Gängs Tagebuch
Gängs Tagebuch2021-10-04T08:44:30+02:00

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

25.Mai, 2018

Das Falkenauge 1

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Darf ich mal wieder den Lehrer machen?

Foto (M.P.): PALATINA am 9.Mai 2018
Wanderfalken erkennen, beurteilen, jagen ihre Beute aus großer Entfernung, oft aus bis zu 1,5 km Metern Entfernung und aus beträchtlicher Höhe – mehrere hundert Meter! – an!
Im spektakulärem Sturzflug – die Worthälfte -“flug” ist falsch, es ist ja ein Sturz mit angelegten Flügeln – , den sie auf den ersten Dutzend Metern mit kräftigen Flügelschlägen noch beschleunigen, rasen sie in außerordentlich hohem Tempo nach unten!
Man kann gelegentlich auch hier in Heidelberg diesen “stoop” – wie die Angelsachsen sagen – beobachten. Nein, beobachten können wir ihn nicht! Auch einen solchen Stoß zu filmen ist nahezu unmöglich, selbst das Internet kann mit Videos/Filmen kaum aufwarten …
Denn unser langsames Auge – auch der Sucher von Hochgeschwindigkeitskameras – verliert den rasenden schwarzen Punkt, sieht ihn – wenn wir aufmerksam sind –  manchmal nach 2 -3 Sekunden tiefer und weit entfernt wieder zur charakteristischen Falkensilhouette aufsteilen: “Ah, da ist der Wanderfalke wieder!” 
Selten nur habe ich den erfolgreichen Zugriff beobachten können, dagegen viele Fehlstöße! Auch dem Falken fliegen die Tauben nicht in den Schnabel … (Wir kennen das als Sprichwort  “Glaubst Du wirklich, hier fliegen einem die gebratenen Tauben in den Mund?”)
(Denn erfahrene Tauben, selbst hervorragende Flieger mit Rundumblick, kippen im letzten Augenblick seitlich ab und retten sich nach unten.)

Was bedeutet dieser rasende Sturz, der sicher nahe an 250 km/h – oder sogar noch schneller? – heran reicht, für das große Falkenauge? (Hätten WIR Falkenaugen, so wären diese in unserem Schädel so groß wie Orangen!) Das Auge des Wanderfalken muss beim “stoop” offen (!)  bleiben! Denn das Gehirn muss dabei fortlaufend die schwindende Distanz zur Beute “berechnen”, die flüchtende, sich bewegende Beute im Raum verfolgen und die eigene Muskelbewegungen der eingeklappten Schwingen koordinieren.
Wollen WIR das mal ausprobieren?
Bitte sehr:  Also bei 200 km/h auf der Autobahn  das Gesicht – nur der Beifahrer bitte! – aus dem Fenster in den Fahrtwind halten und 3 Sekunden die Augen offen halten! Nein, besser doch nicht…  Die Handfläche, zum Fenster hinaus gehalten, genügt, um uns den Luftwiderstand zu zeigen.
Fragen über Fragen stellen sich uns!
Wenn ein Staubkorn, eine Fliege, Wassertropfen das Falkenauge dabei trifft? Tränen die Falkenaugen? Wie halten sie den Anpressdruck der Luft aus? Wie stellt sich das Auge  so schnell auf die rasend wechselnde Entfernung  und Hell-Dunkel-Werte ein?
24.Mai, 2018

Und wann fliegen die jungen Falken aus?

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Das werde ich in diesen Tagen oft gefragt. Ich vermute, dass zum Wochenbeginn der erste Jungfalke starten wird. Bis der Nistkasten dann leer ist, wird wohl  dann Ende der kommenden Woche sein. Daumen drücken, das der Erstflug nicht auf dem harten Boden landet, sondern in luftiger Höhe über den Dächern der Altstadt.

24.Mai, 2018

Da könnte ich endlos zuschauen

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In dieser Phase der Brutsaison habe ICH immer das größte Vergnügen beim Zuschauen!  Die Cam 3 zeigt uns nun schönere Bilder als die beiden Innenkameras. Wie heute z.B. heute früh diese beiden Jungfalken ihre Welt erkunden.
Geradezu synchron verfolgen sie den Flugverkehr der zahlreichen Vögel, die sich zu ihren Füßen und oben am Himmel bewegen. Bereits jetzt sieht man an winzigen Bewegungen, wie sie ihren Blick fokusieren, einen Vogel ins Visier nehmen, seinen Flug im Luftraum verfolgen, blitzschnell ein anderes fliegendes Objekt erkennen. Das ist, wie wir alle sofort erkennen,  die Vorbereitung und das Training ihres wichtigsten Sinnesorgans!
Danke, Coriena!
 

