Man fragt mich, wann – bitte schön! –  der Schlupf stattfinden wird. Ob das nachts oder tags geschehen wird?  Nun, mal nachts mal tags, erinnere ich mich. Es ist in der Tat ein bewegender Vorgang, auch wenn wir wenig davon zu sehen bekommen werden.

Ich hatte im Jahr 2000  das besondere Glück – war es eine Art Belohnung? –  beim Schlupf des ersten Kükens in diesem Nistkasten hinter einem “Spionloch” in der rechten Nistkastenwand zu stehen. Eine unruhige AURORA  erhob sich und ich sah, wie die Eihälften auseinander fielen und ein feuchtes rosiges Etwas sich heraus drängte. Es wandte den Kopf nach unten und bewegte sich etwas. AURORA rüttelte sich wieder darüber ein. Als sie nach etwa 10 Minuten sich wieder erhob, erkannte ich aber sofort, dass dieses Küken tot war. AURORA hatte es selbstverständlich ebenfalls bemerkt,  ihre quietschenden Laute und das behutsame  Zupfen mit dem Schnabel führten zu keiner Reaktion. Schließlich trug sie das Küken im Schnabel nach außen, flog damit davon und war nach wenigen Sekunden zurück. Am nächsten Tag hatte sie die Schalenhälften verzehrt und zwei weitere Küken schlüpften. RON und JANA flogen als erste Heidelberger Jungfalken – nach 47 Jahren Abwesenheit des Wanderfalken in Heidelberg – erfolgreich aus!

Vor dem Schlupf durchbricht der Schnabel des Kükens die Membran zur Luftkammer  und das Küken kann dann erstmals atmen. Wenn dann der Sauerstoffvorrat zu Ende geht, bewegt das Küken die Nacken- und Beinmuskeln. So durchlöchert der “Eizahn” auf dem Oberschnabel des Kükens die Eischale von innen.

Wie ich unsere aufmerksamen Dokumentarinnen kenne, wird bei einem Brutwechsel eine “punktierte” Eischale bestimmt als erstes Signal erkannt werden! Wir freuen uns darauf! (Falls der Schlupf nachts stattfindet, wird das erste Küken bereits als weißer Fleck sichtbar sein.) Nach einigen Atemzügen frischer Heidelberger Luft und einer Erholungsphase, die einige Stunden dauern kann, wird das spitze Eischalenende weggedrückt. PALATINA unterstützt keineswegs diese “Flucht aus dem Ei”, beantwortet jedoch das leise Piepsen mit aufmunternden “Ack-Zick”-Lauten. Das feuchte, rosige und völlig erschöpft liegende Etwas wird unter der wärmenden Mutter sehr schnell getrocknet und sieht bereits nach wenigen Minuten als schneeweißes wolliges Kleinkind – na, ja – irgendwie “süß” aus, das “Kindchenschema” der Verhaltensforscher I.Eibl-Eibesfeld & K.Lorenz lässt grüßen! (Bei YouTube sind Clips von Hundewelpen und Katzenbabys die häufigsten Videos! Spitzenreiter ist das Video eines Pandabärenkindes, das niesend sein Mutter erschreckt: 160 Millionen Aufrufe!))

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