Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.
Ein hübscher Terzel ist ZEPHYR, nicht wahr?
Am 15. Juni, 15 Uhr 15 . Und wie er – fast kokett – in die Cam 2 schaut!
Danke, Dirk W.!


Eine riskante Zeit für die jungen Falken
Nun häufen sich die Nachrichten von gestorbenen oder verunfallten Jungfalken in der weltweiten Gemeinschaft der Freunde/Freundinnen des Wanderfalken! Gelegentlich fällt während der Aufzuchtzeit ein Elternteil aus, dann ist die Aufgabe der Beutebeschaffung kaum zu schaffen. Es liegen in manchen Nistkästen und Horsten Resteier, die nicht befruchtet wurden oder in denen die Embryonen sich nicht voll entwickelten. Küken sterben aus unbekannten Gründen in den ersten Tagen, spät geschlüpfte Küken bekommen gegenüber den älteren Geschwistern zu wenig Nahrung und sterben. Küken stürzen aus dem Horst oder Nistkasten und sterben. Beim Erstflug prallen die Jungfalken an Glasfronten und sterben.
Ich habe z.Zt. Bedenken, ob alle vier Heiliggeist-Jungfalken noch in der Luft sind. In den Vorjahren erreichte uns in dieser Phase Berichte und Fotos/Videos, die uns Gewissheit gaben, dass die Familie vollständig ist. Das fehlt uns 2018.
Als ich heute gegen 11 Uhr vom Marktplatz zum Uniplatz ging hörte, ich einen weiblichen Falken schimpfen – ich habe gute Ohren und kann Terzel und Weibchen an der Stimmlage und Lautstärke erkennen und unterscheiden. Er querte recht niedrig fliegend vom Gaisberg kommend zum Neckar fliegend die Hauptstraße. Ich erkannte das braune Jugendkleid. Altfalken fliegen nie so tief über die Dächer. Gleichzeitig stand oben auf dem Turmkreuz ein anderer Falke. Ich erkannte nicht, ob alt oder jung.Das laute Schimpfen galt aber bestimmt einem konkurrierenden Geschwister, den ich nicht sah.
Ausgezeichnet ist das, was wir hier machen
meint, wie bereits 2014 und 2016, eine Fachjury der UN-Dekade Biologische Vielfalt und hat unser Projekt zur Wiederansiedelung wild lebender Wanderfalken in Heidelberg wieder prämiert. Das ehrt uns und freut uns!

