Gängs Tagebuch
Gängs Tagebuch2021-10-04T08:44:30+02:00

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

1.Mai, 2018

In Freiheit – selbstbestimmt – sicher

1 Kommentar

Das liegt mir am Herzen mitzuteilen:
Diese Wanderfalken PALATINA und ZEPHYR sind Wildvögel. Sie werden nicht – wie anderswo – in Menschenhand, in einem Käfig oder an einer Fessel gefangen gehalten und gegen Eintrittsgeld gezeigt. Sie müssen nicht auf Kommando hin und her fliegen, werden nicht vorgeführt und von Menschenhand „gestreichelt“. Diese wild in Heidelberg lebenden Wanderfalken können kommen oder weg fliegen, wie sie wollen. Sie gehören niemanden, sie gehören nur sich selbst, der Natur.
Sie gehören uns allen, aber nur zum Anschauen, zum Staunen, zur Freude!
1999 wurden ihre Vorgänger AURORA & FRITZ und dann ihre Nachfolger JETTA & PERKEO nicht angesiedelt oder angelockt.  Wir haben 1999 mit Schülern und Lehrern meiner Schule, im Einverständnis mit der Kirche und der Behörden, eine Turmluke vom Taubenschutzgitter befreit und einen Nistkasten installiert. Die Wanderfalken kamen völlig selbständig in ihrer eigener Entscheidung.
Die Falken  können ihr Leben frei bestimmen, sie werden nicht gestört oder belästigt. Anfangs vermuteten die ersten Gäste unserer Website die Kameras würde die Falken stören.  Das tun sie nicht. Die Falken ertragen auch freiwillig den Stadtlärm, die Feuerwerke über der Altstadt, die Kirchenglocken, sie haben sich daran gewöhnt. Sie bleiben in der Stadt, weil es für sie hier genügend Nahrung und Sicherheit gibt.
Sie können jagen und fressen, was sie selbst erbeuten können und wollen. Sie werden nicht gefüttert. Wir erlauben nicht, dass Menschen ihnen nahe kommen. Das „Falkenzimmer“ oben in der Turmspitze ist nicht zugänglich, der Nistkasten ist abgeschlossen. Wenn die Küken demnächst beringt werden und ich sie dabei in der Hand halten darf, wünsche ich jedem von ihnen – heimlich und still -: „Möge Dich nie wieder ein Mensch einfangen,  gefangen halten oder töten!“

30.Apr., 2018

Alle werden satt

1 Kommentar

Auch wenn es soeben bei einer Atzung durch PALATINA gar nicht so aussah:
Wir beobachten, dass die drei zuerst geschlüpften, großen Küken „sich breit machen“ und das vierte, dahinter stehend, nicht zum Zuge kommt. Es versucht mehrfach, mal links – mal rechts herum – oft durch die Mitte, an den Schnabel der Mutter zu kommen. Vergeblich! Die Geschwister und die Mutter kennen kein „Erbarmen“! Man erkennt, dass die Küken sich bereits – oft nach vorn kippend – bewegen können. Frustriert pickt das blockierte Küken am Boden nach Federn eines Kleinvogels, die vor ihm liegen. (Ich erinnere mich an die Kinderschar des nahen Kindergartens vor dem Rathausmonitor, die solche Szenen bei ihrem täglichen Spaziergang zur Videoübertragung sahen: „Der bekommt ja gar nichts! Die anderen fressen dem alles weg!“ Und böse Blicke trafen auf mich als dem für die Falken Verantwortlichen. Beifall wurde geklatscht, wenn das zu kurz gekommene Küken dann endlich doch zur Nahrung kam.)
Kurz darauf kommt ZEPHYR mit einem Kleinvogel, aber auch davon bekommt der Nachkömmling nichts ab.
Bei der nächsten Anlieferung wird das deutliche kleinere Küken bestimmt an Nahrung kommen, denn dann werden die älteren Küken noch mit der Verdauung beschäftigt sein. Nein, wir müssen uns keine Sorgen machen, auch dieses kleine Fälklein wird groß und stark werden.
Wir sehen, dass die Natur nicht „gerecht“ ist, kein „Mitleid“ kennt, das sind menschliche Gefühle. Hier bestimmen Signale, Reize das Geschehen. Die Eltern reagieren auf die Signale der Küken, jene auf die der Eltern. Wer sich vordrängt, wird bedient, wer schwach ist muss warten.
(Als Hausaufgabe würde ich als ehemaliger Lehrer geben: Warum haben Adler oft zwei Küken, von denen meist nur eines überlebt? Was bedeutet Kainismus & Kronismus, wo kommt er vor?)

