Gängs Tagebuch
Gängs Tagebuch2021-10-04T08:44:30+02:00

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

Seit 1999 schreibt Hans-Martin Gäng das Tagebuch über die Heidelberger Wanderfalken. In über 5000 Einträgen können Sie nachlesen, was seit 1999 alles passiert ist. Dort finden Sie auch viele Informationen zur Biologie des Wanderfalken und zum Verlauf der Brut und Aufzucht des Nachwuchses.

1.Aug., 2018

Blaufußfalke

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oder schlicht Blaufuß nannte man früher und gelegentlich auch den Wanderfalken. Im soeben erschienenen „Lexikon der Farbe Blau“ von Dietmar Schuth, herausgegeben von Blau e.V., Schwetzingen lese ich auf S.135 „… nistet gern auf alten Kirchtürmen wie dem der Heilig-Geist-Kirche in Heidelberg, im Mittelalter Herberge der berühmten Bibliotheca palatina, die u.a. das Falken-Buch des Kaisers Friedrich II. hütete… In der Mythologie ist der Falke generell ein positiv besetztes Tier, ein Gegenspieler zum düsteren Adler, gerne ein Attribut der Götter: als Bote des griechischen Gottes Apollon oder als Horusfalke Ägyptens, der häufig ganz in blauem Lapislazuli, Türkis oder blauer Fayence dargestellt wurde. Im Mittelalter gehörte der Falke zu den privilegierten Attributen der (blauen) Ritter und erscheint in der Heraldik häufig als ganz blauer Vogel“.
Das grau-blaue Rückengefieder, das ZEPHYR & PALATINA  – über Cam 3 gesehen –  kaum vom dunklen Schieferdach der Turmhaube unterscheidet, bestätigt, dass der Wanderfalke in der Heraldik ein blauer Vogel sein sollte.

26.Juli, 2018

Haben Wanderfalken Gefühle?

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Diese Frage passt zu den Bestsellern, die uns z.Zt. in den Buchhandlungen auffallen, z.B. „Das geheime Leben der Bäume“ (2015), „Die Weisheit der Wölfe“ (2017), „Die Intelligenz der Bienen“  (2016), „Die Liebe der Tiere“(2017), „Die Gefühle der Tiere“ (2016). Jeden Monat entdecke ich  ähnliche Titel.
Dass Vögel keinen einfachen Automaten ähneln, die auf Reiz mit einer Reaktion antworten, sondern – wie fast alle Lebewesen – höchst komplizierte  Verwandte (mit einer längeren Evolutionsgeschichte als der unseren) sind, lernen unsere Kinder in der Schule. Vögel sind von den Säugetieren (zu denen auch die Spezies Mensch gehört) entwicklungsgeschichtlich deutlich abgetrennt, also weit entfernte Verwandte!  Dennoch teilen wir Menschen mit den Vögeln eine entscheidende Gemeinsamkeit: Während Säugetiere ihre Welt meist mit dem Geruchssinn erschließen, nehmen Vögel – der Wanderfalke! – die Welt genau wie wir zunächst mit den Augen wahr!
Die australischen Keas und Raben in aller Welt spielen mit sichtbarem Gaudi, ich sah schon Krähen Nüsse vom Hausdach in die Regenrinne kullern lassen und diese erneut hochtragen. Da kommt man schon auf den Gedanken, das Unähnliche wäre uns ähnlich und unsere Empathie wird geweckt.
Wenn ich staunend in den oben genannten Büchern blättere, so sehe ich, dass die Autoren sich gleichsam mit menschlichen Eigenschaften (Wesen/ Seelenleben) in die Tiere oder Bäume denken und nach Ähnlichkeiten suchen. Solche Analogien bleiben unscharf und erinnern mich an Menschen, die Haustiere als Familienmitglieder ansehen und mit ihnen wie mit Menschen sprechen. Früher berichtete man das nur von Heiligen und Kindern.
Dass wir Menschen, heute von Monokulturen, Betonwüsten, Klimawandel und Artenschwund (Insekten!) bedroht, uns verstärkt für die Natur interessieren, ist aus meiner Sicht hoch erfreulich. Auch ich schaue im Fernsehen am liebsten Natur- und Landschaftsdokumentationen.
 

