Das erwartet man eigentlich nicht. Aber schon im bekanntesten Falkenbuch (Kaiser  Friedrich II. de arte venandi cum avibus, um 1250), das sich einmal auf der Empore der Heiliggeistkirche befand, finden wir dieses hübsche Bild: Ein wandernder Falke ruht sich auf einem Schiff aus. s.u.

Roger & Leatherwood (1981) waren auf einem der beiden Schiffe der US National Oceanic and Atmospheric Administration nahe eines kleinen Atolls im Pazifik 2.600 km westlich von Costa Rica und 2.600 km nord-westlich der Galapagos-Inseln. Zwei-einhalb Tage nach einem Sturm aus Nordwest landeten ein Wanderfalke und zeitgleich ein Fischadler auf den beiden Schiffen.Die beiden Biologen beobachteten zunächst eine Auseinandersetzung der beiden, wer den höheren Mast der Schiffe (19 m und 25 m) als Ruheposten besetzen durfte. Der Falke dominierte den Adler. Im Direktflug – nicht im Stoßflug – griff nun der Wanderfalke Leach`s petrels (Oceanodroma leucorhoa),-  auf Deutsch Wellenläufer – eine kleine Sturmvogelart an. Von 11 Angriffsflügen waren acht erfolgreich, die Vögel wurden oberhalb der Wasserfläche geschlagen. Den sonst üblichen Stoßflug vermied der Wanderfalke, kein Wunder bei hohem Wellengang. Der Fischadler griff  sich dagegen Fische aus dem Pazifik und blieb vier Tage auf seinem Schiff, der Wanderfalke fünf Tage auf seinem.

Dieser Bericht zeigt, wie gut sich Wanderfalken an das Angebot von möglichen Beutevögeln anpassen,  dass sie über große Entfernungen Flüge wagen und dass sie ihre Jagdmethode nach  der  Situation wählen.(aus Richard Sale Falcons, (2016) S. 131)

In den Vorjahren berichtete ich hier im Tagebuch, dass z.B. kanadische Wanderfalken auf ihrer Jahreswanderung entlang der Ostküste des Kontinents nach Mittel- und Südamerika  und zurück nicht immer ihren Beutevögeln entlang der Küstenlinie folgen, sondern auch direkt über offenes Meer und Kuba “abkürzen”.