Wir haben auch in der Saison 2026 beobachten können, dass der Nachwuchs vieles – gewissermaßen automatisch vorhanden – von einem Tag auf den anderen beherrschte: Kopf heben, Schnabel aufsperren, Bettelrufe, Drängeln, Beutereste festhalten und selbst Essbares abreißen, hüpfen, zielgerichtet zugreifen, mit den Flügeln schlagen, – ja sogar das Fliegen, auch wenn der Erststart misslingt!
Alles ist angeborenes Verhalten und gehört zur Grundausstattung wie Federkleid und Schnabel.

Ende Mai 2026 begann die Zeit des Lernens, der Nachahmung, der Jagd! Das geht nicht als „home- schooling“, sondern war eine Open-Air-Veranstaltung, die nur Menschen in Heidelbergs Altstadt gelegentlich verfolgen konnten.
Es war für RUPERT & LISELOTTE die anstrengendste Periode bei der Aufzucht des Trio, die nun zu Ende geht. Der Nachwuchs 2026 ist nun selbständig und „ausgebildet“ unterwegs
Die Jungfalken wurden noch lange geduldet. Sie standen/ruhten auch lange Zeit des Tages an einem sicheren hohen Ort. Vor allem in den letzten Wochen der großen Hitze! Sie kehrten von ihren Flügen immer wieder in die Altstadt zurück.
Dieses Verhalten geht nun zu Ende.

Rückblickend, ich war längere Zeit nicht in Heidelberg:
Wie erfolgte im Juni ihre „Schulung“, ihr Training?

Schon am frühen Vormittag erblickte das TRIO vom traditionellen Standort auf der nahen Jesuitenkirche aus, ein mit Beute herbei fliegendes Elternteil, flogen ihm entgegen und verfolgten es hartnäckig.RUPERT und LISELOTTE gaben keineswegs die Beute großzügig preis! Oft stiegen sie im letzten Moment in die Höhe, drehten sich auf die Seite oder auf den Rücken zur Übernahme der Beute durch den Nachwuchs. Manchmal ließen sie die Beute auch aus großer Höhe fallen und hofften, dass die Jungfalken die zu Boden stürzende Beute noch im Luftraum ergreifen.
(Manchmal beobachten Augenzeugen – vom Bettelgeschrei aufmerksam , dass kurz vor dem Aufprall der Beute auf Hausdächern oder in den Neckar, – wie aus dem Nichts -, das andere Elternteil sehr tief herbei fliegend, den herab fallenden toten Vogel noch in der Luft ergreift und mit ihm wieder in die Höhe fliegt, verfolgt von den kreischenden Kindern! Auf ein Neues!)

In Menschensprache: “Fang mich doch! Nimm mir die Beute weg! Nein, ich gebe sie nicht freiwillig her! Du musst sie gegen Deine Geschwister verteidigen, sonst bleibst Du hungrig!” Das Lernziel ist, eine Beute im Flug den widerstrebenden Eltern zu entreissen. Meist von unten anfliegend, sich auf den Rücken drehend und mit ausgestreckten Fängen zugreifend!

Dann nichts wie weg mit der Beute, an einen sicheren Ort zum Kröpfen, meist verfolgt von den gierigen Geschwistern. Nur so – aus Hunger – lernen sie Schritt für Schritt, – nein, Flugangriff auf Flugangriff – selbst einen fliehenden Vogel zu greifen.Es dauert etwa einige Wochen, bis die Jungfalken das gelernt haben. Dann ziehen sie allmählich weitere Kreise um die Altstadt und wandern schließlich ab.

2026 haben wir leider keine neugierigen Besuche des Nachwuchses in den Nistkasten beobachtet. Aber RUPERT ist täglich anwesend.

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