18.Juli, 2018

Wormser Wanderfalkenfamilie wurde vergiftet

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Was Wanderfalkenschützer bereits im Mai vermutet hatten, wurde nun – endlich! – von der Staatsanwaltschaft Mainz bestätigt. Das Weibchen und die drei Falkenküken waren mittels einer ausgesetzten Locktaube vergiftet worden! Diese bedauernswerte Taube, deren Schwungfedern beschnitten waren, damit sie  – unbeholfen fliegend – dem Falken zur Beute werden sollte, war mit einem starken Gift beschmiert worden.
Nicht auszudenken, was geschehen könnte, wenn ein Tierfreund diese Gifttaube gefunden und arglos untersucht hätte…
Hoffentlich wird der Täter gefasst!
Falken im Wormser Dom sind mit präparierter … – Wormser Zeitung
Tödlicher Giftanschlag auf Wanderfalken vom Wormser Dom – RTL.de

18.Juli, 2018

Besuch vom kleinen Verwandten

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Das hatten wir hier noch nie!
Ein Turmfalken-Terzel sonnt sich an diesem schönen Sommer-Vormittag. DIESE Wohnung ist nicht für ihn bestimmt! Wir haben vor Jahren für Turmfalken u.a. bei der Sanierung des  Dicken Turm der Schlossruine  hoch oben eine traditionelle Turmfalken- Nische für die nächsten Jahrhunderte gesichert und im Hexenturm nahe der Jesuitenkirche einen Nistkasten installiert. Beide Nistgelegenheiten für Falco tinnunculus wurden in den letzten Jahren leider von den Nilgänsen erobert.
Den Eingang zum Hexenturm-Nistkasten haben wir 2018 verkleinert, so dass nur noch die Turmfalken hinein können.
Pass auf, kleiner Falke! Die größeren Wanderfalken werden Dich hier nicht dulden!
Danke, Coriena!
 
 
 

16.Juli, 2018

Das Falkenauge 5

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Dieses Jahr konnte ich folgende Szene nicht beobachten, denn die vier Jungfalken standen – vor ihrem Ausfliegen – selten gemeinsam außen auf der Anflugstange. Wenn ich aber in den Vorjahren während dieser Phase gelegentlich unten auf dem Marktplatz beim Eisbecher saß, spielte sich manchmal das ab:
Vier Jungfalken “gieren” gleichzeitig und recken die Köpfe. Sie haben Mutter oder Vater im Anflug mit Beute in den Fängen entdeckt! Der Altfalke kommt – fast immer – in einer großen Kurve einschwenkend über das Palais Boisseré und Rathausdach direkt auf den Nistkasten zu geflogen! Am späten Nachmittag steht dann die Sonne direkt hinter dem Heiliggeistkirchturm! Der in beträchtlichem Tempo herbei rauschende Falke fliegt also die letzten 50 m direkt auf die Sonne zu und fliegt auf den letzten 20 m zur Anflugstange in den schwarzen Schlagschatten des Turms. Was bedeutet das für seine Augen und sein Gehirn? Jeder unserer Besucher kennt diese Situation von den Bildern der Webcam 3, die etwa in gleicher Position wie der anfliegende Falke – 6 m tiefer auf dem Sterbeglöckchenturm des Kirchendachs  – zum Nistkasten schaut! Denn  in diesen langen Minuten versagt die teure Optik! Gleichzeitig direkt in Richtung grelles Sonnenlicht und in den schwarzen Schatten filmen, das kann die Kamera nicht, auch unsere Menschenaugen versagen bei dieser Aufgabe: Auch wir brauchen einige Zeit um unseren Blick vom hellen sonnigen Himmel zum Blick in das schwarze Gully-Loch anzupassen, in das wir gerade unseren Autoschlüssel fallen ließen…
Kein Problem für die Falken! Deren Augen können offensichtlich blitzschnell umschalten! Grell hell, nun dunkel! Absolut sicher bremst der Falke in Sekundenbruchteilen seinen Flug ab, findet die Lücke über den vier kreischenden und flatternden Jungfalken, die  den Eingang blockieren, und “plumpst” mit der Beute in den Fängen in den Nistkasten.
Das sind AUGENBLICKE, die mich sprachlos machen: Was müssen die Falkenaugen, das kleine Gehirn, die Nerven, die Muskeln, die Fänge in Sekundenbruchteilen verarbeiten! Und statt sich der Falke – eine Sekunde, bitte! – etwas entspannen könnte, fallen die Jungfalken ihn sofort geradezu an: Hunger!!