23.Mai, 2018

Flügeltraining oder Mittagsschlaf?

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Während ein mutiges Fälkchen es sich auch dem Brettchen zwischen Schwelle und Anflugstange bequem gelagert hat, zeigt ein anderes Fälkchen endlich mal ein wenig Muskeltraining. Nur ganz kurz, aber immerhin. Ja, das ist jetzt angesagt!
Danke, loza! (via BCAW)

 
 

23.Mai, 2018

Wanderfalkenfamilie in Worms vergiftet

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Wenn man die Schlüsselbegriffe im Internet eingibt, findet man diese schrecklichen Berichte in allen Bundesländern, auch in der Schweiz. Diese infame Methode, nämlich lebende Tauben mit einem hoch wirksamen Gift zu bestäuben/zu beschmieren, – diesen Tauben dann einige Federn auszur … – nein, ich schreibe: zu entfernen – und diese Ködertaube dann deutlich sichtbar zu befestigen und zu hoffen, dass dieses lebende Opfertier vom Wanderfalken geschlagen und zu seinem Nachwuchs transportiert wird. Das nennt man kriminelle Energie, Auslöser: Hass!
Wenn ich mich richtig erinnere, ist bereits vor einigen Jahren eine Wanderfalkenfamilie am Dom in Worms von einem Tag auf den anderen  „verschwunden“, obwohl auch dort der Nistkasten nicht zugänglich ist. Damals gab es keine Beweise. Nun aber, wie vor Jahren am Heizkamin Josefstraße in Zürich, Schweiz lag eine erbeutete Taube bei den getöteten Falken. Selbstverständlich ohne Ring. Ich hoffe, dass der Köder und die getöteten Falken untersucht werden. Dass Polizei und Staatsanwalt aktiv werden.
Im „artenschutzbrief 22, April 2018, des Komitee gegen den Vogelmord e.V. ist auf den Seiten 20/21 diese schreckliche Methode in Text und Fotos belegt, so Grauen erregend, dass ich es hier niemand zumute.
Ich getraue mir kaum vorzustellen: Der Wanderfalke lässt die mit hoch wirksamem Kontaktgift bestrichene Taube unterwegs fallen. (Das geschieht gelegentlich.) Ein Mensch, ein Kind nimmt diese Taube in die Hand, legt sie wieder ab. Berührt wenig später mit der Hand seine Lippen…
Wormser Domfalken tot – SWR

23.Mai, 2018

Die nächste Stufe zum Flüggewerden

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steht nun bevor.  Bald wird sich nun der mutigste Jungfalke hinaus auf die Anflugstange wagen! Die Geschwister folgen dann in den nächsten Tagen. Interessant in diesem Jahr ist, dass wir noch immer genau erkennen, in welcher Reihenfolge der Nachwuchs aus dem Ei schlüpfte, es lagen zwischen dem ersten und dem letzten Schlupf sieben Tage! Ich bin gespannt, wer demnächst als erste/r  ausfliegen wird!

22.Mai, 2018

„Zeigt her Eure Füße, zeigt her Eure…“

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Foto von der Beringung am 9. Mai, danke Dr. V.P.
 
 
 
 
 