Dramatischer Kampf um den Nistplatz
An der Kathedrale von Salibury, GB, einem traditionellen Nistplatz der Wanderfalken seit Jahrhunderten (!), gab es dieses Jahr keine Jungfalken! Wie immer wieder zu beobachten, tauchten am Nistplatz bei beginnender Balz neben dem residierenden Paar „Störfalken“ auf, in diesem Fall ein neues Paar. Die beiden Paare suchten getrennt und zu unterschiedlichen Zeitpunkten den Nistplatz auf, lange Zeit wusste man nicht, wer sich durchsetzen würde. Schließlich kam es zu einem show-down, dem Kampf zwischen den beiden weiblichen Wanderfalken, der nach 21 Uhr (!) begann und sich über eine Stunde lang (!) auf dem Gesims des Kirchturms zutrug.
Wie bei uns – am 25. März 2009 beim Kampf von AURORA und JETTA – verkrallten sich die Fänge der beiden Falken ineinander, die Falken stemmten sich voneinander ab um sich vor dem Schnabel der Gegnerin zu schützen. Was uns wie ein Ringkampf erscheint, ist der Versuch, der Gegnerin an den Hals zu gelangen um sie zu töten! Das geschieht gelegentlich. In Salisbury erfolgte der lange Kampf, wie bei uns 2009, eher in einer Art“Fingerhakeln“ – Wer ist stärker? -, denn nach langem Kampf endete er plötzlich überraschend schnell. Wie zu erwarten, „siegte“ die Platzhalterin und blieb demonstrativ dann über Nacht auf „ihrem“ Nistplatz. Oft siegen aber auch junge Weibchen über die älteren.
Voraus gingen selbstverständlich weitgehend unbeobachtet gebliebene Auseinandersetzungen in der Luft, so dass beide Paare keine Zeit und Ruhe für die Balz hatten.
Peregrines 2018: a Tale of Romance and Intrigue | Salisbury Cathedral
Meine erste Sichtung eines Jungfalken
dieses Jahrgangs in der Luft war heute Vormittag in der westlichen Heidelberger Hauptstraße. Ich hatte mich bereits am Anblick von etwa zwei Dutzend (!) kreisenden und kreischenden Mauerseglern am Himmel gefreut, als ich diese bei einem zweiten „Hans-guck- in- die- Luft-Blick“ deutlich höher (!) kreisend erblickte.
Unter ihnen segelte gemächlich kreisend etwa in doppelter Haushöhe ein „brauner “ Wanderfalke, also ein Jungfalke, den ich in der Sonne gut erkennen konnte. Noch bedeutet der Jungfalke für die schnellen Segler keine Gefahr, aber er kann sich am akrobatischen Flug ein Beispiel nehmen! Leider haben die Wanderfalkenterzel in den Vorjahren – wenn auch selten – ab und zu einen Mauersegler als Beute in den Kasten getragen. Früher hätte ich das nie geglaubt, dass sie auch diese rasanten Vögel erwischen.
Jungfalke trainiert seine Balance
am Sonntag, 10. Juni, im Regen auf dem Kappellchen der Turmspitze von Heiliggeist. Ein warmes Bad kann ja nicht schaden… 🙂
Herzlichen Danke, Melanie & Coriena!
Und wie schnell ist der Falke im Sturzflug?
Diese Frage ist noch beliebter als die vorausgehende, aber auch sehr umstritten. Die Schätzungen der Fachleute reichen von vorsichtigen 250 km/Std. (Dieter Rockenbauch, 2002) bis zu 480 km/Std.(White et al. 2002). Theoretisch könnte ein Vogel von der Größe und Tropfenform eines senkrecht herabstoßenden Wanderfalken etwa 365 bis 381 km/Std. erreichen (Orton, 1975), die Anziehungskraft auf einen 500-g-Terzel könnte diesen auf 90 m/sec und ein 1100-g-Weibchen auf 100 m/sec beschleunigen (Tucker et al. 1998).
Das sind wohl eher physikalische Überlegungen!? So gesehen könnte ein Steinadler mit 4 000 g bis 5 000 g Gewicht dann aber noch schneller herabstürzen? Ist das so? Es ist also Spekulation in solchen Überlegungen, genaue Messungen scheinen noch immer zu fehlen. Mit offenem Mund konnte auch ich (in fünf Jahrzehnten!) nur selten mit dem Feldstecher beobachten, was den Menschen seit Jahrtausenden am Wanderfalken fasziniert: Der Falke beschleunigt anfänglich den senkrechten Sturzflug zusätzlich mit energischen Flügelschlägen! Von diesen ersten Sekunden findet man im Internet Filmaufnahmen (Falke verfolgt Federspiel aus der Hand eines fallenden Fallschirmspringers). Welch ein Anblick muss das für den Falken sein, wenn beim „stoop“ auf einen Beutevogel ihm dann die Erdoberfläche entgegenrast! Wie kann er dabei die Augen offen halten? Wie behält er die Beute im Blick? Wie kann er dabei mit