29.Apr., 2018

Aus Weiss wird Grau – aus kleiner Beute wird große Beute

0 Kommentare

Dank der hohen Qualität unserer – gesponserten Cam 1 und 2 , danke SCALTEL! – sehen wir jetzt schon einen leichten Grauschimmer im  Federkleid der Küken , das noch immer aus den schneeweißen Dunen besteht. Es wandelt sich nun zu den hellgrauen Pelzdunen, dem zweiten Federkleid in ihrem jungen Leben. Noch sehen die vier richtig kuschelig aus, das wird sich bald ändern. Jedes Jahr staunen wir über die rasante Entwicklung. Seit einigen Tagen bringen die Eltern größere Beute, meist Tauben, um den hohen Nahrungsbedarf der vier Küken zu befriedigen.
 

29.Apr., 2018

Unser Gästebuch: Bitte im im klassischen Sinn nutzen , es ist kein Blog!

1 Kommentar

Nach meiner Abwesenheit, 10 Tage, wieder zurück, zunächst:
Herzlichen Dank an die vielen Gäste, die mit ihren Eintragungen, Videos und Fotos uns alle und auch mich in der Ferne auf dem Laufenden gehalten haben. Wir hatten so immer Kenntnis vom neuesten Stand des Familienlebens! Das war während des Schlupfes und den aufregenden ersten Tagen sehr nützlich.
Nun bin ich wieder zurück und sehe, dass inzwischen das GÄSTEBUCH sich zu einem halb-öffentlichen Forum, Gedankenaustausch, zu einem Ort von Mitteilungen ausgeweitet hat. Das leistet ein Blog, aber nicht ein Gästebuch! Ich muss – um Missbrauch zu verhindern – jeden Beitrag vor Veröffentlichung prüfen,  genehmigen oder ablehnen. Das kostet mich Zeit und Aufwand. Oft müsste ich nun Vermutungen und Fehler richtig stellen und das nun täglich, ein Aufwand den ich nicht leisten kann und will.
Das Gästebuch soll nicht zum Blog werden!
Ich bitte höflich, unser GÄSTEBUCH nur noch als neuer Gast mit einer kurzen Bemerkung zu nutzen, so wie wir das alle in unserem Alltag machen: Wir werden eingeladen, wir besuchen ein Hotel oder eine Ausstellung, es gefällt uns und wir hinterlassen eine Bemerkung zur Erinnerung. Mehr nicht.
Ja, es wird wieder Tage geben, in denen ich nicht das TAGEBUCH führen und den Alltag der Falken kommentieren kann, weil ich abwesend bin. Dann, nur dann – bitte schön! – sind wir wieder alle auf Dokumentation und Veröffentlichung im Gästebuch durch aufmerksame Gäste angewiesen.

25.Apr., 2018

„Soo groß!“

0 Kommentare

haben wir bei unseren eigenen Kleinkindern gerufen und diese erhoben brav die Ärmchen. Diese Falkenkinder passen eine halbe Woche nach ihrer „Geburt“ schon nicht mehr in ihre Eischale! In wenigen Wochen werden sie davon fliegen, das kann man sich jetzt noch gar nicht vorstellen.

25.Apr., 2018

Vorbildlich

0 Kommentare

Wie gelernt – nein, das ist angeboren – bilden die Kleinen eine „Wärmepyramide“ und stellen ihre empfindlichen Vorderseiten gegeneinander, wenn sie nicht vom elternlichen Schutz bedeckt sind.
Gestern konnte auch ich aus der Ferne eine Fütterung des Quartetts beobachten, auch diese erfolgte ganz „manierlich“, auch wenn unsere Sympathie für die beiden Kleinen überwiegt. Keine Sorge, auch diese werden heran wachsen!
 
 

Mehr Beiträge laden

„Darf ich den mal streicheln?“

wurde ich von dem  Publikum – selten – gefragt, wenn ich in den Vorjahren einen gestrandeten Jungfalken prüfend in den Händen hielt, bevor ich ihn in den Transportkarton steckte.“ NEIN!“war meine Antwort.

