riesengroß, ich sehe in ihnen mein Spiegelbild. Da ist ja eine Zunge im Schnabel! Wie schön das Gefieder, jede Feder liegt perfekt angeordnet.

Wie eindrucksvoll und bewundernswert kann Natur sein!

 

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