Nun kommt allmählich das letzte Kapitel des Weges  “Vom Ei zum Falken”. Sechs Wochen nach dem Schlupf im Nistkasten lockt nun außen der weite Himmel. Das Quartett wird jetzt viel Zeit außen auf der Stange verbringen. Kein Wunder, dass wir Besucher bei Cam 3 manchmal warten müssen, bis wir zugelassen werden. Noch vermisse ich das intensive, etwa zwei bis vier Sekunden anhaltende Flügelschlagen im Nistkasten, das die Brustmuskeln kräftigt. Da erscheinen mir die Jungfalken des Saison 2019 noch recht zurückhaltend. Ich würde auch gerne häufiger das Ballieren sehen, so nennt man das Hochspringen, bei dem die jungen Falken das Landen und Zugreifen üben. Dabei wird das Zielen und das Körpergefühl im Luftraum eingeübt. Das haben die 61 Vorgänger bisher auch im engen Nistkasten einüben müssen. Das ist ein Punkt, bei dem das Aufwachsen in einem Naturhorst – also Felswand, Steinbruchwand –  im Vergleich zu unserem Nistkasten vorteilhafter ist. (Nun ja, die meisten kameraüberwachten Falken-Nistkästen, die ich im World Wide Web aufsuche, sind eher kleiner und niedriger als der unsrige.)

Denn an den Naturhorsten in den Felswänden würden jetzt die jungen Falken zu Fuß  und dabei flatternd die nähere Umgebung zu erkunden versuchen. Sie klettern  dabei auch – falls möglich – gelegentlich einige Meter seitwärts oder hinauf. Meist rutschen sie ein Stück hinunter und benötigen oft Stunden, um wieder in den – sicheren – Horst und zur Nahrung zurück zu klettern oder zu flattern. Diese Phase ist riskant. Ich erinnere einen Vorfall im Nordschwarzwald , an dem ein noch nicht flügger Jungfalke bei seinen Klettereien schließlich unten am Fuß der Felswand ankam. Am nächsten Tag war er verschwunden, vermutlich hatte ihn der Fuchs mitgenommen, den wir gelegentlich unten an den Federn und Beuteresten schnuppern sahen.