den Mesken, besonders harten “Daumenfedern” am Handgelenk seiner Flügel, steuern? Wenn er in diesem Tempo mit einem größeren Insekt zusammenstoßen würde, ein Staubkorn sein Auge treffen würde? Natürlich verliert man als Zuschauer/Kameramann den herabrasenden Punkt schnell aus dem Feldstecher/Sucher. Setzt man den Feldstecher/Kamera ab und erblickt dann mit den suchenden Augen – hoffentlich – den “zusammengefalteten” Falken – wie aus dem Erdboden geschossen – ohne Flügelschlag senkrecht nach oben zur Beute rasen, ahnt man die Rasanz einer solchen Parabelflugs. Erst im letzten Augenblick öffnet der Falke Flügel und Stoß zum Bremsen und Korrigieren und schlägt mit zusammen geballten Fängen die Beute oder ergreift diese. Ein ganz erstaunliches Naturerlebnis, jedem Vogelfreund zu wünschen, so etwas beobachten zu können…
Der schnellste Vogel der Welt
So steht es in den Vogelbüchern und es ist eine der häufigsten Fragen, die man mir stellt: Wie schnell fliegt der Wanderfalke?
Ich greife auf die jüngsten Veröffentlichung (2018) zurück, jene von Giacomo del’Omo, der dem römischen Wanderfalken-Terzel SETI 2017 einen GPS-Sender auf den Rücken befestigen konnte und so Daten sammeln konnte :
SETI ruhte 90% des Tages und flog mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 km/h. Die höchste gemessene Geschwindigkeit lag bei ihm bei 192 km/h, wobei wohl die GPS-Messung an ihre Grenzen kam. Was fand ich 2004 bei einer Suche in der Fachliteratur?
Die Geschwindigkeit im Horizontalflug beträgt beim Wanderfalken etwa 64 bis 88 km/Std. (White et al. 2002). Die höchste Geschwindigkeit eines wilden Wanderfalken, der im Horizontalflug flach über der arktischen Tundra jagte, wurde mit Zielfolgeradar aus einem nachfolgenden Hubschrauber mit 113 km/Std. gemessen (White und Nelson, 1991). Ken Franklin (1999) erwähnt einen menschengeprägten Wanderfalken, der einem Kleinflugzeug mit 120 km/Std. Fluggeschwindigkeit in 3.659 m Flughöhe folgen konnte. FRITZ, ein Vorgänger unseres Terzels ZEPHYR, trug – leider! -mehrfach auch sehr schnell fliegende Vögel wie Mauersegler in unseren Nistkasten ein. Die internationale Wanderfalkenliteratur schätzt die Höchstgeschwindigkeit im Horizontalflug zwischen 110 und 120 km/Std., ein flügelschlagender Wanderfalke ist also etwa so schnell wie ein Gepard, der bei der Jagd in der flachen Serengeti für wenige Sekunden diese Geschwindigkeit erreicht.
ZEPHYR am Nachmittag
entspannt und gelassen. Ein ausgesprochen hübscher Terzel, nicht wahr?
Danke, loza!
„Ich hätte diesen Falken gerne einmal gestreichelt!“
Das höre ich nach jedem Einfangen-und-wieder-auf- den Turm- setzen-Einsatz von Menschen, die sich das Ereignis von mir berichten lassen! Meine schnelle Antwort lautet immer: „Nein, das dulde ich nicht!“ Wenn wir Menschen gerne gestreichelt werden und gerne uns nahestehende Menschen streicheln, so ist das für ein wild lebendes Tier eine bedrohliche Situation! Ich wundere mich über diesen Wunsch. Man sieht doch auf den Fotos, wie der Falke zu flüchten versuchte, wie er sich gegen meinen Zugriff sträubte, sich mit Klauen und Schnabelhieben wehrte! Augenzeugen hören ihn fauchen und sehen den erschreckten Blick! So schnell wie möglich setze ich ihn in das Dunkel des Kartons und dann wieder hinaus in die Freiheit. Er soll sich nicht an Menschen gewöhnen und nicht mehr in eine Menschenhand gelangen!
Manchmal folgt die Frage: “Wie fühlt sich das für Sie an?” Da ist meine Antwort dann nicht so schroff. Es ist ein besonderes Gefühl, das in starker Erinnerung bleibt! Dieser Vogel war doch vor 40 Tagen noch im Ei! Dann eine Woche ein winziges weißes Geschöpf! Der erste Eindruck ist: Welche Kraft steckt schon diesem kleinen Körper! Wie heftig versucht der Falke sich zu entwinden! „AU!“ – Wie spitz die Klauen, wie scharf und hart der Schnabel! Wie schnell pocht das Herz in diesem Körper, an dem ich jeden Knochen spüre. Diese Augen! Riesengroß, ich sehe in ihnen mein Spiegelbild. Da ist ja eine Zunge im Schnabel! Wie schön das Gefieder, jede Feder liegt perfekt angeordnet.
Wie eindrucksvoll und bewundernswert kann Natur sein!