(Wie kommen Menschen zu der Vorstellung, ein wild lebender Vogel möchte, wie die Miezekatze auf unserem Schoß, gestreichelt werden!) WIR hatten über die Webcams nun lange Gelegenheit zu staunen, mit welcher Sorgfalt die Falken jede Feder prüfen, pflegen und anordnen. Wir kommen ja auch nicht auf die Idee, eine uns begegnende weibliche Schönheit zu fragen: „Darf ich mal in Ihre Frisur greifen?“

Die häufige Frage in solchen Situationen „Wie ist das für Sie, Herr Gäng, einen wild lebenden Falken zu greifen, zu halten und wieder in die Freiheit zu entlassen?“ ist nicht einfach zu beantworten:

Es ist ein großartiges Gefühl, einem Lebewesen, das uns völlig fremd ist, ganz unterschiedlich von uns geschaffen ist, ganz anders lebt, plötzlich – für Sekunden – sehr nahe zu sein!

Das erste, was man spürt, ist die erstaunliche Kraft, mit der sich der Falke meinem Zugriff zu entwinden versucht. Wie blitzschnell er versucht, mit Klauen und Schnabel meine Hände zu verletzten. Das Fauchen, das man nicht von einem Vogel erwartet. Dann folgen köstliche Momente der Ruhe – wenn nicht gerade Umstehende rufen „Was ist das? Halten Sie ihn mal so, dass ich ihn mit meiner Frau/Mann/Kind fotografieren kann!“ – in denen Falke und ich uns anschauen. Er hechelnd, mit geöffnetem Schnabel, fixiert mich. DAS AUGE DES FALKEN ist das, was mich am meisten fasziniert. Dann das Staunen, die Freude über die ganz nahen Details: Der Falke ist ja ganz sauber! Er riecht gut! Wie schön ist sein Gefieder! Wie wohl geordnet liegen die Federn übereinander! Oh! Diese nadelspitzen Klauen! Dieser Vogel wird nun in großer Höhe fliegen! Nur ganz selten sich in Menschennähe aufhalten, er wird uns als „kleine Ameisen“ tief unter sich völlig ignorieren.

Am schönsten, wenn wie gestern, oben auf dem menschenleeren Umlaufbalkon des Turms, der Falke, von mir aus dem Karton genommen, auf die Steinbrüstung gestellt, nicht sofort davon saust!  Er bleibt stehen, schaut sich um, blickt hinüber zum Schloss, zum Berg und Wald und – wusch! – wie ein Blitz saust er davon!

Ich wünsche Dir ein langes, gutes Falkenleben, fern von uns Menschen, ist dann mein Gedanke. Und: Wieder ein guter Tag auch für mich!

Foto: Dr.KF.R. hält ARTEMIS 19.05.2021

20. Mai 2021|2 Kommentare

Brüderlein und Schwesterlein

Nein, Brüderlein und Schwester! Dieser Schnappschuss (19. Mai, 12.18 Uhr) zeigt MARSILIUS, links und DIANA, rechts , die beiden zu diesem Zeitpunkt noch nicht gestarteten Jungfalken.

Der Größenunterschied ist schon in diesem Alter frappant. Der männliche Falke, Terzel in der Sprache der Vogelkundler, ist lebenslang ein Drittel (lateinisch tertium) kleiner und leichter als der weibliche Falke.

Gestern, als ich das schöne Erlebnis hatte, für kurze Zeit ARTEMIS in den Händen zu halten, war das wieder sehr deutlich: Das Protestgeschrei, der Widerstand, die Aggressivität, das Gewicht und die Größe, das Format der Fänge und deren Griffweite unterscheiden sich deutlich von meinen Erinnerungen an die Terzel, die ich in den beiden letzten Jahrzehnten, bei deren Notlandungen, in den Händen hielt.

Danke, M.H.!

20. Mai 2021|0 Kommentare

Noch ein Falke ist um 9.30 Uhr im Nistkasten

und nagt an letzten Nahrungsresten hinten in der südwestlichen Ecke. DIANA hat wohl als zweitletzte heute am Morgen den Start  gewagt. APOLLO, bereits am 19.Mai gestartet, hat wohl – home, sweet home – noch einmal im Nistkasten übernachtet.

Wir müssen uns, seit 2020, daran gewöhnen, dass ausgeflogene Jungfalken schon am ersten Flugtag so gut unterwegs sind, dass ihnen mühelos wieder der Anflug in den Nistkasten gelingt. Das verwirrt uns etwas.

20. Mai 2021|0 Kommentare
Mehr Beiträge laden
Nach oben