Schon jetzt benutzen die Fälkchen recht geschickt ihre Fänge. Sie kratzen sich damit am Kopf, und greifen schon gezielt nach Beuteresten. Ihre Füße erscheinen uns viel zu groß! Die Fänge der GREIFvögel sind auf die spezifische Nahrung spezialisiert: Greifvögel, die ihre Beute in der Luft ergreifen – wie die Wanderfalken – haben lange, schlanke Zehen für eine maximale Griffweite, mit langen, spitzen, stark gekrümmten Klauen. (Mehrfach haben ich diese schon bei der Beringung bei den Küken scmerzhaft kennen gelernt.) Große Greife wie die Harpyie (Harpia harpyja), die in den tropischen Wäldern Mittel-und Südamerikas sich meist von Affen ernährt, besitzt einen kurzen kräftigen Tarsus (Vorfuß), kräftige Zehen und stark gekrümmte Klauen, deren hintere Klaue 7 cm lang werden kann. Drei Klauen ragen nach vorn, die Außenklaue ist besonders lang, die neben der Mittelklaueliegende Atzklaue wird zur Nahrungsaufnahme oft zum Schnabel geführt. Nach hinten ragt die kräftige Fangklaue. Bei großen Greifvögeln – wie auch oft beim Wanderfalken – überwältigt beim schnellen Auftreffen des Falken aus großer Höhe herabstoßend der Aufprall  der geballten Fänge im Moment des Schlages die Beute. Die Tarsi großer Adler verfügen zusätzlich über Muskeln um den Zugriff zu verstärken, während die Tarsi der meisten Vögel nur aus Haut, Sehnen und Knochen bestehen. Beim Fischadler wendet sich eine zweite Klaue nach hinten, um den glatten Fisch sicher zu greifen, zudem erfolgt eine Art Krampf/Verriegelung der Zehen, die manchmal dazu führt, dass gelegentlich schwere Fische den Fischadler unter Wasser ziehen und er ertrinkt, bevor er seinen Griff lösen kann. Bei den Greifvögeln unterscheidet man “Grifftöter“, die mit Ihrem Zugriff töten (z.B. Sperber und Habicht) und “Beisstöter“, zu denen der Wanderfalke gehört. Diese durchtrennen das Genick der Beute. Beide Methoden führen bei den Beutetieren zu einem schnellen Tod.

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Und nun schläft ein Junior

Im Vergleich zum vorigen Schnappschuss:

Jungfalken haben eine braune, längsgestreifte Brust, siehe hier! Bei erwachsenen Falken sehen wir ein quer, „gesperberte“ gestreifte Brust.

Ich habe ein Brustbild von Zephyr darunter gesetzt.

25. Mai 2021|1 Kommentar

Herzlichen Dank für Lob, Anerkennung und Spenden

Die lobenden und anerkennenden Rückmeldungen an mich  über diese Website (Kameras, Tagebuch und meine Antworten auf Fragen, die dort oder auch über eMail an mich gerichtet werden), freuen mich sehr. Ich gebe das gerne weiter an meine Mitarbeiter, die mich unterstützen (Webmaster, Pfarrei, Umweltamt, Technik, Helfer im Turm).

Wie in den Vorjahren: Die drei Webcams laufen ganzjährig weiter, es lohnt sich, ab und zu mal nachzuschauen, ob ein Falke da war/ist. Früher war nach dem Ausfliegen des letzten Jungfalken Sendepause bis zum Herbst, wenn ZEPHYR zum Übernachten auftauchte. Heute sind wir erstaunt, dass die beiden jungen Terzel täglich zu sehen sind und auch über Nacht  im Kasten bleiben.

Ich werde, wie bisher, auch das Tagebuch weiterführen, wenn etwas aus meiner Sicht an Informationen zu geben ist. Selbstverständlich nun in weit geringerem Umfang, denn ich werde nun auch wieder – hoffentlich – außerhalb von Heidelberg unterwegs sein. Zudem habe ich noch viele andere Interessen.

Im Februar 2021 erhielt ich zuletzt vom Kassier des NABU Bericht über eingegangene Spenden und konnte mich bei Ihnen mit Namenskürzeln bedanken. Nun finden demnächst Neuwahlen beim NABU HD statt. Von der neuen Kassenführung erhalte ich dann bestimmt Nachricht über Spenden, die für die Heidelberger Wanderfalken in den letzten Monaten eingegangen sind.

Schon jetzt: HERZLICHEN DANK!

24. Mai 2021|1 Kommentar

Bettelflugperiode

nennen wir diese vier bis sechs Wochen nach dem Ausfliegen.Der Bewegungskreis der Jungfalken vergrößert sich allmählich und beim gemeinsamen Fliegen üben sie das Verfolgen, das Herabstoßen, das Fangen und Greifen. Man kann Scheinangriffe auf die Geschwister, auf die Eltern und andere fliegende Vögel beobachten.

Wir Heidelberger können das, mit einem Feldstecher bewaffnet,  recht gut von der Scheffelterrasse im Schlossgarten, vom Stückegarten an der Schlossruine , auch vom östlichen  Philosophenweg aus beobachten. Oft wird das Gezeter und Geschrei unseren Blick lenken.

24. Mai 2021|0 Kommentare
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