Verräterische Spuren
entdecken wir – über Cam 2 – im frischen Bodenbelag. Da hat ein Besucher mal kurz nachgeschaut, ob es hier noch etwas zum Knabbern gibt!
Blick aus dem Nistkasten
Nun ja, das Ausräumen des Nistkastens nach der Saison gehört nicht zu den schönsten Erlebnissen. Dafür ist mein Blick hinaus jedesmal schön!
Fotos aus den Vorjahren…


ZEPHYR in der Nacht und PALATINA am frühen Morgen
Ich erhalte die Meldung , dass heute ein Falke auf der Anflugstange übrnachtet hat.
Herzlichen Dank, M.H., C.G., E.E. und S.F.!
!
Wanderfalke ? Wanderfalter!
Aufmerksame Besucherinnen haben heute um 12.24 Uhr einen besonderen Besucher erkannt.
Danke, M.H. und T.P.!

ZEPHYR, wer wäre sonst so präsent?
Kaum bin ich für kurze Zeit außerhalb der Stadt, so bewacht ZEPHYR den Turm!
Er stand bereits gestern um 22.34 Uhr dort.
Danke für die Meldungen und Fotos, A.B., M.H., C.G.,T.P.,E.E.!


Besuch von DIANA
Das ist sehr erfreulich! Die Beringung S DS ist ablesbar.Seit ihrem Ausfliegen am 20. Mai hatten wir keine dokumentierte Nachricht über ihr Leben.
Jedes Jahr traue ich es kaum zu erwähnen, dass bereits im ersten Lebensjahr der jungen Wanderfalken – statistisch gesehen – mehr als die Hälfte zu Tode kommt: Meist durch Aufprall bei ihrem Jagdflug auf Fahrzeuge oder Glasfassaden hoher Gebäude, mit der Rückkehr des Uhu aber auch auch oft in den Fängen dieser Großeule.
Danke, D.B.!


Herzlicher Dank zum Ende der Brutsaison 2021
Vom Vorstand des NABU Heidelberg habe ich heute die Auflistung der Spenden für das Projekt „Wiederansiedelung wild lebender Wanderfalken in Heidelberg nach 47 Jahren Abwesenheit“ für den Zeitraum 28. Januar 2021 bis 8. Juni 2021 erhalten.
Herzlichen Dank an den Kassenführer Herrn A.K.!
Seit meinem letzten DANKE SCHÖN! am 29.Mai 2021 (für die Monate Januar bis Mai ) sind weitere Spenden eingegangen, für die ich mich – auch im Namen der zehntausenden Besucher der Website in dieser Saison – herzlich bedanke!
Denn ohne eine stabile finanzielle Grundlage wäre die Unterhaltung dieser Website, die Kameras, die Technik, die Streamingkosten u.s.w. nicht möglich! (Der Webmaster, die Unterstützer in der IT der Stadtverwaltung, der Heiliggeistkirche, des NABU Heidelberg, meine praktischen Helfer und ich arbeiten selbstverständlich ehrenamtlich.)
Für ihre Spenden im Mai und Juni bedanke ich mich bei Frau A.Sch., Frau G.O., Frau M.W., Frau S.M., Frau C.E., Herrn MA.R., Frau Dr.S.L., Frau M.H., bei W.-B., Frau B.G.-D., Frau A.Z.und M.Z., Herrn U.K., Frau K.S., Frau Ch.S.-A., Frau S. M.-B., Frau A.M., Frau S.T., Frau S.E., Frau I. Sch., Herrn F.S., Frau Dr. S.C.
PALATINA am 21. Juni
Danke, C.G.!