16.Juli, 2018

Spuren im Sand

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zeigen uns, dass ab und zu ein Falke den Nistkasten besucht. Auch wenn es jetzt nichts Besonderes zu sehen gibt, übertragen unsere drei Webcams wieder nach einer Sommerpause.
Danke an Benjamin P. in der Informationsverarbeitung der Stadtverwaltung!

15.Juli, 2018

Das Falkenauge 4

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Foto: Stefan Kresin+2002, AURORA atzt (Ausschnitt)

Da war doch im Bio-Unterricht – kurz bevor uns die  Äuglein zufielen – irgend etwas mit “gelber Fleck” (Fovea) auf der Netzhaut? Vergessen?
Na gut: Die Fovea ist eine trichterförmige Vertiefung auf unserer Netzhaut (Die prüft unser Augenarzt, wenn er unseren Augenhintergrund betrachtet!), wo die Sinneszellen besonders dicht gepackt sind. 50% unserer Sehnerven führen von dieser Stelle in das Gehirn!
WIR haben dort etwa 200 000 Sinneszellen pro Quadratmillimeter, der Wanderfalke über eine Million! Allein das verleiht ihm – schätzt man – eine achtfach höhere Leistungsfähigkeit im Vergleich zu unserem Auge. Taggreifvögel haben eine zweite, temporale Fovea neben der tief liegenden. Sie sorgt für eine binokulare Sicht in Zusammenarbeit mit der monokularen Scharfsicht der trichterförmigen Fovea! Wanderfalken sehen deshalb mit EINEM Auge besonders scharf! Wie oft haben wir schon hier im Kasten ganz verdrehte Falkenköpfe gesehen, wenn die Jungen oder Alten mit einem Auge etwas – z.B. eine Fliege auf einem Beuterest –  betrachteten! Ebenso wundern wir uns, wenn bei Jagdflügen Wanderfalken  der Beute nicht geradlinig nachfolgen, sondern aus einem Winkel  die Beute anjagen, in dem sie die Beute nur mit einem Auge sehen. Sie können auch mit EINEM Auge sehr gut fokussieren! (Das können übrigens auch Schwalben und  Mauersegler.) Nutzen die Wanderfalken beide Foveae gleichzeitig, so können sie also den Beutevogel punktgenau fixieren und gleichzeitig den breiten Horizont scharf sehen!

“Da war doch noch was mit Stäbchen und Zapfen …” – Gut aufgepasst, das gibt ein Fleißkärtchen! – : Von den zapfenförmigen Sehzellen – für Farben zuständig – verfügen Wanderfalken über vier, vielleicht auch fünf Arten, wir Menschen nur über drei!

Das bedeutet, dass Wanderfalken über ein völlig anderes und ausgeprägteres  Farbsehen verfügen! (Wir kennen das von den Insekten, inzwischen weiß man, dass auch Fische, selbst Schildkröten, ein weit höher entwickeltes Farbsehen haben als die Säugetiere.)
Wir Menschen, mit “schlechter” Farbsicht und “wenigen” Sinneszellen im Auge ausgestattet, lassen uns im Kino schon mit der Abfolge von 25-30 “stehenden” Fotos (!)  pro Sekunde als “Film” übertölpeln, ein Wanderfalke mit etwa 10-fach größerer Sehstärke und uns unbekannter Farberkennung würde da nur eine “langsame” Abfolge von Fotos in schwächlicher Färbung sehen…
Klingeling! Ende der Lektion! Ihr könnt in die Pause gehen! Und: Augen auf!

 

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